LUXEMBURG
ALAIN ORIGER

In den aktuellen Koalitionsverhandlungen wird auch über eine Legalisierung von Cannabis diskutiert. Ob es wirklich dazu kommen wird, ist momentan aber noch nicht gewusst.

„Wenn es im Allgemeinen um die Regulierung des Gebrauchs psychoaktiver Substanzen geht, gibt es meiner Ansicht nach grundsätzlich nur unvollkommene Lösungsansätze mit mehr oder weniger vorhersehbaren Nebenwirkungen - womit ich nicht behaupte, dass dies in anderen Bereichen nicht der Fall sein kann.

Nehmen wir die Legalisierungs- oder Reglementierungsmodelle, die Cannabisgebrauch ab 18 Jahren erlauben und den Verkauf staatlich regeln und kontrollieren. Infolge der Einführung solcher Reglungen werden minderjährige Cannabiskonsumenten nicht plötzlich aufhören, den Wunsch auf Cannabis zu verspüren und letzteres zu konsumieren - vorher war der Konsum auch schon illegal. Was sich jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit ändern wird, ist, dass diese Jugendliche, die wir ja eigentlich besser schützen wollen, dem Schwarzmarkt in einem noch höheren Maße ausgesetzt sind. Illegale Anbieter werden erfahrungsgemäß alles dran setzen, diese verbliebene Zielgruppe noch intensiver ins Visier zu nehmen, um weiterhin Umsätze zu erzielen oder um verlorengegangene Einkünfte auszugleichen. Sie werden möglicherweise stärkeres und/oder preiswerteres Cannabis anbieten, um attraktiv zu bleiben und sich vom legalen Angebot zu unterscheiden, das verständlicherweise einer Qualitäts- und Reinheitsgradkontrolle unterliegt. Auch einige, teils gefährliche Streckmittel könnten erhöht zum Einsatz kommen, um die Gewinnspanne zu vergrößern auf einem kleiner gewordenen Markt.

Es gibt meines Erachtens auch keine Modelle, die im Ausland etabliert sind oder erprobt werden, die man schlicht als solche übernehmen könnte, um sie auf nationaler Ebene anzuwenden.

Dazu muss man sich grundsätzlich die Frage stellen, welches Ziel oder gegebenenfalls welche Prioritäten man verfolgt, wenn man zum Beispiel den Verkauf und den Gebrauch von Cannabis reguliert: vom Verbot bis hin zur Legalisierung. Ist es das Streben nach einer Reduzierung seines Gebrauchs in der Gesamtbevölkerung, die Minderung von potenziellen Risiken und Schäden, die Schwerpunktlegung auf das Verhältnismäßigkeitsprinzip bezüglich verschiedener Stoffe, die Eindämmung der Einnahmequellen des organisierten Verbrechens, die Entlastung der Polizei und Ordnungskräfte, die Vergrößerung der Staatseinnahmen, oder gar alle zugleich?

Diese Liste ließe sich fortsetzen, ohne jedoch zu vergessen, dass es keine einfachen Antworten und kontextneutrale reproduzierbare Resultate gibt. Dass dies so ist, kann man am Beispiel des Zusammenhangs, oder besser gesagt des allgemein fehlenden Zusammenhangs zwischen Drogenkonsumprävalenz und Gesetzgebungen mit mehr oder weniger repressivem Ansatz erkennen.

Ob und welche Regulierungsmodelle als sinnhaft und zielführend empfunden werden, liegt schlussendlich im Auge des Betrachters.

Meine Betrachtungsweise sagt mir, dass jegliche Reglungen, sei es um den legalen Zugang zu psychoaktiven Substanzen, und in diesem Falle zu Cannabis, zu vergrößern oder zu verringern, gründlich überlegt sein sollten, ohne aus den Augen zu verlieren, dass die Gesundheit der Bevölkerung im Mittelpunkt stehen sollte, und hier an erster Stelle die Gesundheit jüngerer Menschen.

Es kann einer konstruktiven Debatte über mögliche Herangehensweisen und Regulierungsmodelle in diesem vielschichtigen Bereich nur von Nutzen sein, wenn die Zielsetzung von vorne herein klar und verständlich ist.“