LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Leitungswasser in Restaurants und Cafés: Petitionäre fordern gesetzliche Regelung - Regierung will eher auf Sensibilisierung und Freiwilligkeit setzen

Niemand dürfe in Zukunft mehr dazu gezwungen sein, in Restaurants oder Cafés Flaschenwasser zu bestellen: Mit ihrer Forderung nach einer gesetzlichen Regelung, die Gästen die Verfügbarkeit von Leitungswasser in der Gastronomie garantiert, haben David Kieffer und seine Mitstreiter gestern das Anliegen ihrer Petition im Parlament vorgestellt. „Das Anbieten von Leitungswasser muss gesetzlich geregelt werden“, sagte David Kieffer ganz zum Schluss der anderthalbstündigen Debatte. Die Petition mit der Nummer 1319 hatten mehr als 5.100 Menschen unterstützt.

Doch von Regierungsseite und auch vonseiten einzelner Abgeordneter wurden Bedenken geäußert, ob eine gesetzliche Regelung der richtige Weg sei. Mittelstandsminister Lex Delles (DP) bezeichnete eine gesetzliche Verpflichtung als „nicht glücklich“. Er sah Probleme an Orten, wo Trinkwasser gelegentlich aus qualitativen Gründen nicht konsumiert werden dürfe. Der liberale Minister will stattdessen, in Absprache mit dem Horeca-Sektor, ein Sensibilisierungsprojekt starten. Demnach sollen Restaurant- oder Cafébetreiber freiwillig auf Flaschen mit einer einheitlichen, nationalen visuellen Identität zurückgreifen können. Das Leitungswasserangebot soll dann auf der Speisekarte neben dem Flaschenwasser zur Auswahl stehen. Den Preis könne der Gaststättenbetreiber selber festlegen.

Auch Verbraucherschutzministerin Paulette Lenert (LSAP) äußerte Bedenken, ob eine gesetzliche Regelung „der richtige Weg ist“. Sie sei optimistisch, dass man ein Umdenken fördern könne. Mit einer wachsenden Nachfrage nach „Krunnewaasser“ wachse auch der Druck auf den Sektor, sich umzustellen.

Skepsis bei David Kieffer

David Kieffer und seine Mitstreiter sehen das allerdings mehr als skeptisch. Viele Menschen würden sich nicht trauen, nach einer Karaffe Leitungswasser zu fragen, sei es, weil es nicht auf der Karte steht oder sie in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen beziehungsweise negatives Feedback erhielten, so ihre Erfahrungen. Eingangs hatte Kieffer klar gemacht, dass die Petition in erster Linie aus umweltpolitischer Sicht zu betrachten sei. Wasser vom Hahn gehöre in Luxemburg wie in vielen Ländern auch zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln überhaupt, das strengeren Kriterien unterliege als Mineralwasser aus der Flasche. „Wir müssen also davon ausgehen, dass Leitungswasser problemlos getrunken werden kann“. Gleichzeitig wies er auf die im Vergleich deutlich schlechtere Ökobilanz von Flaschenwasser hin: Produktion der Flaschen, Transport zur Abfüllung, Verpackung und Transport, dann später das Einsammeln, Reinigung, Recycling beziehungsweise die Entsorgung: all das sei zu berücksichtigen. 2018 seien mehr als 72 Millionen Liter Flaschenwasser nach Luxemburg importiert worden, so Kieffer weiter. Da seien die 22 Millionen Liter aus den Rosport-Quellen noch nicht dabei.

Der Rückhalt der Petition zeige, dass es eine deutliche Nachfrage gibt. Jetzt fehle nur noch der politische Wille, das auch umzusetzen. Ein Gesetz sei wichtig, um den Verbraucher zu unterstützen und gleichzeitig das Signal auszusenden, dass das Leitungswasser in Luxemburg bedenkenlos getrunken werden kann. Ob Leitungswasser kostenlos, kostendeckend oder gar mit einer Marge für den Gaststättenbetreiber angeboten wird, ließen die Petitionäre offen. „Uns geht es um die Verfügbarkeit“, betonte Kieffer.

Bedenken und Zustimmung

Teilweise äußerten die Deputierten Bedenken. Der adr-Abgeordnete Gast Gibéryen wies darauf hin, dass man nicht von einem kostendeckenden Preis für eine Karaffe sprechen könne, wenn Restaurants dadurch ein Teil ihres Einkommens in Form von Margen auf Getränken abhanden geht. Marc Baum (déi Lénk) plädierte indes dafür, Leitungswasser kostenlos anzubieten, um von der Sichtweise von Wasser als Ware wegzukommen.

Aufgeworfen wurden auch mögliche Hygieneprobleme durch veraltete Leitungen. Hierzu gab es unterschiedliche Äußerungen. Kieffer bemerkte, seit Jahrzehnten würden keine Bleirohre mehr verlegt werden. Zudem gebe es in der Gastronomie eher weniger Probleme mit Bakterienbildung, da ständig Wasser verbraucht werde.

Jean-Marie Halsdorf (CSV) sagte indes, dass mehr als die Hälfte der Trinkwasserleitungen älter als 50 Jahre sei und demnach ein Risiko ausgehend von Bleileitungen bestehe. Kieffer wand darauf hin ein, dass es dann unabhängig vom Anliegen der Petition ein Problem gebe, das sich dann auch mit Blick auf Eiswürfel oder das Waschen des Salats stelle. Zudem ginge man in der Diskussion immer davon aus, dass abgefülltes Wasser einwandfrei sei, was aber längst nicht stimme.

Einig waren sich Abgeordnete und Petitionäre darin, dass ein Recht auf Leitungswasser nicht missbraucht werden dürfe. Stundenlang auf einer Terrasse nur Wasser vom Hahn zu konsumieren sei nicht zulässig.

Eine Übereinstimmung ließ sich auch mit Blick auf die ausgezeichnete Qualität des Leitungswassers feststellen. Ministerin Lenert wies darauf hin, dass das Trinken von Leitungswasser seit Jahren beworben werde. Diese Anstrengungen seien aber vielleicht noch nicht ausreichend.

Horesca-Generalsekretär François Koepp hatte übrigens gestern gegenüber „RTL Radio“ erklärt, die Diskussion über Karaffen mit Leitungswasser in Restaurants und Cafés sei „keine einfache Frage“. Der Sektor sei sich in diesem Aspekt nicht einig. Zudem seien der Mehraufwand etwa durch die Reinigung der Karaffen und die Umsatzfrage zu berücksichtigen.