CONTERN
CORDELIA CHATON

Ein Unternehmer sieht sich in der sozialen Pflicht und stellt einen syrischen Flüchtling ein - Beide sind glücklich über die Entscheidung

Kahtan Watfa ist froh. Der Syrer hat etwas, wovon viele Flüchtlinge in Luxemburg nur träumen können: Einen festen Job. Der Chemie-Ingenieur arbeitet seit rund zwei Monaten beim Stein- und Baustoffspezialisten Chaux de Contern. Eigentümer und Verwaltungsratspräsident Robert Dennewald hatte sich die Einstellung ausdrücklich gewünscht. „Unternehmen haben auch eine soziale Aufgabe. Wenn jedes der 131 Unternehmen im Land, das ein Label der sozialen Verantwortung trägt, jemanden einstellen würde, wäre es um die Integration gut bestellt“, sagt Dennewald, der jahrzehntelang selbst Chaux de Contern geleitet hat. Er ist überzeugt, dass es viele qualifizierte Flüchtlinge gibt und ADEM und ASTI bei der Kontaktaufnahme gern behilflich sind.

Die Integration von Flüchtlingen beschäftigt in Luxemburg sehr unterschiedliche Menschen und keineswegs nur Politiker. Kommunikationsexpertin Frédérique Buck hat gerade ein Buch über persönliche Flüchtlingsschicksale veröffentlicht, Hariko-Projektmitarbeiterin Marianne Donven hat drei minderjährige Flüchtlinge bei sich aufgenommen. Aber auch Unternehmer wie Pit Pirotte, Mitgründer von Property Partners und ehemaliger Unternehmer, findet das Thema wichtig. Sie alle überzeugten Dennewald. Vielleicht hat auch sein christlicher Glaube eine Rolle gespielt.

Als er dem Geschäftsführer Eric Klückers von seinem Plan erzählte, hatte der schon einen Kandidaten. Watfa kannte das Unternehmen bereits durch Praktika. „Als junger Ingenieur wollte ich mich im Ausland weiterbilden. Das war vor dem Krieg“, erzählt er. Der heute 33-Jährige sprach zwar Französisch, aber nicht genug, um in Frankreich angenommen zu werden. So kam er nach Belgien. Doch die Kosten von 4.000 Euro pro Semester an der Freien Universität Brüssel ließen ihn schnell nach Alternativen suchen. So hörte er vom zweijährigen „Master en développement durable“ der Uni Lüttich zusammen mit der Uni Luxemburg. Das passte zu seinem Chemie-Ingenieursstudium. „Da der Campus der Uni Lüttich in Arlon war und ich an der Uni Luxemburg einen Job gefunden hatte, beschloss ich, nach Luxemburg zu ziehen“, erklärt Watfa. Das war 2012.

Praktikum in Homs

Der Student konnte mit Erfahrung Punkten. In Syrien hatte er schon 2004 in einer Zement-Fabrik in Homs ein Praktikum gemacht, später Erfahrungen in einer Metallfabrik und einer Abwasserreinigungsfirma in Hama gesammelt, bevor er ab 2007 drei Jahre lang als Ingenieur mit syrischem Diplom für die Qualität der Produktion von Olivenöl in einem Unternehmen seiner Heimat zuständig war.

„Über einen Kommilitonen habe ich am Ende meines Studiums Kontakt zu Chaux de Contern bekommen. Dort konnte ich in einem sechsmonatigem Praktikum am Studienende 2013/2014 eine Machbarkeitsstudie durchführen“, erinnert er sich. Doch als Watfa 2014 endlich fertig war, tobte der Krieg in Syrien.

Kein Pass, keine Perspektiven

„Mein Pass war abgelaufen und ich wusste nicht, wie es weitergeht“, erzählt er. Ihm blieb nichts anders übrig, als Asyl zu beantragen. Über die Uni fand er einen befristeten Job, doch danach war er arbeitslos und bei der ADEM. Watfa nutzte diese vier Monate für Luxemburgisch-Kurse. „Das ist wichtig für meine Integration“, sagt er. „Ich will bleiben. Wenn ich noch besser spreche, kann ich die Staatsbürgerschaft beantragen.“ Der junge Mann ist motiviert. Denn es sieht gut aus. Nach vier Monaten stellte ihn Klückers ein. Er ist froh, in Watfa einen idealen Kandidaten für den Job des Entwicklungsingenieurs für neue Materialien gefunden zu haben und gleichzeitig einem Flüchtling zu helfen. Das ist nicht so einfach. „Wir sind ein Unternehmen und müssen Geld in einem hart umkämpften Markt verdienen“, sagt der Geschäftsführer. „Wir beschäftigen 150 Mitarbeiter aus 17 Nationen. Aber so sehr wir als Unternehmen auf soziale Standards achten - es muss natürlich passen. Kahtan Watfa war ein Glücksfall für uns.“

Watfa selbst sieht eine Zukunft. „Ich habe es durch die Arbeit geschafft, mich zu integrieren und meinem Leben eine Perspektive zu geben. Es ist einfach wunderbar für mich.“ Dank der Arbeit hat er eine Wohnung gefunden. „Für viele Flüchtlinge ist das schwierig“, sagt er. Der Ingenieur hat seine Frau aus Syrien nachgeholt und geheiratet. Bald, so hofft er, hat er auch einen neuen Pass. Mit einem Löwen darauf.