LUXEMBURG
INGO ZWANK

Das System „Space Drive II“ erlaubt es, ein Auto mit eingeschränkter Mobilität über einen Joystick zu steuern

Madelino Rodrigues sitzt in seinem Auto, einem Hyundai Tucson - und grinst. „Ein tolles Auto“, sagt er mit dem breiten Lächeln im Gesicht über sein neues Gefährt, das er gerade bei Autopolis in Bartringen abholt. So gesehen nun einmal nichts ungewöhnliches, würde Madelino nicht an einer schweren Krankheit leiden: Muskelschwund! Er sitzt in seinem neuen Wagen, dem ersten seiner Art, der mit dem System „Space Drive II“ ausgerüstet ist und so auch in Luxemburg gefahren werden darf. Dieses computergesteuerte System erlaubt es Madelino, den Wagen mit seiner eingeschränkten Mobilität über Joystick zu steuern.

Mehr Technik geht aktuell nicht

Zusammen mit Autopolis und Jean Claude Frings, der im Autohaus für den Bereich „Mobility“ zuständig ist, sowie der „Fondation Wonschstär“ ging man das Abenteuer „Führerschein für Madelino“ an, denn den musste er erst einmal machen. „In knapp 80 Fahrstunden.“

„Ich wollte unbedingt Autofahren und habe mich da an das Ministerium gewendet. Dort wurde mir unter anderem der Kontakt zu Autopolis vermittelt.“

Ein extremer Hürdenlauf begann. Sogar ein großherzogliches Reglement musst verfasst werden, damit Madelino seinem Wunsch von mehr Mobilität näher kam.

Keine Benachteiligung

„Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Dazu gehört insbesondere die mobile Freiheit und Unabhängigkeit. Menschen mit Behinderung muss die Möglichkeit gegeben werden, ohne fremde Hilfe von A nach B zu gelangen“, das ist die Philosophie von der deutschen Firma Paravan, die für das System „Space Drive II“ verantwortlich ist. Denn Autofahren soll auch mit schwerer Behinderung kein Thema mehr sein. „Mit Space Drive II ist der Traum von der eigenen Mobilität für Madelino wahrgeworden“, erzählt auch Frings.

Space Drive II ist ein weltweit einzigartiges System, das es Menschen mit Behinderung ermöglicht, selbst bei geringen Restkräften, hohem Querschnitt, minimalen Bewegungsfähigkeiten und sogar ohne Arme oder Beine, einen Wagen zu fahren.

„Mit Space Drive II betätigt man absolut sicher und präzise Bremse, Gas und Lenkung durch mikroprozessorgesteuerte Fahrhilfen“, versichert auch Patrick Warnier, Fahrlehrer in der Fahrschule Warnier in Bascharage, der mit Madelino einen Teil der Fahrstunden absolviert hat. Diese Fahrhilfen übertragen die Signale digital in Nanosekunden an einen Servomotor für Bremse und Gas sowie an einen weiteren Servomotor für die Lenkung, man spricht vom „Drive by wire“ beziehungsweise „Steer by wire“. Die einzelnen Module wurden individuell für Madelino konfiguriert und damit hautnah auf das Krankheitsbild ausgerichtet. „Das gesamte System ist multiredundant ausgelegt. Drei voneinander unabhängige Steuerkreise laufen stets parallel, überwachen sich dabei gegenseitig und gewährleisten so eine absolute Ausfallsicherheit“, erklärt Frings. Leistungsstarke Prozessoren und neuentwickelte Servomotoren sorgen für ein hochpräzises und kinderleichtes Handling. Bei Veränderungen des Krankheitsbildes werden die Soft- und Hardwarekomponenten vor Ort neu angepasst.

Modernste Fahrzeug in Luxemburg

Mit Gas-Bremsschieber, Joystick, Fahrrad-Lenkung und Mini-Lenkrad lassen sich alle Primärfunktionen wie Bremse, Gas und Lenkung bequem und sicher ausführen. In der Check Control laufen alle Fäden des Systems zusammen. Ein Vorteil des Systems: Es ist komplett deaktivierbar, das heißt, auch Begleitpersonen können das Fahrzeug „normal“ mit Lenkrad und Pedalen fahren, sollte es einmal ausgeliehen werden oder es dem eigentlichen behinderten Fahrer zu schlecht gehen, um im Notfall selber zu fahren.

„Ich wollte einen SUV“

Doch warum wollte Madelino gerade dieses Auto? „Ich brauche ein Fahrzeug, in das ich leicht einsteigen kann, also höher sitze. Da war also klar, dass ich einen SUV haben möchte. Geübt habe ich noch auf dem ix35, doch im Internet habe ich da schon den Tucson gesehen und hoffte, dass ich den bekommen kann. Ein schönes Auto“, schwärmt er.

Nach Angaben von Autopolis hat das Fahrzeug mit Fahrstunden und Einstellungen über 120.000 Euro gekostet. „26.000 Euro hat davon die Krankenkasse übernommen“, sagt Frings, dieser Betrag sei gedeckelt, mehr nicht drin.