LUXEMBURG
GÉRARD PHILIPP

Der Leistungsdruck in der Arbeitswelt steigt konstant an. Viele sind überarbeitet, mit den Aufgaben und der Menge an Arbeit überfordert und leiden unter permanentem Stress. Neben Alkohol und anderen „gesellschaftsfähigen“ Drogen greifen viele immer häufiger zu Aufputschmitteln verschiedenster Art, um eine Leistungssteigerung zu erreichen und damit die gestellten Arbeitsanforderungen erfüllen zu können. „Gesunde Menschen nehmen dann verschreibungspflichtige Schmerz- und Beruhigungsmittel, ADHS-Medikamente, Antidepressiva oder Betablocker ein“, resümiert Gérard Philipp, der in einer Petition eine entsprechende Kontrolle am Arbeitsplatz durch Tests fordert.

„Laut einer internationalen Studie ist in Europa der Zuwachs an sogenanntem Hirndoping zwischen 2015 und 2017 extrem angestiegen - im Schnitt hat sich dieses Phänomen von 4,9 Prozent auf 13,7 Prozent fast verdreifacht. Im Sport ist Doping weitestgehend verboten, da die für die Sportler häufig mit dem Risiko einer Gesundheitsschädigung einhergehende Anwendung von Dopingmitteln zu einer ungleichen Chancenverteilung im sportlichen Wettbewerb führt. Jedoch ist Doping am Arbeitsplatz (bisher) erlaubt und unterliegt keiner gesetzlichen Regelung oder gar Kontrolle. Für Angestellte ist die Gesundheitsgefährdung aber nicht zu unterschätzen und führt auch zu einer ungleichen Chancenverteilung. Deshalb muss ein Gesetz geschaffen werden, was Doping am Arbeitsplatz verbittet, unangekündigte Dopingkontrollen ermöglicht und bei Verstoß zu einer Bestrafung führt.

Oft wird Alkohol von Pillen abgelöst - Pillen sind so der neue Alkohol. Die Gefahr von Doping am Arbeitsplatz wird klar unterschätzt. Es geht dabei nicht um Traubenzucker, Kaffee, Guarana oder Baldrian, sondern um verschiedene Wachmacher-Pillen, mit denen sich Beschäftige am Arbeitsplatz dopen - wie zum Beispiel Modafinil, einem Wachmacher mit Nebenwirkungen, Methylphenidat, dem ‚Ritalin‘ fürs Büro, das Antidepressiva Fluoxetin, Glückspillen mit Suizidgefahr, Piracetam fürs Schnelldenken auf Rezept oder auch Metoprolol, dem Herzmittel gegen Lampenfieber.

Solche Pillen und Mittel können erhebliche Nebenwirkungen haben. Abgesehen von den gesundheitlichen Risiken kann es nicht weiter erlaubt sein, sich Vorteile mit Doping am Arbeitsplatz zu schaffen, um besser zu sein als andere Leute, die nicht ihre Gesundheit aufs Spiel setzten.

Professionelle Sportler werden wegen Dopingverstöße für mehrere Jahre gesperrt und fristlos entlassen, jedoch für alle anderen Berufe ist Doping scheinbar kein Thema. Deshalb sollte auch für andere Berufssparten die gleiche Regelung wie im Sport angewandt werden. Ich betone, dass ich hier nicht von Betroffenen rede, die Opfer von Mobbing wurden und/oder aus gesundheitlichen Gründen Medikament nehmen müssen.

In Bezug auf Mobbing hätte es nie so weit kommen dürfen, dass Menschen durch ihre Arbeit krank werden. Die Politik hat in punkto Mobbing-Bekämpfung versagt und vermutlich auch nicht viel Interesse, hier ein Gesetz voranzutreiben, was derart heftig zuschlägt, dass nicht einmal im Traum daran gedacht wird, jemanden zu mobben. Diesbezüglich spreche mich klar für eine ‚Mobbing-Null-Toleranz‘-Politik ein.“