PATRICK WELTER

Die Entwicklung ist eigentlich märchenhaft. Da kommt ein kleines fieses Ding aus China und binnen von Wochen, nicht einmal Monaten, wurde die Arbeitswelt so gründlich umgekrempelt, wie sonst nur in Jahren. Immerhin waren wir alle technisch darauf vorbereitet, denn Homeoffice ohne Internet wäre wie der arme Poet in seiner Dachkammer.

Das „Zuhause arbeiten“ war in unserer alten Arbeitswelt eine Seltenheit. Man sprach zwar immer von den Vorteilen für Arbeitnehmer und Verkehr, aber umgesetzt wurde so gut wie nichts. In den Medien tauchten Elite-Nerds auf, die behaupteten als digitale Nomaden ihren Job von jeder Ecke der Erde aus machen zu können – solange die Datenübertragungsrate stimmt. Vor drei Monaten waren das noch Exoten, aber exotisch ist die Vorstellung überall arbeiten zu können nicht mehr.

Webinar, Zoom, Slack, Skype-for-Business – alles Begriffe und Dinge die schon vor der Krise einigen bekannt waren. Nach zwei Monaten Corona gehen auch Otto Büronormalo und Dr. Lieselotte Müller locker damit um. Schneller als jemals gedacht. Eine aktuelle Statec-Umfrage zeigt bei den luxemburgischen Arbeitnehmern eine Zufriedenheit von 55 Prozent mit dem Homeoffice, für 30 Prozent hat es weder Vor- noch Nachteile. Nur 15 Prozent sind völlig unzufrieden mit dem Arbeiten zuhause – wer gleichzeitig noch zwangsbeurlaubte Kinder bespaßen musste, für den oder die ist das Homeoffice eine Herausforderung.

Natürlich fehlt der persönliche Kontakt in der Kaffeeküche, das Plaudern oder Lästern, dass in jeder Firma irgendwie dazu gehört. Jetzt überlegt man sich einen flotten Spruch zweimal, wenn man ihn nicht nur aussprechen, sondern schreiben muss.

Dass 85 Prozent der betroffenen Arbeitnehmer kein Problem mit dem - zwangsweise erprobten - Homeoffice haben, wird sich dauerhaft in der Arbeitswelt für Arbeitnehmer und Arbeitgeber auswirken. Skeptische Chefs, die Homeoffice bis zur Corona-Krise für eine geschickte Art der Arbeitsverweigerung gehalten haben, wurden des Besseren belehrt. Wenn die häusliche Umgebung stimmt und die Selbstdisziplin einigermaßen funktioniert, stellt sich die Frage nach der Arbeitsleistung nicht. Sie ist so hoch wie im Büro oder vielleicht sogar höher.

Die Erfahrungen der letzten Wochen lassen aber auch unsere Zurückhaltung gegenüber einem anderen Arbeiten schwinden. Co-working-spaces, Arbeiten ohne festen Arbeitsplatz – jeder setzt sich mit seinem Laptop dahin wo er Lust hat - oder virtuelle Büros. Alles Ideen die nicht neu sind, aber von gestandenen Büromenschen alter Schule skeptisch gesehen wurden. Jetzt wissen wir alle, dass es auch anders geht. Homeoffice haben wir erfolgreich ausprobiert, jetzt darf auch der Co-working-space kommen.

Homeoffice und geteilte Büros im ländlichen Irgendwo könnten auch das Verkehrssystem entlasten – hüben und drüben. Dafür müssten aber ein paar Finanzminister über ihren Schatten springen und die unsinnige Regelung von maximal 19 Tagen (Quote für deutsche Grenzgänger) Homeoffice in die Tonne hauen. Die Lösung ist simpel: Wer für ein luxemburgisches Unternehmen arbeitet, zahlt luxemburgische Steuern, egal ob er in Lothringen, der Wallonie oder im Saarland hinter seinem Laptop sitzt.