LUXEMBURG
ANNETTE DUSCHINGER

Klimawandel: Die Touren „Alterniba“ und „AlterTour“ machten Halt in Luxemburg -Sie trafen Umweltministerin Dieschbourg im Vorfeld des Pariser Klimagipfels

Die Tour de France einmal anders, nämlich als Bürgerbewegung: Zwei Touren von Fahrradfahrern kreuzten sich in Luxemburg und nutzten die Gelegenheit, ihre alternativen Botschaften zum Klimawandel an die Frau zu bringen. Umweltministerin Carole Dieschbourg, die für die EU die Internationale Klimakonferenz in Paris (COP21) präsidieren wird, nahm sich denn gestern auch Zeit für sie.

Auf ihrem Weg von Bayonne, wo sie am 5. Juni startete, nach Paris, wo sie am 26. und 27. September mit einer massiven Mobilisierung von um die 50.000 Menschen enden wird, machte die „Tour Alternatiba“ Halt in Luxemburg. „Lasst uns das System wandeln und nicht das Klima“, ist ihre Hauptbotschaft. Alternatiba steht für „Dörfer der Alternativen zum Klimawandel“ in Frankreich und in Europa.

Alternativ zum Klimawandel leben

Es sind Tausende, die in fast 120 lokalen Teams die Alternativen zum Klimawandel schon leben: Auf ländliche, lokale und nachhaltige Lebensmittel setzen, ihre Konten auf transparenten und ökologisch verantwortlichen Banken haben, Ersparnisse in solidarischen Sparsystemen anlegen, auf öffentlichen Transport oder Fahrradfahren setzen und eher Altes kaufen als neue Produkte. 5.000 Kilometer und 187 Etappen in sechs europäischen Ländern werden absolviert.

Bei der achten Ausgabe der „AlterTour“ machten 250 Teilnehmer mit, die in 35 Etappen vor allem Biobauern und Kooperativen zur Produktion alternativer Energien besuchten, wo Konzerte, Konferenzen und Debatten auf sie warteten. 1.200 Kilometer erradelten sie.

Die Forderungen und Statements der Aktivisten waren klar: „Der Klimawandel hat sich beschleunigt und es muss dringend gehandelt werden - 2020 wird der Planet keine weitere Klimaerwärmung vertragen“, zeigte man sich sehr beunruhigt. „Freiwillige Ziele reichen nicht mehr, wir brauchen ein verpflichtendes Abkommen.“ Auch sei die Frage der Finanzierung noch nicht geklärt und blockiere die Verhandlungen. „Luxemburg spielt eine wichtige Rolle bei COP21. Der EU mangelt es an Ambitionen, dabei erwarten wir uns starke Aktionen und Ziele für die nächsten fünf Jahre. Ziele, die bis 2025 und nicht erst bis 2030 erreicht sein müssen und die höher liegen.“

Zu den Forderungen zählten auch die Einführung von Öko-Steuern, ein Plan gegen den Rückgriff auf Kohlekraftwerke, die verstärkte Förderung von erneuerbaren Energien, die Einführung einer Transaktionssteuer im Finanzwesen, die Bekämpfung von Steuerflucht und mehr Hilfe für die Sub-Sahara-Länder. „Die alltäglichen Interessen der Bürger müssen mehr bedient werden“, so die Botschaft.

„Die Klimaerwärmung muss unter zwei Prozent bleiben“

Die grüne Ministerin zeigte - nicht überraschend - viel Verständnis für die Forderungen. „Wir brauchen in Paris klare, deutliche und gemeinsame Positionen und Statements“, sagte sie. „Die Klimaerwärmung muss unter zwei Prozent bleiben.“ Und: Man müsse unbedingt über Geld reden. Nicht nur zur Finanzierung von Energiewende und Emissionsreduktionen, sondern auch zur Finanzierung der Entwicklungsländer, die den Klimawandel hart zu spüren bekämen.

Auf europäischem Niveau sehe man, dass nicht genug für die Umwelt und die Energiewende getan wird. Dabei sei der Klimawandel auch eine Chance, eine Gesellschaft der Zukunft zu schaffen. Jeder müsse mit an den Tisch, um eine Agenda der Lösungen auszuarbeiten. „Ihr macht auch nichts anderes als wir in der Politik: Einen Rahmen setzen für Änderungen“, sagte Dieschbourg. „Ich spüre, dass die Gesellschaft und die Wirtschaft bereit sind, dem Klimawandel entgegen zu wirken. Nun fehlt noch die Politik, die es umsetzt.“ Man brauche aber auch mehr Leute, die die Transition beschleunigen. „Ihr seid die Motoren dafür.“

Dieschbourg sagte auch auf die Kritik an den transatlantischen Abkommen, wie TTIP hin, dass Luxemburg zu den Ländern gehöre, die sehr kritisch dazu eingestellt seien und Außenminister Jean Asselborn die Zweifel der luxemburgischen Bevölkerung auch weitergegeben habe. In einem nicht veröffentlichten Brief habe ihr Kommissarin Malmström zugesichert, dass TTIP auf Eis liege.