LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Unachtsamkeit einerseits und zu schnelles Fahren andererseits sind gleichermaßen für Fußgängerunfälle im Straßenverkehr verantwortlich

Nach einer Reihe von Fußgängerunfällen im Straßenverkehr, im September war sogar eine Fußgängerin auf dem Boulevard Royal in der Hauptstadt getötet worden, hat die sozialistische Abgeordnete Cécile Hemmen eine Reihe von Detailfragen an Infrastrukturminister François Bausch (déi gréng) gerichtet. Dabei bezog sie sich auch auf Forderungen der „Securité routière“ nach einer Überprüfung aller Fußgängerüberwege. Im Mittelpunkt der Fragen standen aber die Unfallstatistik 2017 und die Frage nach den häufigsten Unfallursachen.

Minister Bausch antwortet sehr ausführlich, wobei er auf eine ältere parlamentarische Frage der liberalen Abgeordneten Claude Lamberty und Max Hahn verwies. Da exakte Daten für 2017 erst im März vorliegen werden, bezog sich Bausch bei seinen Antworten hauptsächlich auf die Jahre 2012 bis 2016.

Ein innerstädtisches Problem

In dieser Zeit ereigneten sich 87 Prozent der Unfälle mit Fußgängerbeteiligung auf innerstädtischen Straßen, weitere sieben Prozent auf einem öffentlichen Platz oder einem Parkplatz. Nur sechs Prozent der Fußgängerunfälle geschahen auf Landstraßen.

Die Mehrheit der getöteten Fußgänger war älter als 55 Jahre. Bei den Schwerverletzten sind keine Unterschiede nach Alter festzustellen. Leicht verletzte waren eher jung - jünger als 44 Jahre.

Meistens kommenmehrere Ursachen zusammen

Nach Aussage des Ministers sind oft mehrere Faktoren ursächlich für den Unfall, sowohl von Fußgänger- als auch von Autofahrerseite her. Im Verlauf der Jahre 2013 bis 2016 waren Fußgänger bei 58 Prozent der Unfälle verantwortlich oder mitverantwortlich. In der Hälfte der Fälle, bei denen die Schuld beim Autofahrer lag, war überhöhte Geschwindigkeit die Ursache. Bei den Fußgängern war bei jedem zweiten Unfall Ungeduld der Grund des Geschehens.

Der Minister erläuterte nur kurz, dass Fußgängerüberwege nach allgemein festgelegten Kriterien der staatlichen Verkehrskommission angelegt werden.

Bausch verweist auch auf die aktuelle Kampagne „Gitt siichtbar / Reflechissez“ die auf verschiedenen Wegen - Soziale Netzwerke, Medien, Bus-Werbung und Außenwerbung an den Autobahnen - die Bevölkerung erreichen und aufmerksam machen soll.

Das Ministerium setzt sich für die verstärkte Ausweisung von Tempo 30 oder Tempo 20 (!)-Zonen ein. Außerdem kostet es einen Autofahrer 145 Euro und zwei Führerscheinpunkte, wenn er nicht an einem Fußgängerüberweg - „Zebrastreifen“ - anhält, obwohl dort Fußgänger warten.