LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Regierung hält an Plänen zur Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts fest – Doch viele Fragen bleiben noch zu klären

Die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts in Etappen und die Wiedereröffnung der Kinderbetreuungseinrichtungen ruft auch unter den Abgeordneten des Parlaments viele Fragen auf. So viele, dass die gestrige Ausschusssitzung nicht ausreichte, um auf alle einzugehen. Das soll in einer kommenden Sitzung nachgeholt werden. Die adr hatte den Austausch angefragt.

Klar ist derweil, dass die Regierung nicht auf die Forderung von sieben Bildungsvertretern eingeht, Primanern in der kommenden Woche die Wahl zu lassen, ob sie am Präsenzunterricht teilnehmen wollen oder nicht. Auch der mitgeteilte Zeitplan gilt weiter. „Der Kalender der Wiederaufnahme (der Kurse im Klassensaal d. R.) ist der, den die Regierung beschlossen und kommuniziert hat“, heißt es aus dem Bildungsministerium. Auch Premierminister Xavier Bettel bestätigte das gestern noch einmal gegenüber Radio 100,7. Im Ausschuss verwies der DP-Abgeordnete und Vorsitzende der Kommission Gilles Baum laut Angaben des Senders auf die bestehende Schulpflicht. Zudem soll auf diese Weise das Schuljahr sauber abgeschlossen werden. Anderer Meinung als die Mehrheitsparteien ist die adr. Die Oppositionspartei fordert für das Ende des laufenden Schuljahres die Wahlmöglichkeit für Eltern und Schüler zwischen Präsenz- und Fernunterricht. „Auch der Schulbesuch vor den Abschlussexamen soll auf freiwilliger Basis sein“, hält die adr fest.

Nach den Plänen der Regierung sollen ab dem 11. Mai die verbleibenden Sekundarklassen, in zwei Gruppen aufgeteilt und im Wochenrhythmus alternierend zum Unterricht in die Schule. Ab dem 25. Mai würde der Betrieb in den Grundschulen und Betreuungseinrichtungen wieder anlaufen. Das Bildungsministerium präzisiert indes, dass Änderungen an diesen Plänen nicht ausgeschlossen sind, je nachdem, wie sich das Coronavirus weiterentwickelt.

Die progressive Wiederaufnahme des Unterrichts sorgt derweil für Kritik und Bedenken bei Schülern, Eltern und Lehrern. Eine Petition, die eine erneute Öffnung von Grund- und Sekundarschulen, „maisons relais“ und Krippen erst wieder im September forderte, haben binnen weniger Tage mehr als 6.300 Personen unterzeichnet. Für eine ähnliche Petition auf change.org sind es bereits 17.000.

Gefährdete Personen: Freistellung mit ärztlichem Attest

Freigestellt vom Unterricht im Klassenzimmer sind lediglich Schüler und Lehrer, die selbst als gefährdet gelten oder gefährdete Personen in ihrem Umfeld haben. Wie RTL gestern zu berichten wusste, gilt nach Angaben des Bildungsministers einer von zehn Lehrern als gefährdet. Wenn Schüler mit gefährdeten Personen zusammenwohnen, können sie im Fernunterricht bleiben, sofern sie ein ärztliches Attest vorlegen, heißt es aus „Journal“-Nachfrage aus dem Bildungsministerium. Wie diese Schüler Prüfungen schreiben sollen, sei allerdings noch nicht geklärt. Da werde derzeit noch „an Lösungen gearbeitet“.

Im parlamentarischen Ausschuss betonte Bildungsminister Claude Meisch (DP) gestern, dass wirtschaftliche Gründe nicht ausschlaggebend seien für die Rückkehr in den Klassensaal. Die Abschlussklassen seien als erste dran, weil man garantieren müsse, dass sie ihren Schulparcours abschließen können und gegebenenfalls Prüfungen nachschreiben können. Der liberale Minister appellierte dann auch nochmal an alle Primaner, sich in dieser Woche testen zu lassen. Im Falle eines positiven Covid-19-Tests sei nach einer Isolierung von maximal drei Wochen eine Teilnahme an den Abiturexamen immer noch möglich.

Eine große Herausforderung wird nach Ansicht Meischs die Organisation des Schultransports, wobei aus der Zusammenfassung der Kommissionssitzung nicht klar hervorgeht, worin genau die Herausforderung besteht. Es stellt sich aber die Frage, wie überfüllte Busse und dadurch eine Vermischung der Schüler vermieden werden kann.

Diskutiert wurde ebenfalls die Frage, wie die Kinderbetreuung organisiert wird. Um zu verhindern, dass zu viele Kinder zusammen in einer Struktur in Kontakt miteinander kommen, soll der speziell während der Pandemie eingerichtete Sonderurlaub aus familiären Gründen über den 25. Mai hinaus beansprucht werden können. Gleiches gilt für die Eltern von gefährdeten Kindern. Apropos Kinderbetreuung: Wie RTL gestern meldete, sollen Lehrer ihre eigenen Kinder laut einer E-Mail des Bildungsministeriums mit der Wiederaufnahme des Unterrichts in neun Strukturen betreuen lassen. Die Kosten dafür würde das Ministerium übernehmen.