LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

SNJ-Konferenz: Was es bedeutet, Eltern als Partner in der non-formalen Bildung einzubeziehen

Was bedeutet es für Krippen und „Maison-Relais“, Eltern einzubinden, wie macht man das richtig und was kommt am Ende dabei heraus? Antworten auf diese Fragen lieferte Prof. Dr. Sabine Hebenstreit-Müller gestern zum Auftakt der 8. Konferenz zur non-formalen Bildung im Kinderbereich des „Service National de la Jeunesse“ (SNJ) . Das Interesse war groß. Rund 350 Erzieher und Pädagogen aus Betreuungseinrichtungen fanden sich einen halben Tag im Forum Geesseknäppchen ein, um eben diesen Fragen nachzugehen und Erfahrungen auszutauschen.

Hebenstreit-Müller machte in ihrem Vortrag klar, dass Betreuungseinrichtungen die besten Erfolge im Interesse des Kindes erzielen, „wenn sie sich um die Bildung und Entwicklung der Kinder kümmern und die Eltern aktiv einbeziehen“. Diese Einbeziehung erfordere aber Anstrengungen der Erzieher, gegebenenfalls auf die Eltern zuzugehen, Fragen zu stellen und ganz gezielt das Kind in den Mittelpunkt des Austauschs zu stellen.

„Ressourcenorientierte“ Beobachtung

Erzieher sollen das Kind beobachten, was es tut, wie intensiv es spielt, was es lernen will, ob es sich wohlfühlt und diese Eindrücke den Eltern ohne Vorabinterpretation weitervermitteln. Dieses Feedback sei für die Eltern wertvoll und erlaube ihnen, die Entwicklung ihres Kindes zu unterstützen. Wichtig sei dann auch, die Eltern als Experten ihres Kindes wertzuschätzen und sie in einen gleichwertigen Dialog einzubinden. „Wir brauchen die Eltern, um gute Arbeit zu machen“, sagte Hebenstreit-Müller, langjährige Direktorin des Pestalozzi-Fröbel-Hauses Berlin und Honorarprofessorin an der Universität Halle-Wittenberg. Was das Lieblingstier ist, wie es abends in den Schlaf kommt oder was es am Wochenende erlebt hat: All das sind Informationen, die für den Erzieher wichtig sein können.

Wer sich hingegen in Anwesenheit der Eltern darüber auslasse, dass ihr Kind hier und dort gestört habe, vergraule die Eltern und verliere sie damit auch als Partner.

Voraussetzung für eine gelungene Partnerschaft sei es, Eltern wie Kindern Wertschätzung entgegenzubringen. Doch diese Haltung erlangt man nicht einfach so, sondern muss man durch Ansammlung von Wissen und Können erlernen. „Sie muss in der Praxis immer wieder hergestellt werden“, sagte die Erziehungswissenschaftlerin

Mit ihren Ausführungen stieß Hebenstreit-Müller bei einzelnen Erziehern auf positives Feedback. Die von ihr vorgezeichneten Voraussetzungen für einen wirklichen Elterndialog ließen sich, wo es nicht ohnehin schon der Fall ist, auch in der Praxis umsetzen, erklärten einige Teilnehmer auf „Journal“-Nachfrage.

Erfahrungsaustausch

Beispiele für die Zusammenarbeit mit den Eltern gab es indes reichlich. Die Direktionsbeauftragte der „Dikricher Däbbessen“, Mireille Weyland, gab etwa einen Einblick in verschiedene Projekte dieser Krippe. So können Eltern beispielsweise, wenn die Kinder das erste Mal in die Krippe gehen, ein paar Stunden mit ihren Kindern in der Gruppe verbringen, regelmäßig an Koch- oder Bastelworkshops mitwirken oder jeden Freitagvormittag vorbeikommen, um Aktivitäten mit den Kindern zu machen. Weyland räumte aber ein, dass berufsbedingt nicht allzu viele Eltern vom letztgenannten Angebot profitieren könnten. Weitere Beispiele in Form von „Elterncafés“ oder gemeinsame Ausflüge lagen ebenfalls an verschiedenen Ständen aus.

Auch der zweite Vortrag der Psychologin Dr. Sylvie Rayna zeigte Beispiele für die konkrete Partizipation von Müttern und Vätern und die Wichtigkeit einer freundlichen Raumgestaltung, die zum Bleiben einlädt.

Herausforderung, alle Eltern zu erreichen

Neben den beruflichen Verpflichtungen der Eltern stellt sich noch eine andere Herausforderung für die Elterneinbindung, nämlich die, alle Eltern zu erreichen und nicht nur die jenigen, die Interesse zeigen. Claude Meisch (DP), Minister für Bildung, Kindheit und Jugend, verwies eingangs auf Pläne des Koalitionsabkommens wie das geplante Pilotprojekt Stadtteileltern oder die Schaffung von Familienzentren, in denen die Einbindung der Eltern konzeptuell noch stärker möglich sein soll.

Thematisch passend zur Konferenz wurde gestern ebenfalls ein Dokument zur Bildungspartnerschaft mit den Eltern angekündigt. Das Dokument (in Deutsch und Französisch) soll ab Montag auch auf enfancejeunesse.lu abrufbar sein.

Der SNJ organisiert seit 2012 jedes Jahr eine Konferenz zur non-formalen Bildung.

 

enfancejeunesse.lu