LUXEMBURG
MARCO MENG

Denise Voss wird ALFI-Präsidentin - Strategieplan „Ambition 2020“ vorgestellt

Mit Denise Voss, der bisherigen für internationale Angelegenheiten zuständigen Verbands-Vizepräsidentin, wurde gestern erstmals eine Frau zur Präsidentin der Association of the Luxembourg Fund Industry (ALFI) gewählt. Sie folgt damit auf Marc Saluzzi, dessen zweites Mandat von zwei Jahren ablief.

Die aus Boston stammende US-Amerikanerin, die seit 25 Jahren in Luxemburg arbeitet - seit 1995 für Franklin Templeton International Services S.à.r.l - sieht vielfältige Herausforderungen auf die Fondsbranche zukommen. „Dazu gehören die Alterung der Bevölkerung und die Notwendigkeit für jeden Einzelnen, Eigenverantwortung für die Absicherung seiner Altersvorsorge zu übernehmen.“ Damit Luxemburg auch in Zukunft eine führende Rolle bei der Entwicklung des Fondssektors spielt und der zu Luxemburgs Wirtschaftswachstum beiträgt, stellte Voss gestern den ALFI-Strategieplan „Ambition 2020“ vor.

Eine Ambition, fünf Ziele

Der Investmentfondsverband will damit die Position Luxemburgs als Referenzzentrum für Investmentfonds stärken. Um die Pläne zu verwirklichen, hat sich ALFI fünf Ziele gesteckt: Maßnahmen fördern, welche die Interessen der Anleger und Fondsindustrie in Einklang bringen, die zentrale Rolle der Investmentfonds in der Weltwirtschaft aufzeigen, den Investoren Zugang zu Anlagemöglichkeiten auf den Weltmärkten ermöglichen, gewährleisten, dass Luxemburg der bevorzugte Fondsstandort für Asset Manager bleibt sowie Innovation, Forschung, Ausbildung und Talententwicklung fördern. Der letzte Punkt kann als Steckenpferd von Voss bezeichnet werden, präsidiert die neue ALFI-Vorsitzende doch bei der European Fund and Asset Management Association (EFAMA) die Arbeitsgruppe für Anlegerausbildung.

Da sich die geburtenstarke „Babyboomer“-Generation dem Rentenalter nähere und die Lebenserwartung steige, erläutert das Strategiepapier, stiegen auch die Verpflichtungen des umlagefinanzierten Systems der Alters- und Gesundheitsversorgung: „Dies wird dazu führen, dass die finanziellen Ressourcen der Vorsorgeeinrichtungen schrumpfen, sodass jeder Einzelne gefordert ist, höhere private Ersparnisse anzulegen und sich zusätzliche Renteneinkommen zu sichern.“ Das heißt neue Produkte und Dienstleistungen. „Neben rein nationalen Lösungen werden dabei zunehmend auch Anlagemöglichkeiten auf ausländischen Märkten nachgefragt werden“, so das ALFI-Strategiepapier.

Zudem würden Technologie und Big Data die Art und Weise, wie Investoren mit den Anbietern von Dienstleistungen interagieren, fundamental verändern. Auch bei den Fonds selbst, sprich, deren Investitionsstrategien, sei eine Schwerpunktverschiebungen festzustellen: „Passives im Gegensatz zu aktivem Investieren, die Verbreitung von börsengehandelten Fonds (ETFs) sowie das immer populärer werdende verantwortungsbewusste Investieren werden sich auf Anlagepraktiken und Geschäftsmodelle ebenso wie auf Produkt- und Vertriebsstrategien auswirken“, stellt der Verband fest.

Da einerseits ALFI wegen der niedrigen Zinsen einen verstärkten Zufluss von Anlagegeldern in Investmentfonds prognostiziert, sehen die luxemburgischen Akteure andererseits auch eine Gefahr wachsenden Protektionismus‘ und die Gefahr, dass Handelsbarrieren sich auch auf die grenzüberschreitenden Vertriebsmodelle auswirken. Die vielen Regulierungen, die als Reaktion auf die letzte Finanzkrise erlassen wurden, bleiben zwar eine Herausforderung, wenngleich der ALFI-Generaldirektor Camille Thommes darauf hinwies, dass die EU-Kommission selbst schon erklärte, weniger, aber bessere Regulierungen seien sinnvoller. Eine der kommenden Herausforderungen für die Fondsgesellschaften werde nicht zuletzt auch die Steuerpolitik auf EU-Ebene sein.

Wie Voss betonte, will der luxemburgische Fondsverband sich insbesondere auch für nachhaltiges Investieren stark machen. Um dazu beizutragen, dieses Ziel zu erreichen, stellt ALFI auf einer eigens dafür eingerichteten Webseite Informationen und Erkenntnisse über das Investieren zur Verfügung, um den Anleger bei der Beantwortung der Frage zu unterstützen: „Was ist gut für mich, meine Familie und die Welt?“;

Zudem will der Verband die Entwicklung neuer Technologien und Anwendungen für den Kleinanleger fördern und nicht zuletzt auch durch Programme, Workshops und e-learning die berufliche Aus- und Weiterbildung ausweiten, um „das Reservoir an qualifizierten Arbeitskräften in Luxemburg und im nahen Ausland zu verbreitern und zu vertiefen“.
www.understandinginvesting.org