LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Harmonisieren, vernetzen, weiterbilden: Referenzzentrum für emotionale und sexuelle Erziehung (Cesas) zieht erste Bilanz

Den internationalen Tag der sexuellen Gesundheit (4. September) hat das nationale Referenzzentrum für die Förderung der emotionalen und sexuellen Gesundheit (Cesas) gestern zum Anlass genommen, um eine erste Bilanz, aber auch einen Ausblick zu geben. Das Anfang Mai 2018 offiziell eingeweihte „Centre national de référence pour la promotion de la santé affective et sexuelle“ verfolgt eigenen Angaben zufolge das Ziel, „die sexuelle Gesundheit in Luxemburg durch Information, Sensibilisierung und Fortbildung zu fördern“ - und das auf mehrere Art und Weisen.

Eine davon ist die Vernetzung. „Es ist entscheidend, die Zusammenarbeit zu intensivieren“, sagte etwa Emilie Kaiser, Projektbeauftragte beim Cesas. Ihren Aussagen war zu entnehmen, dass heute noch viel Potenzial verschenkt werde. War die Zusammenarbeit zwischen Aufklärungs-, Anlauf- und Beratungsstellen in der Vergangenheit bislang eher informell oder kam durch persönliche Bekanntschaften zustande, hat das Cesas eine Broschüre herausgebracht, die die zahlreichen Akteure mit ihren Kontaktdaten nicht nur auflistet, sondern auch nach bislang neun Kategorien gruppiert. An wen kann man sich zum Thema sexuell übertragbare Krankheiten wenden? An wen für Information und Weiterbildung über emotionale und sexuelle Gesundheit? An wen für Fragen zur sexuellen Orientierung? Die Liste soll einerseits die Sichtbarkeit der tatsächlich etlichen Akteure wie auch die Orientierung an die jeweiligen Stellen verbessern.

Lëtzebuerger Journal

Vermittlerrolle

Das Cesas versteht sich angesichts einer Tabuisierung des Themas Sexualität auch als Vermittler für Eltern, Erzieher, Lehrer oder auch Ärzte. Nach einer ersten Bestandsaufnahme hat das Cesas beispielsweise einen Weiterbildungsbedarf festgestellt. Eine starke Nachfrage gibt es etwa laut Aussagen von Eva Schmit, ebenfalls Projektbeauftragte beim Cesas, im Kleinkindbereich. Es sei wichtig, die Sexualität aus der Perspektive von Kindern zu sehen, sagte sie mit Verweis auf eine im Oktober stattfindende Konferenz. Wie etwa mit Doktorspielen unter Kindern umzugehen ist kann in diesem Kontext eine Frage sein.

Die „Planning familial“-Präsidentin Ainhoa Achutegui lobte derweil das Koalitionsabkommen, in dem sich viele Forderungen des „Planning“ (der den Cesas verwaltet) wiederfänden. Im Regierungsprogramm verpflichtet sich Blau-Rot-Grün, „alle Kinder und Jugendliche, entsprechend ihrem Alter, über Themen betreffend die Sexualität zu informieren und sensibilisieren“. Bislang hätten nicht alle Kinder Zugang zu einer emotionalen und sexuellen Erziehung, so Achetugui. Zudem war die Sexualerziehung in der Vergangenheit stark auf die biologischen und gesundheitlichen Aspekte ausgerichtet. Kritisch bemerkte Achutegui allerdings, dass die Lehrkräfte den Saal in diesen spezifischen Unterrichtsstunden nicht verlassen dürften, was verhindere, dass die Schüler sich frei äußern.

Angesichts einer Zunahme von Fällen, in denen sich junge Menschen mit sexuell übertragbaren Krankheiten anstecken wie auch vor dem Hintergrund häufigerer Fälle von sexueller Gewalt habe die sexuelle Erziehung „einen hohen Stellenwert“. Sexuelle und emotionale Erziehung sei ein Recht für jeden und jedes Alter, betonte Achutegui. Eine Aufgabe des Cesas sieht sie vor allem darin, dass alle Akteure in der emotionalen und sexuellen Erziehung „eine gemeinsame Sprache“ sprechen.

Zu den Plänen des Cesas zählen neben den geplanten Konferenzen und der kontinuierlichen Sensibilisierungsarbeit eine geplante Webseite zum Thema Verhütung sowie pädagogisches Material für den Sekundarschulunterricht, verriet die Projektbeauftragte Camille Soudenys. Verschiedene Broschüren sollen derweil aktualisiert werden und außerdem im Dezember eine Themenwoche stattfinden. Weitere Rundtischgespräche und Konferenzen sind geplant, mit denen das Cesas die Diskussion in die Öffentlichkeit bringen will. Wobei die punktuelle Thematisierung nach Einschätzung des Zentrums eigentlich unzureichend sei. „Die emotionale und sexuelle Erziehung sollte zu unserem Alltag gehören“, sagte Kaiser.

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Besser geschützt | Zur sexuellen Erziehung gehört auch der Schutz vor „Sexually Transmitted Infections“

Emotionale und sexuelle Erziehung hat nicht nur, aber eben doch auch mit Sex und damit verbundenen Risiken zu tun. An dieser Stelle sei deshalb an die im Juli gestartete Aufklärungskampagne erinnert, die über sexuell übertragbare Infektionen informiert. Eine Ansteckung durch STI ist bei ungeschütztem Sex in jedem Alter möglich. STI („Sexually Transmitted Infections“) können durch Bakterien, Viren oder Parasiten verursacht werden.

Die häufigsten Infektionen sind die Chlamydien-Infektion, die Gonorrhoe („Tripper“), Syphilis, Genitalherpes, Hepatitis B und C, HIV und Humane Papillomviren (HPV).

Es sei aber daran erinert, dass über dreißig Krankheitserreger beim Geschlechtsverkehr übertragen werden können.

Mittels einer Selbstuntersuchung kann man zwar herausfinden, ob man von einer STI betroffen ist, allerdings reicht das nicht aus. Symptome können sein: ein abnormaler Abfluss aus der Vagina, dem Penis oder dem Anus, Brennen oder Juckreiz im Genitalbereich, die Bildung schmerzfreier kleine Warzen im Genitalbereich, schmerzfreie kleine Geschwüre und/oder Rötungen der Haut und/oder Schleimhaut, kleine schmerzhafte Geschwüre an der Schleimhaut des Genitalbereichs, Schmerzen in der Vagina oder Eichel und/oder im Unterleib, während oder nach dem Geschlechtsverkehr, grippeähnliche Symptome mit Fieber und geschwollenen Lymphknoten oder Hautausschlag. Treten diese Symptome in einem bestimmten Zeitraum nach einem ungeschützten Sexualkontakt auf, soll man sich testen lassen. Es ist allerdings zu beachten, dass eine Ansteckung mit einer STI ohne das Auftreten von Symptomen vorliegen kann.

Ein Infektionsrisiko besteht indes nicht nur bei Geschlechtsverkehr ohne Kondom, sondern auch durch gemeinsames Benutzen von Spritzbesteck, eine Bluttransfusion, während der Schwangerschaft und Stillzeit von der Mutter auf das Kind oder den direkten Kontakt von Körperflüssigkeiten (Blut, Sperma, Vaginalsekret...) mit der Haut und Schleimhaut (offene Wunden, Vagina, Penis, After, Augen, Mund ...) des anderen übertragbar .

Diese Informationen sind der Broschüre „Setzen Sie Ihre Gesundheit nicht aufs Spiel“ entnommen, die noch viele weitere nützliche Informationen bereithält.

tinyurl.com/istcampinf

MULTIPLIKATORENROLLE

Das Cesas in Zahlen

Das „Centre national de référence pour la promotion de la santé affective et sexuelle“ (Cesas) hat seit seiner offiziellen Einweihung im Mai 2018 eigenen Angaben zufolge mehr als 250 Multiplikatoren (wie Erzieher, Lehrer...) weitergebildet, mehr als 52.000 Menschen übers Internet erreicht, inzwischen mehr als 850 Newsletter-Abonnenten, über das Netzwerk der verschiedenen Akteure 2.500 Broschüren sowie 15.000 Sensibilisierungsflyer über die emotionale und sexuelle Gesundheit verteilt. Weitere Informationen unter cesas.lu und facebook/CesasLUX