Ein bisschen wie „moutarde après dîner“ kam es einem schon vor: Gestern stellten Familienministerin Corinne Cahen und TNS ILRES-Direktor Charles Margue eine Umfrage zum Elternurlaub vor, die in der zweiten Hälfte Januar durchgeführt wurde. „Was brauchen die Eltern, was sagen die, die den Urlaub genommen haben, was die, die ihn nicht genommen haben? Wir wollen nichts über ihre Köpfe hinweg entscheiden“, sagte Cahen.
Dabei laufen die Diskussionen mit den Sozialpartnern und Vertretern der Zivilgesellschaft über konkrete Vorstellungen der Regierung bekanntlich schon länger und man ist sich auch weitgehend einig: Der Urlaub soll flexibler als nur sechs Monate Vollzeit oder zwölf Monaten halbtags gewählt werden können - auch vier Monate bei höheren Bezügen (2.880 Euro), sofern das Gehalt dem auch entspricht, sollen möglich werden. Und generell soll er besser vergütet werden, indem er an den indexierten Mindestlohn (1.922 Euro) gekoppelt wird. „So umgehen wir in Zukunft ständige Diskussionen um Anpassungen“, sagte Cahen.
Ziel der Reform: Mehr Eltern, vor allem mehr Väter sollen Elternurlaub nehmen
Die Vorteile des Elternurlaubs liegen klar auf der Hand: Der Elternurlaub bietet eine Arbeitsplatzgarantie, auch wenn man als frisch gebackene Eltern eine gewisse Zeit für sein Kind da sein will. „Es sollen in Zukunft mehr Leute vom Elternurlaub profitieren, vor allem mehr Männer“, sagte Cahen. Heute treffe sich das „Comité permanent du travail et de l’emploi“ (CPTE) und befasse sich auch mit dem Elternurlaub. „Die Diskussionen mit den Sozialpartnern sind noch nicht ganz fertig. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden, die von allen getragen wird.“
Knackpunkte seien noch die Frist, in der man Anspruch auf den Elternurlaub erheben kann. Derzeit geht es, bis das Kind fünf Jahre ist - bis es zwölf Jahre ist, verlangen die Gewerkschaften. Aber ist man dann noch beim gleichen Arbeitgeber? Wie sieht es aus, wenn man während des Elternurlaubs den Arbeitgeber wechseln möchte und dann eigentlich die Bezüge während des Elternurlaubs zurückerstatten müsste? Wie bei einem Konkurs? Die Gewerkschaften fordern zudem, dass jeder, der nur vier Monate in Anspruch nimmt, auch die höhere Vergütung bekommt, die Besserverdienenden zustehen soll.
Am liebsten wäre es Cahen, wenn die Reform des Elternurlaubs und die Reform des Kindergeldes in ein Gesetz fließen könnten. Die Kindergeldreform liege derzeit noch bei der Generalinspektion der Sozialversicherung liegt, wo sich die zuständige Beamtin im Elternurlaub befindet und müsse dann noch vom Staatsrat begutachtet werden. Es werde nun eher 2016, bis die Reformen verabschiedet sind, meinte Cahen.
Unterstützt Beziehung zu Kind und innerhalb des Paars
Die Umfrage belegt, dass die Regierung auf Zustimmung stößt. 33 Prozent gaben an, dass sie Elternurlaub genommen hätten, wenn das Gesetz mehr Flexibilität zugelassen hätte. Fragen sollten sich die Arbeitgeber stellen: Zwischen zehn und 15 Prozent gaben als Hürde deren Einstellung an. Nur 46 Prozent zeigten sich zufrieden mit der Beziehung zum Arbeitgeber und mit dem Empfang der Arbeitskollegen bei der Rückkehr. Die zukünftigen Elternurlauber befürworten deutlich die geplanten Maßnahmen. 42 Prozent gaben an, dass sie gerne den Elternurlaub genommen hätten, aber aus finanziellen Gründen nicht konnten: 47 Prozent der Männer und 36 Prozent der Frauen. 84 Prozent geben an, dass der Urlaub gut für die Eltern-Kind-Beziehung war. Der Urlaub hat aber auch noch den netten Nebeneffekt, dass er für 69 Prozent gut für die Paarbeziehung war.


