FRIBOURG/LUXEMBURG
MILENA STOLDT

Die „Jumbokaart“ für 75 Euro: Im europäischen Vergleich ein echtes Schnäppchen

Oh Schreck. In Luxemburg kostet ein Jahresabonnement (die „Jumbokaart“) für die öffentlichen Transporte mittlerweile 75 Euro. Die „Jumbokaart“, mit der man überall im Land gratis Bus oder Bahn fahren kann, erhielt man bis vor kurzem jedoch nur, wenn man unter 20 Jahre alt war. Seit wenigen Tagen darf beziehungsweise muss man sich auch eine besorgen, wenn man zwischen 20 und 27 Jahre alt ist und einen gültigen Studentenausweis besitzt. Bis vor wenigen Tagen konnte man zumindest als armer Student der Universität Luxemburg noch gratis vom Wohnort bis zur Universität fahren. Jetzt muss sich der uni.lu-Student auch eine „Jumbokaart“ für 75 Euro im Jahr besorgen (bzw. 37.50 Euro für ein halbes Jahr), um das luxemburgische Bahn- und Busnetz benutzen zu dürfen. Wie zu erwarten war, hat die Studentenorganisation UNEL protestiert. Nur die Argumentation ihres Präsidenten Pol Reuter fiel etwas aus dem Rahmen: Er sagte als Folge dieser Maßnahme eine zusätzliche Staugefahr auf unseren Autobahnen voraus - wenn in Zukunft die Studenten vermehrt auf ihre Autos zurückgreifen würden, um die 75 Euro zu sparen. Glückliches Luxemburg!

75 Euro? Ein Schnäppchen!

Die Transportkosten für Studenten sind hoch - nur nicht in Luxemburg. In Maastricht bezahlt man 160 Euro im Monat für Bus und Zug, in Köln gibt es sogenannte Semestertickets (sechs Monate gültig) für 160 Euro. In Fribourg (Schweiz) bezahlt man pro Monat nochmal ein Stückchen mehr. Hier kostet ein Busabonnement umgerechnet 38 Euro, das sind dann
465Euro im Jahr, NUR für den Bus. Möchte man als Student ein Jahresabonnement (General-Abo), gültig für Zug, Bus und Schiffe in der ganzen Schweiz, erwerben, so muss man umgerechnet 2.096Euro bezahlen.

Dafür darf man dann aber auch über den Vierwaldstädter See gondeln. Wenn man sich diese Summe als Student nicht leisten kann, dann gibt es noch das Halbtaxabonnement (für jeden erhältlich), mit dem jede beliebige Strecke zum halben Preis erhältlich ist. Ohne dieses Abo ist der öffentliche Transport in der Schweiz nicht bezahlbar. Da kommen einem die 75 Euro in Luxemburg für eine Jahreskarte - auch wenn unser Land deutlich kleiner ist als die Schweiz - wie Peanuts vor.

Kostenloser öffentlicher Transport?

Vielleicht sollte öffentlicher Transport aber generell gratis sein? Gefühlt haben alle heute an der Regierung beteiligten Parteien das auch schon mal gefordert. Würden dann mehr Menschen mit dem Bus fahren? Wahrscheinlich schon. Und mit den 75 Euro werden wohl auch kaum die Kosten der Busgesellschaften gedeckt. Erfahrungen aus dem Ausland haben gezeigt, dass kostenloser öffentlicher Transport deutlich ansteigende Nutzerzahlen zur Folge hat, dass aber auch Obdachlose dieses Angebot gerne wahrnehmen. Nun wollen wir wirklich nicht unterstellen, dass hier der wahre Grund dafür liegt, warum das Transportministerium immer noch davor zurückschreckt, den öffentlichen Transport generell gratis anzubieten. Ein Ausflug nach Tallin könnte Inspiration bringen.

Die Hauptstadt von Estland bietet ihren Einwohnern (immerhin 420.000) seit letztem Jahr den gesamten öffentlichen Transport gratis an. Wie machen die das bloß?