LUXEMBURG
NIC. DICKEN

Auch wenn man sich gerne mit anderen Lebensbereichen beschäftigen würde, so bleibt doch die Pandemie-Krise das alles beherrschende Thema. Nicht nur Gesundheitsministerin Paulette Lenert und ihr Chefstratege Jean-Claude Schmit machen sich in diesen Tagen verstärkte Sorgen über die aktuelle Entwicklung an der Corona-Front. Die über zwei bis drei Monate hinweg verordnete - und weitestgehend respektierte - Beschränkungsdisziplin hat nur kurz nach ihrer Lockerung starke Risse bekommen. Unmerklich hat sich der Respekt vor der in vielen Fällen tödlich verlaufenden Corona-Erkrankung in eine neue Sorglosigkeit gewandelt, ein klares Zeichen dafür, dass viele Menschen mit der von ihnen eingeforderten Freiheit nicht vernünftig und verantwortlich umgehen können. Sie verkennen und missachten dabei, dass sie nicht nur sich selbst, sondern auch viele Mitmenschen in Gefahr bringen.

Was zudem nicht bedacht wird ist die Tatsache, dass die allenthalben feststellbare Missachtung der gelockerten Schutzbestimmungen sehr schnell zu einem zweiten Lock-Down führen könnte, ohne dass die erste Pandemie-Welle vollständig abgeebbt wäre. Das Hauptproblem besteht nämlich darin, dass es nützlich und sinnvoll wäre, alles zu tun, um in den (für die Pandemie) weniger günstigen Sommermonaten eine möglichst vollständige Eindämmung zu erreichen, wodurch die für die nächste Herbst-Winter-Periode erwartete zweite Welle von Anfang beschränkt, vielleicht sogar ganz unterbunden werden könnte. Kurz gefasst: Je vernünftiger wir mit den geltenden Schutzmaßnahmen umgehen, desto besser die Aussicht auf eine zeitnahe Rückkehr in dauerhaft „normale“ Lebensumstände.

Dass es allerdings nicht nur Bürger oder Gruppierungen am nötigen Respekt fehlen lassen, sondern quasi höchstamtlich am Fortbestand der Pandemie gewerkelt wird, zeigen zwei Beispiele von Fehlverhalten, die bereits hinlänglich kritisiert und angeprangert wurden. Beispiel Schlachthöfe in Deutschland: Nachdem vor einem knappen Monat bereits drei Schlachthöfe in Nordrhein-Westfalen und in Bayern hatten geschlossen werden müssen, weil die Arbeits- und Wohnbedingungen nachweislich zu einer raschen Pandemie-Ausbreitung geführt hatten, kam es vor einer Woche zu einem neuerlichen Ausbruch im Gütersloher Schlachtbetrieb Tönnies. Hätte man aufgrund der zuvor gesammelten Erkenntnisse nicht längst präventiv hier einschreiten müssen, um die später erfolgte explosionsartige Ausbreitung zu vermeiden, unter der nun hunderttausende Bürger neue Lebens- und Reisebeschränkungen erleiden müssen?

Beispiel Wahlkampf in den USA: Ausgerechnet der zu Besonnenheit und Musterverhalten eigentlich verpflichtete Präsident leistet sich die schlimmsten Ausfälle gegen eigene Empfehlungen und Vorschriften. Selbst ohne Schutzmaske auftretend lädt er tausende Anhänger zu Wahlkampftreffen in geschlossenen Räumen, wo weder Abstands- noch Schutzmaskenpflicht beachtet werden, dies ausgerechnet in Städten, die schon vorher zu neuen „hot spots“ der Pandemie erklärt worden waren. Egoismus, Arroganz und Dummheit helfen nur dem Virus, nicht den Menschen.