LUXEMBURG
JOSY GLODEN

Das Weinjahr 2019 war ein ausgesprochen schwieriges. Zunächst ist ein großer Teil der Triebe bei Spätfrost erfroren, dann wurden viele Trauben im Hochsommer bei Rekordtemperaturen geradezu verbrannt und schließlich begleitete Dauerregen die ganze Lese. Im Verhältnis zum langjährigen Mittel brach der Ertrag um rund 50 Prozent ein. Wie kann es unter diesen Umständen weitergehen und wie kann der Staat den Winzern unter die Arme greifen? Dazu hat Josy Gloden, der Präsident der Winzergenossenschaft „Domaines Vinsmoselle“, klare Vorstellungen:

„Betrachtet man die Frostschäden, so ist die Situation für den einzelnen luxemburgischen Winzer nicht so schlecht, da viele Betriebe eine Versicherung gegen Frostschäden haben, deren Prämien vom Staat mit 65 Prozent bezuschusst werden. Wir als Genossenschaft haben keine Möglichkeit, uns gegen witterungsbedingte Mengeneinbrüche zu versichern. Wir müssen sehen, wie wir unsere 120 Mitarbeiter auch unter diesen Bedingungen weiterbeschäftigen.

Die Winzer, deren Frostversicherung ausgezahlt wird, haben aber ein anderes Problem. Auf dem Papier machen sie einen ‚Riesengewinn‘, der sie im Auszahlungsjahr steuerlich in Schieflage bringt. Der Staat, in dem Fall die Steuerverwaltung, kommt dabei ziemlich gut weg.

In Sachen Glyphosat sind wir uns an der Luxemburger Mosel einig, das Verbot zu akzeptieren. Aber wir wären froh, wenn sich die grüne Umweltministerin ein Bild vom Mehraufwand in den Wingerten machen würde. Eine Sache zu verbieten ist einfach, aber es würde auch nichts schaden, wenn man den Berufsvertretern einmal zuhören würde, denn bei solchen Entscheidungen ist Fachwissen gefragt. Um es klar zu sagen: Im luxemburgischen Weinbau ist die Arbeit im Wingert immer noch Handarbeit, allein schon aufgrund der Geographie. Ein problematisches Weinjahr wie 2019 verlangt bei der Lese in ganz besonderem Maße nach selektiver Handarbeit.

Es ist bedauerlich, dass grüne Politik Verpflichtungen vorgibt, die der Landwirtschaftsminister – drastisch formuliert – ‚ausbaden‘ muss.

Ein dunkles Kapitel sind Baugenehmigungen für Winzer, die Betriebsgebäude außerhalb der Ortschaften errichten wollen – dafür braucht man einen ganz langen Atem. Nebenerwerbswinzer, sogenannte Hobbywinzer, haben gar keine Chance auf eine derartige Genehmigung, selbst wenn ihre Rebfläche der eines Vollerwerbsbetriebs entspricht.

In vielen Bereichen nimmt der bürokratische Aufwand immer mehr zu. Bei der Anmeldung von ausländischen Saisonarbeitskräften für drei Wochen Weinlese steht der Papierkrieg in keinem Verhältnis zum Ergebnis. Die viel gepriesene ‚Verwaltungsvereinfachung‘ ist im landwirtschaftlichen Sektor definitiv noch nicht angekommen.

Aber es gibt auch positive Aspekte. Wenn es um Betriebsbeihilfen und die dafür notwendigen Anträge geht, sind die beteiligten landwirtschaftlichen Verwaltungen ausgesprochen hilfsbereit. Gleiches gilt für die Förderung von luxemburgischem Wein im Ausland, auch dabei arbeitet man Hand in Hand.“