LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Ein Gespräch mit Francis Koepp, dem Generalsekretär des Hotel-und Gaststättenverbandes

Wer wissen will, wie es in Luxemburg um die Gastronomie steht, fragt am besten jemanden der sich auskennt. Der naheliegende Ansprechpartner ist Francis Koepp, der Generalsekretär des Hotel-und Gaststättenverbandes HORESCA.

Seine Antwort auf die Frage nach dem Stand der Dinge ist einfach. Es geht dem Sektor ziemlich gut, aber es kommt auf den einzelnen Betrieb an. Zwar gibt es gemeinsame Herausforderungen für alle, wie die zunehmende Bürokratie , aber letztendlich komme es auf den Einzelnen an, meint Koepp. Betrieben der gehobenen Gastronomie kann es sehr gut gehen, aber ebenso einem Fast-food-Restaurant. Es komme darauf an, dass man mit seinen Produkten auf die Nachfrage der jeweiligen Kunden reagiere, die gewünschten Produkte anbiete und eine angenehme Atmosphäre biete. Vieles hänge auch vom Standort ab, eine Baustelle oder Straßensperrung auf dem Weg zum Restaurant könne schon zu erheblichen Umsatzeinbrüchen führen. Das gelte genauso auf dem Land wie in der Stadt.

Zunehmender Verwaltungsaufwand

Auch wenn die Umsätze im Allgemeinen nicht eingebrochen, sondern sogar gestiegen sind, unterliegen die Margen der Gastronomie einer Schrumpfung, hauptsächlich durch zahlreiche administrative Aufgaben, die den Betrieben staatlicherseits verordnet werden, sei es Buchführung, sei es Konformität zu Betriebs- und Bauvorschriften. Alles bedeute mehr Verwaltungsarbeit.

Auch die neuen Kommunikationswege, die über die sozialen Medien beschritten werden müssen, gestalten sich nicht von alleine. Auch hier müsse jeder Betrieb, der die Sache ernst nehme, Geld investieren, erläuterte Koepp.

Die gesamte Branche sei auch von der Mehrwertsteuererhöhung für alkoholische Getränke von drei auf siebzehn Prozent stark betroffen. Diese Kostensteigerung habe man in der Gastronomie nur zum Teil an die Kunden weitergeben können, erklärt der HORESCA-Generalsekretär. Alles gehe zu Lasten der Margen.

Auch die Diskussion um die Bereitstellung von Wasser, also Leitungswasser, sorge für Verwirrung. Was heiße denn überhaupt „Bereitstellung?“ fragt Koepp.

Nachwuchssorgen

Das größte Problem für die Gastronomie - analog auch für die Hotellerie - ist die Rekrutierung neuer Mitarbeiter. Der Nachwuchs lässt auf sich warten. Koepp führt das auf gesellschaftliche Veränderungen zurück, die den jungen Leuten suggerieren, einen komfortablen Weg durchs Arbeitsleben gehen zu können. Allein schon die ungewöhnlichen Arbeitszeiten, abends oder in Schichten, seien eine Hürde. Manchmal sogar noch mit einer Winterpause, obwohl die Winterschließungen mehr und mehr zurückgingen. Wer auf die Nachfrage mit einem entsprechenden Angebot reagiere, stehe nicht vor diesem Problem. Francis Keopp formuliert die Sache mit dem Nachwuchs für die Gastronomie ebenso klar wie einfach: „Man muss diesen Beruf machen wollen.“ Angesprochen auf die Absolventen der renommierten Hotelfachschule in Diekirch sieht der der HORESCA-Vertreter eine Drittelung der Absolventen. Ein Drittel geht ins Ausland, ein Drittel arbeitet in branchenfremden „Hospitality“-Betrieben wie Krankenhäusern oder Altenheimen. Nur das letzte Drittel steht der heimischen Gastronomie und Hotellerie als Nachwuchs zur Verfügung.

Unlauterer Wettbewerb?

Heute macht jedes Dorf und jeder Verein mehr oder minder große Feste mit einem gastronomischen Angebot, dass zwar kaum über Thüringer oder ‚Ham‘, Fritten und Salat hinausgeht, aber doch eine gewisse Konkurrenz für die ortsansässigen Restaurants darstellt. Auf dieses Phänomen angesprochen meinte Françis Koepp, dass traditionelle Dorffeste völlig in Ordnung sind, wenn diese Veranstaltungen in ihr Umfeld passen. Kritischer sieht er Feste, die „dazu da sind, etwas zu finanzieren.“ Ohne es konkret auszusprechen, sind wohl die zahlreichen Feste von Sportvereinen und ähnlichem gemeint.

Laut Koepp muss man neue Trends wie „Restaurant zuhause“ oder „Eatwith“ (siehe Kasten) im Auge behalten.

Grundsätzlich gelte aus Sicht der HORESCA, auch wenn die Branche gut da stehe, so Koepp abschließend: „Es hat keinen Zweck, etwas anzubieten, was der Kunde nicht will!“patrick welter