LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Total-Landeschef Patrick Schnell über die Einrichtung von Wasserstofftankstellen

Das Erdölunternehmen Total betreibt zwar Tankstellen für Benzin und Diesel, beschäftigt sich aber auch sehr stark mit alternativen Energien, zu denen es einen Mix anbieten will. Schnellladestationen für E-Autos gehören ebenso dazu wie Erdgas in flüssiger und/oder komprimierter Form, also CNG und LNG. Total ist an Wasserstofftankstellen interessiert. Zum 80. Firmenjubiläum vergangenes Jahr hatte das Unternehmen sogar drei Experten zum Thema nach Luxemburg eingeladen. Pläne für eine erste Wasserstofftankstelle sind bereits im Gespräch, wie Total-Landes-Chef Patrick Schnell berichtet.

Herr Schnell, wie wirkt sich die Coronakrise auf Ihr Geschäft aus?

Patrick Schnell Angesichts der COVID-19-Pandemie ist die Gesundheit unserer Mitbürger und aller unserer 430 Mitarbeiter in Luxemburg eine Priorität. Als ein Schlüsselsektor verfügt die Gruppe jedoch in jedem Fall über Pläne zur Weiterführung des Geschäfts für alle ihre Unternehmenseinheiten im Krisenfall, weshalb wir die Kontinuität unserer kommerziellen Aktivitäten sowohl auf der Ebene unseres Tankstellennetzes als auch auf der Ebene unserer Heizöl- und Spezialaktivitäten wie Schmierstoffe, Bitumen, Spezialflüssigkeiten und Flugkraftstoffe sicherstellen. Auch wenn viele unserer Mitarbeiter Telearbeit nutzen, bleiben unsere Teams für unsere Kunden da und stehen ihnen bei Fragen zur Verfügung. Schwieriger ist da schon der gesunkene Rohölpreis. Die wirtschaftliche Krise wird uns noch lange verfolgen. Die Regierungen haben große Unterstützungs-Pakete beschlossen, aber nicht alle Firmen werden es schaffen, das bereitet uns Sorgen.

Dennoch feilen Sie weiter an einem Multienergiequellen-Programm. Wie weit sind Sie?

Schnell Wir reden mit verschiedenen Ministerien. Nach der Pressekonferenz vergangenes Jahr, als wir unser 80. Jubiläum gefeiert haben, haben wir unsere Bereitschaft zur Kooperation signalisiert. Bislang reden wir über einen möglichen Ort in Luxemburg, also, wo wir das einrichten könnten, das braucht viel Platz. Der Kompressor und das Lager benötigen Raum. Daher suchen wir einen neuen Standort und reden mit verschiedenen Leuten. Doch Corona hat uns da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mit dem Ministerium sind wir im Gespräch über einen konkreten Ort. Wir hoffen, dass wir im Lauf des Jahres weiterkommen und 2022 die Wasserstoff-Tankstelle stehen könnte. Noch wissen wir nicht, was auf uns wartet im Hinblick auf Genehmigungen. Eine Wasserstofftankstelle kostet rund eine bis drei Millionen Euro.

Wer wären die Kunden?

Schnell Wir reden mit Taxi- und Busunternehmen und auch mit professionellen Nutzern.

Wie hoch ist der Marktanteil Markt von Wasserstoff?

Schnell Das ist schwer zu sagen. Seit rund einem Jahr merken wir, dass die Lkw-Hersteller sich mehr und mehr für Wasserstoff interessieren. Es gibt immer mehr Wasserstoff-Projekte. Die EU hat da auch ein Projekt namens HyWays. Die Nutzung von Wasserstoff in der Energiewirtschaft könnte dazu beitragen, den Erdölverbrauch im Straßenverkehr bis zum Jahr 2050 zu verringern.

Dazu wird es Vorführungen geben. Wenn sich das durchsetzt, dann wäre der Lkw-Markt ein sehr interessanter Markt. Man muss natürlich sehen, dass alternative Antriebe in diesem Bereich auch höhere Kosten mit sich bringen. Das hängt also auch ab von der Gesetzesentwicklung und möglichen Hilfen. Man sieht eine ähnliche Entwicklung bei LNG, also Flüssigerdgas, denn für Lkw, die damit fahren, bedeutet dies bei der Maut einen Vorteil auf deutschen Autobahnen. Das macht die LNG-Lkw dann attraktiver. Einige Kunden zwingen auch ihre Logistiker dazu, auf diesem Weg zu transportieren. Das sind dann Markttreiber. Doch auch hier wissen wir nicht, wie es weitergeht. Dazu kommt: viele Staaten müssten ihre Besteuerung verändern. Es ist aber im Interesse aller, den CO2-Ausstoss im Transport runterzufahren. Das gibt ja auch die EU vor.

Wo tut sich am meisten in Sachen alternative Energie?

Schnell Ich würde sagen, Europa ist mit Japan und China sowie Kalifornien am weitesten. Dort geschieht am meisten in Richtung Umwelt. Das betrifft Wasserstoff, Erdgas und auch Elektrizität. Und innerhalb Europas sind Deutschland, Frankreich und Italien sehr weit. In Spanien hat die Krise leider sehr viel zum Erliegen gebracht.

Welche Rolle spielen Staatshilfen?

Schnell Das sind wirkliche Hebel, vor allem bei der Besteuerung und Maut. Wichtig sind auch ganz konkrete Projekte, von denen es ja einige auf europäischer Ebene gibt.

Haben Sie eine alternative Kundenkarte für Wasserstoff?

Schnell Wir haben eine Petrolkarte lanciert, die eine E-Option hat und es gibt auch die Möglichkeit, Erdgas bei Total und seinen Partnern zu tanken. Wasserstoff wird dann darin integriert. In naher Zukunft werden wir weitere Dienste anbieten, insbesondere schnelle E-Aufladegeräte an unseren Tankstellen.

Wasserstoff spielt auch in Luxemburg eine Rolle bei der Energietransition

Mühsames Herantasten

Schnell abgeschlossen werden sollten die Studien zu Wasserstofftankstellen in Luxemburg, hieß es im Koalitionsabkommen der DP-LSAP-déi gréng-Regierung vom Dezember 2018. Zumindest eine solche öffentliche Tankstelle im Großherzogtum dürfte im Rahmen des „H2Benelux“-Projektswohl an die Düdelinger Autobahn kommen. Das Projekt sieht insgesamt acht Wasserstofftankstellen in Belgien (3), den Niederlanden (4) und Luxemburg (1) vor längs des viel befahrenen „Trans-European Transport Network“-Korridors von der Nordsee bis zum Mittelmeer.
Allerdings ist das Abkommen mit dem künftigen Betreiber der Luxemburger Wasserstofftankstelle noch nicht in trockenen Tüchern, wie es aus dem Energieministerium heißt. Energieminister Claude Turmes und Mobilitäts- und Bautenminister François Bausch (beide déi gréng), halten sich deshalb auch mit Angaben über die Kosten einer solchen Infrastruktur zurück. Wie aus ihren Antworten von Anfang April auf mehrere parlamentarische Fragen zum Einsatz für Wasserstoff in der Mobilität hervorgeht, gibt es zwar eine Förderung von Wasserstoffautos (Prämie von 5.000 Euro wie bei den 100-Prozent-Elektroautos), aber es ist noch kein einziges Brennstoffzellenauto in Luxemburg angemeldet.

Keine „Mogelpackung“
Kein Wunder: Die Tankinfrastruktur ist nicht da, nur drei Brennstoffzellenautos sind auf dem Markt und sowohl Anschaffungs- wie auch Betriebspreis dieser Fahrzeuge liegt deutlich über jenen für Autos mit Verbrennungsmotoren oder Batterieantrieb. „Was die laufenden Kosten anbelangt, erklärt sich die Differenz dadurch, dass man bei der Herstellung von Wasserstoff dreimal mehr erneuerbaren Strom benötigt, als wenn man diesen direkt in Elektroautos einsetzen würde“, schreiben die Minister, die sich nichtsdestotrotz stark machen für eine gemeinsame europäische Wasserstoffstrategie, die auf erneuerbaren Energien beruhen müsse. „Das ist eine wichtige Bedingung, weil sonst fossile Energien oder Atomkraft wieder durch die Hintertür gefördert werden und der Wasserstoff dann nur eine „Mogelpackung“ ist“, so die „déi gréng“-Minister.
Auch im integrierten nationalen Energie- und Klimaplan für Luxemburg wird zum Teil auf Wasserstoff gesetzt, um weg von fossilen Treibstoffen zu kommen. „Wasserstoff kann auch eine wichtige Rolle bei der Reduktion der CO2-Emissionen in der Industrie spielen, insbesondere in der Stahlindustrie. Die auf den Bau von Stahlwerken spezialisierten Unternehmen in Luxemburg sind in diesem Bereich bereits aktiv“, heißt es in dem Dokument, „mit Ausblick auf 2030 kann Wasserstoff eine Rolle in der Energieversorgung und der Sektorenkopplung Strom, Wärme und Transport eine entscheidende Rolle spielen, vor allem wenn die Energieverluste bei der Herstellung und Konversion durch Elektrolyse verbessert werden und der Wirkungsgrad von Brennstoffzellen die für Transportmedien entwickelt werden, erhöht wird. Hier will Luxemburg mit anderen EU-Mitgliedsstaaten eng zusammenarbeiten“.  LJ