LUXEMBURG
INGO ZWANK

Erster Semi-Profi-Kampf von MMA-Fighter Julien Gracco steht heute Abend in Luxemburg an

Kämpfen, bis der Gegner auf den Brettern liegt - und das mit (fast) allen Mitteln: Er ist gebürtig aus Eischen, aber es zog ihn nach Belgien und Frankreich, um seiner Leidenschaft nachzugehen - der Kampfsport „Mixed Martial Arts (MMA)“. Julien Gracco, 26 Jahre, der den Fighternamen „Crazy Wolf“ trägt, hätte am Ende seines Studiums eine Karriere als Immobilienmakler beginnen können, doch er wählte den Weg des Leistungssports.

Im Alter von 14 Jahren nahm er an den Nationalmeisterschaften teil und sicherte sich seinen Platz in der Nationalmannschaft. „Wobei ich sagen muss, dass ich damals Taekwondo gemacht habe, weil mein Vater es wollte, er hat mich so zum Kampfsport gebracht.“ Doch dann packte ihn MMA, „ich habe es im Fernsehen gesehen. Mit 17 habe ich mich dann diesem Kampfsport zugewendet.“ Im März diesen Jahres stand ein wichtiger Kampf für Gracco an, über den er im „Journal“ erzählt - und auch heute Abend wird er wieder seine Kampfeskraft beweisen.

Julien, was genau ist Mixed Martial Arts?

Julien Gracco Mixed Martial Arts, was man mit gemischte Kampfkünste übersetzen kann, ist eine Vollkontaktsportart, die eigentlich Anfang der 90er Jahre richtig populär geworden ist, durch die Organisation „Ultimate Fighting Championship (UFC)“, dem weltweit größten Veranstalter von Turnieren und deren Übertragung im Fernsehen. Die Kämpfer können sowohl Schlag- als auch Tritttechniken, sogenannte „Striking“ verwenden, also Techniken des Boxens, des Kickboxens, des Taekwondo, Muay Thai und Karate, aber auch der unterschiedlichsten Bodenkampf- und Ringtechniken des Brazilian Jiu-Jitsu, Ringens, Judo und Sambo. Dass auch im Bodenkampf geschlagen und zum Teil getreten werden darf, ist das Hauptunterscheidungsmerkmal zu anderen Vollkontaktsportarten. Dies führte 2010 zu einem mehrjährigen Sendeverbot von MMA-Profikämpfen in machen Ländern.

Wie bist Du zum MMA gekommen?

Gracco Ich trainierte in meiner Jugend Taekwondo, bis hin zum schwarzen Gürtel - und schwenkte dann, wie gesagt mit 17, auf „Mixed Martial Arts“ um. Heute kommt mir Taekwondo im Kampf aber nur noch wenig zugute. Als mein Studium beendet war, legte ich aber die Bücher weg, um mich ganz dem Kampfsport zu widmen. Nach einem Jahr im Amateurlager beschloss ich, die nächste Stufe zu erklimmen. Mein erster Kampf im Juli 2014 war auch mein erster Sieg: Technischer KO nach 28 Sekunden!

Ging es dann so erfolgreich weiter oder hattest Du auch Rückschläge?

Gracco Ich hatte zwei herbe Rückschläge in meiner Bilanz. Einen, der mich auch heute noch aufregt. Es war ein Kampf in Flandern, gegen einen Flamen ... mit flämischen Richtern. Eine ungerechtfertigte Niederlage. Doch mein Ehrgeiz blieb ungebrochen.

Hat MMA denn nicht ein etwas negatives Image - einen Touch von „bad boy-Sport“

Gracco Ich kämpfe, mein Gegner kämpft - das ist unser Beruf. Doch danach können wir durchaus zusammen essen gehen.

Dass aber doch wirklich und ernsthaft gekämpft wird, habe ich auch schon schmerzlich erfahren müssen, es geht nicht mit Samthandschuhen zu. Ein Nasenbeinbruch und ein Beinbruch stehen in meiner Krankenakte. Den Beinbruch, den ich erlitten habe, habe ich erst gar nicht gemerkt. Erst am Ende des Kampfes - den ich übrigens auch noch gewonnen habe. Doch danach hatte ich leider einige Monate eine notwendige Genesungsphase.

Dein letzter Kampf war ein besonderer Fight!

Gracco Am 16. März habe ich in Antwerpen um den Leichtgewicht-Gürtel der „Staredown Fighting Championship“ gekämpft, die eine der größten belgischen MMA-Organisationen ist.

Wie war dieser Kampf?

Gracco Für diesen Kampf entschied ich mich, eine Gewichtsklasse nach oben auszuweichen, um meinen Körper nicht zu sehr zu ermüden. Mein Gegner war Nasr Essalhi aus Dordrecht in den Niederlanden, ein Profi-Kämpfer in k-1 mit einem sehr guten Stand-up, aber einer gewissen Schwäche im Ringen. Meine Vorbereitung auf diesen Kampf dauerte zwei Monate, mit meinem Trainerstab haben ich eine Strategie entwickelt, um meinen Gegner zu blockieren. Gleichzeitig arbeitete ich mit meinem Trainer Eddie Vendetta, Thai World Boxing Champion, hart an dem ersten Fuß. Ich hatte das Glück, von seinem Wissen auf diesem Gebiet zu profitieren. Zu Beginn der ersten Runde, ganz ähnlich wie bei jedem meiner Kämpfe, kamen zwei, drei Schläge und dann ganz schnell die Umsetzung. Mein Gegner schafft es, jedes Mal aufzustehen, wenn ich ihn auf den Boden legte - das war sehr ermüdend für mich! Die zweite Runde war für mich ziemlich schwierig; Ich wurde schnell von einer Rechten getroffen und verbrachte einen Großteil der Runde im „survival“-Modus. Ich verlor aber nicht den Mut und schaffte es trotzdem, die Runde in einer dominanten Position zu beenden. Angekommen in der Zwischenrunde, kurz vor der letzten Runde, erzählte ich meinen Trainern von meinem Plan, im Stehen zu kämpfen, um das Match zu beenden. Eddie gab mir grünes Licht und so begann ich die dritte Runde mit einem tollen Motivationsschubs! Ich schlug meinen Gegner mehrmals mit der Faust und dominiere den Kampf bis zum Ende. Diese dritte Runde war für mich die Beste meiner Karriere. Ich genoss es, im Stehen gegen meinen Gegner zu kämpfen. Nach einem guten Kampf erklärten mich die Kampfrichter zum Sieger und ich gewann den Gürtel.

Und Dein kommender Kampf wird ebenfalls ein besonderer sein.

Gracco Mein nächstes Duell findet heute im Mai-Thai statt, bei meinem Freund Eric Kadouche bei der Veranstaltung „Könige des Mai-Thai“ in Luxemburg-Stadt in der „Hall Omnisports“ in der Rue de Strasbourg (Anmerkung: ab 17.30 sind die Türen geöffnet) - das wird mein erster Semi-Profi-Kampf sein, Gegner ist Issaie Hennion, Hennion Gym, aus Frankreich.