ECHTERNACH
MARCO MENG

13 Prozent der Beschäftigten arbeiten in der Solidarwirtschaft

Als Luxemburg vor kurzem von schweren Unwettern getroffen wurde, waren Betriebe aus der Solidarwirtschaft schnell zur Stelle, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen, sagte gestern Arbeitsminister Nicolas Schmit, der alle Akteure des Sektors nach Echternach ins Trifolium geladen hatte, um „ D‘Zukunft vun der Sozial- a Solidarwirtschaft zu Lëtzebuerg“ zu diskutieren.

„Wir haben einen langen Weg zurückgelegt, was die Struktur der Sozialwirtschaft anbelangt“, sagte Schmit. Seit sich Luxemburg - als erstes Land - 2016 ein Gesetz zur Solidarwirtschaft gab und zuvor 2013 die „Union Luxembourgeoise de l’économie sociale et solidaire“ (ULESS) gründete, wurde nach Angaben von Schmit viel erreicht. Der Sektor entwickele sich mit beeindruckender Dynamik und gehört für den Minister für Solidarwirtschaft auch genau in den Plan Luxemburgs, seine Wirtschaft nachhaltig aufzustellen. „Innovation bedeutet ja nicht nur technische Innovation, sondern ebenso soziale“, so Schmit. Nicht zuletzt darum nahm mit Sasha Baillie auch die Direktorin von Luxinnovation an der Veranstaltung teil. „Innovation entsteht durch Dialog und Austausch“, erklärte Baillie, die betonte, dass es für Luxinnovation keinen Unterschied mache, ob ein Betrieb eine technische Innovation biete oder eine soziale. „Wir sind da, den Betrieben zu helfen“, unterstrich sie.

Dynamische Entwicklung

Wo aber stehen wir fünf Jahre, nachdem mit der Entwicklung der Solidarwirtschaft Ernst gemacht wurde, fragte Schmit, und wies darauf hin, dass im Bereich der Solidarwirtschaft viele Projekte seitdem angestoßen wurden, die vom Kampf gegen den Klimawandel bis zur Landwirtschaft reichen, und die Solidarwirtschaft im Zuge der Transformation der Wirtschaft insgesamt helfe, auch die Menschen aufzufangen, die es sonst schwer hätten, einen beruflichen Anschluss zu finden. „Um dem Sektor nun Impulse für die nächsten fünf Jahre zu geben, darum sind wir hier“, erklärte Schmit. Solidarwirtschaft sei ein immer wichtiger werdender Bereich der Wirtschaft, darum sei das Ziel, sie auch als Teil der Gesamtwirtschaft zu etablieren. 2016 wurde deswegen in Differdingen „6zero1“ gegründet, ein Inkubator für Firmen in der Solidarwirtschaft, ähnlich wie man es in der Startup-Szene kennt. Bislang haben 25 Betriebe den Dienst von „6zero1“ erfolgreich in Anspruch genommen. Das alles passe in das Vorhaben, Luxemburgs Wirtschaft in Richtung mehr Nachhaltigkeit auszurichten, so Schmit. Laut dem französischen Unternehmen Nicolas Hazard gewinnt die Solidarwirtschaft in Luxemburg, aber auch darüber hinaus an Bedeutung, vor allem, weil sich das Bewusstsein der Menschen in diesem Bereich spürbar ändere. Luxemburg habe aber mit seinem Gesetz gezeigt, dass es Visionen verwirklichen könne, und seitdem sei die festzustellende Entwicklung sehr positiv. Das in konkreten Zahlen auszudrücken, ist aber gar nicht so leicht, bestätigt Serge Allegrezza vom Statec. Man könne zum einen die Zahl der SIS messen und die Zahl der Beschäftigten in diesen Betrieben, zum anderen könne man auch die Firmen und Organisationen zählen, die im sozialen Bereich aktiv sind. Zählte dieser Bereich vor einigen Jahren noch neun Prozent der Beschäftigten in Luxemburg, seien es inzwischen 13 bis 14 Prozent. Von der Wichtigkeit der Solidarwirtschaft überzeugt betonte auch Allegrezza, dass mit digitaler Entwicklung und alternativer kollaborierender Ökonomie auch Solidarwirtschaft in die Rifkin-Strategie passe.

Was die Überschwemmungen angeht und die Hilfe der SIS, erklärte Schmit, das habe gezeigt, dass „Solidarität in der Praxis“ funktioniere, ja, „das Prinzip funktioniert fantastisch gut“.