LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Arbeitsplatz Elbphilharmonie: Amanda Kleinbart über Klang, Konzertproben und Kochmeditation

Ein Tag, den man als Berufsmusiker nicht vergisst. Steht man dann noch selbst auf der Bühne, brennen sich der Klang der Instrumente und die Reaktion des Publikums erst recht ins Gedächtnis ein. Am 11. Januar 2017 hat die luxemburgische Hornistin Amanda Kleinbart die Hamburger Elbphilharmonie miteingeweiht. Zehn Jahre Bauzeit brauchte es, bis die moderne, aber auch umstrittene Konzerthalle stand.

Kleinbart wurde 1986 in Luxemburg geboren, sie war langjähriges Mitglied im „European Union Youth Orchestra“ bevor sie 2011 als stellvertretende Solohornistin im Staatsorchester Hannover und 2013 als Solohornistin im Saarländischen Staatsorchester engagiert wurde. 2011 gewann sie als Beste ihres Fachs das Stipendium des Deutschen Musikwettbewerbs. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Kammermusik, unter anderem als Mitglied im „Acelga Quintett“. Seit 2014 ist sie Wechselhornistin des „NDR Sinfonieorchesters“, inzwischen umgetauft in „NDR Elbphilharmonie Orchester“. Im Interview berichtet die Hornistin, wie ihr Arbeitsalltag aussieht, wie der Klang in der Elbphilharmonie wirklich ist und warum sie gerne in Japan auftritt.

Warum haben Sie sich das Horn als Instrument ausgewählt?

AMANDA KLEINBART Meine Mutter war im „Orchestre Philharmonique du Luxembourg“, da war es naheliegend für mich, das ich auch zur Musik gehe. Ich habe zunächst mit Klavierspielen und dann auch mit Horn angefangen, bei einem Orchesterkollegen meiner Mutter habe ich dann begonnen, Unterricht zu nehmen.

Was ist die Schwierigkeit dieses Instrumentes?

KLEINBART Man muss sehr präzise mit den Lippen die Töne treffen, da macht sogar schon viel weniger als ein Millimeter den Unterschied aus.

Braucht es eine Veranlagung oder ist das nur durch Üben zu schaffen?

KLEINBART Es ist eine Kombination aus beidem, zu dem dann auch Begabung kommt, im Unterricht stellen sich dann Erfolge ein. Klar, man muss auch üben und auch Details wie die Form der Lippen spielen eine Rolle.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus?

KLEINBART Ein Projekt dauert eine Woche, da wird montags bis mittwochs geprobt, donnerstags finden die Generalprobe und abends das Konzert statt. Weitere Konzerte spielen wir dann freitagabends und sonntagvormittags in der Matinee. Dann folgt eine Woche Vorbereitung für die nächsten Stücke, dazwischen haben wir immer mal wieder eine Woche frei, um andere Stücke für die Zukunft vorzubereiten.

Wie bereiten Sie sich eigentlich auf ein Konzert vor? Das ist ja, gerade auch bei Blasinstrumenten, schon wie Hochleistungssport.

KLEINBART Ich übe immer regelmäßig, um fit zu bleiben, an Konzerttagen versucht man nicht zu viel zu spielen, ein Saunagang ist da beispielsweise auch nicht gut, weil davon alles anschwillt, man sollte sich körperlich nicht beanspruchen.

Haben Sie Tricks, um sich während des Konzerts mental wieder frisch zu machen?

KLEINBART Mentale Vorbereitung ist schon wichtig, mentales Training müssen auch viele Musiker machen, um eine hohe Leistung zu erreichen. Aber im Konzert ist man so stark in der Musik drin, da braucht man keine Erholung, weil es einen einfach so mitreißt.

Welche Art mentalen Trainings hat sich bewährt?

KLEINBART Yoga und autogenes Training oder Qigong. Ich arbeite auch viel über Visualisieren und versuche regelmäßig Sport zu machen, Schwimmen oder Joggen tun mir wahnsinnig gut, da bekomme ich gut den Kopf frei. Kochen hat für mich einen meditativen Effekt.

Sie sind schon viel rumgekommen in Deutschland, wo hat es Ihnen am besten gefallen?

KLEINBART Es war überall toll. In Hannover habe ich zum ersten Mal in der Oper gespielt und erlebt, wie sich das anfühlt, im Orchestergraben zu sitzen, auch Saarbrücken war toll, weil die Leute sehr offen sind und wegen der Nähe zu Frankreich. Berlin ist eine meiner Lieblingsstädte, weil sie kulturell so wahnsinnig interessant ist und für jeden Platz bietet. Hamburg ist für mich eine tolle Kombination aus Luxemburg und Berlin, man hat einen hohen Lebensstandard wie in Luxemburg und trotzdem eine Großstadt mit einem riesigen kulturellen Angebot und einem internationalen Einfluss, ich kann mich nicht beschweren.

Um die Elbphilharmonie gab es am Anfang viele Debatten. Wie betrachten Sie diese Debatten jetzt, nachdem Sie seit der Eröffnung darin auftreten?

KLEINBART Es war uns als Orchester bewusst, dass viel gestritten werden würde, viele Leute in der Stadt waren unzufrieden, dass so viel Geld investiert wurde, gleichzeitig kann man viele Leute treffen, die wahnsinnig glücklich über die Elbphilharmonie sind. Ich fühle mich wahnsinnig geehrt, Mitglied im Residenzorchester zu sein. Auch nach einem Jahr sind die Besucherzahlen sehr zufriedenstellend, alle Konzerte sind weiterhin ausverkauft. Überwiegend freuen sich die Leute, dieses Gebäude, das auch ein Wahrzeichen geworden ist, in der Stadt zu haben.

Wie ist denn der viel diskutierte Klang?

KLEINBART Sehr brillant und sehr transparent. Ich habe vor ein paar Tagen bei einer Probe zugehört und es hat mir den Atem geraubt, weil es so etwas Besonderes ist. Das Holz muss erst mal leben, der Saal entwickelt sich weiter, es ist von Tag zu Tag schöner dort zu spielen. Als Orchester mussten wir uns sehr darauf einlassen, weil es für uns eine große Veränderung war, aber es ist toll, dass alles so zusammenwächst.

Dieses Jahr steht für das Orchester auch eine große Tournee an?

KLEINBART Genau. Ende August spielen wir in Spanien und in Grafenegg (das Festival in Österreich zählt zu den bedeutendsten Orchesterfestivals Europas, Anm. d. Red.), im Herbst geht es nach Shanghai und Japan.

Da sind Sie ja auch schon vorher aufgetreten. Sind Ihnen dabei Unterschiede in der Mentalität des Publikums aufgefallen?

KLEINBART Japaner sind meist sehr kultur- und klassikaffin, das ist eine ganz andere Begeisterung, da wird man mit sehr offenen Armen empfangen, und die Begeisterung für deutsche Komponisten ist sehr groß. Auch ist das Publikum viel jünger, es kommen viele Jugendliche ins Konzert.