„Aber es gibt kein Zurück mehr, man kann nicht „nach Hause gehen“. Jeder von uns steht mit einem Bein „drin“ und mit einem Bein „draußen“, und für immer mehr Leute ist das eine gute Erfahrung. Der europäische Migrant, der sein Glück zwei Länder weiter sucht, ist der Prototyp dieser Zeit.“

Dieser durchaus besinnliche Satz stand vergangene Woche in der „Zeit“, und zwar in Bezug auf die Debatte um die Einwanderungsbeschränkung in der Schweiz; gleichzeitig wird hier die allgemeine Vermischung der Völker auf EU-Ebene angesprochen, die u.a. bei uns zur Selbstverständlichkeit geworden ist, haben wir uns doch daran gewöhnt, dass unser Nachbar oder unser Mitarbeiter aus einem anderen Land kommen kann. Es gibt Aspekte der Migration, die akzeptiert und über die nicht einmal öffentlich diskutiert wird, aber es gibt andere Aspekte, die uns auf einer tiefgreifenden Ebene interpellieren.

Wir empfinden es als selbstverständlich, dass Studenten oder Forscher Grenzen überschreiten. Wir haben uns daran gewöhnt, dass in wirtschaftlichen Sektoren wie dem Bankwesen, dem Handel, dem Handwerk und auch der Hotelbranche viele Nicht-Luxemburger arbeiten. Wir wissen, dass unser Spitalwesen ohne Mitarbeiter aus dem Ausland nicht mehr funktionieren kann.

Wir finden es normal, dass in einem Hotel in der Schweiz oder im Schwarzwald Personal aus Tschechien, der Slowakei oder aus Serbien arbeitet, und dass im deutschen Fernsehen immer mehr Menschen mit türkischen Namen auf dem Bildschirm erscheinen, sei es als Moderatoren oder als Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Menschen aus anderen EU-Ländern werden allgemein akzeptiert, und in diesem Sinne ist dann auch ein europäisches Bewusstsein dafür entstanden, dass protektionistisches Denken von Vorgestern ist, und dass es keine Lösungen für die Probleme der modernen Zeit bietet. Allerdings tut sich Europa schwer mit der Akzeptanz der Roma. Doch Menschenrechte müssen für alle gelten. Und auch Roma-Kinder müssen zur Schule gehen können statt zum Betteln geschickt zu werden. Hier ist die EU gefordert, Lösungen sind komplex und werfen die Frage der Gerechtigkeit auf, falls zum Beispiel Roma speziell unterstützt werden und andere arme europäische Bevölkerungsgruppen nicht.

Darüber hinaus interpelliert uns die oft tödlich endende Migration aus Afrika, an die übrigens das kürzlich prämierte Weltpressefoto 2013 rührt. Auf letzterem werden nämlich afrikanische Flüchtlinge gezeigt, die auf Djibouti versuchen, über Handy ihre Familie zu erreichen…

Ein äußerst bewegendes Bild, das uns daran erinnern sollte, dass ein radikales Umdenken im Nord-Süd-Dialog notwendig ist. Faire Preise für afrikanische Rohstoffe, fairer Handel, die Förderung von Industrie und Arbeitsplätzen auf dem schwarzen Kontinent, der Aufbau von Verwaltungen, humanistische Anforderungen im Bereich der politischen Führung, sowie Kontingente der Zuwanderung in Europa sind einige Wege aus diesem humanitären Drama.