LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Reduzierung des „Stage“ im öffentlichen Dienst: CGFP reagiert abwartend auf Vorschlag der DP-Präsidentin - Minister Kersch: Gleichstellung beim Mutterschaftsurlaub wird nachgeholt

Die Staatsbeamtengewerkschaft CGFP will zunächst nicht auf den Vorstoß von DP-Parteipräsidentin Corinne Cahen reagieren, die „Stage“-Dauer im öffentlichen Dienst von drei Jahren auf ein Jahr zu reduzieren. Ihr Sprecher Max Lemmer sagte gestern gegenüber dem „Tageblatt“: „Wir werden nicht jeden Zwischenruf kommentieren“. Die CGFP hatte die Regierung Mitte Januar aufgefordert, bis zum 19. Februar Stellung zu ihren Forderungen zu beziehen. Die Gewerkschaft spricht sich beispielsweise für die Abschaffung der sogenannten 80/80/90-Regelung aus, durch die Berufsanfänger in den ersten drei Praktikumsjahren weniger Gehalt bekommen. Hintergrund ist die 2015 verabschiedete Reform des öffentlichen Diensts.

Die Gewerkschaft reagierte damit auf einen Vorschlag Cahens vom Dienstag. „D’DP wëll eng kompetitiv Fonction publique mat gutt forméierte Beamten. Den aktuelle Stage ass eiser Meenung no keng Plus-Value fir dat Zil ze erreechen.“ Das Praktikum soll also kürzer, dafür „intensiver“ ausfallen und gleichzeitig durch eine ständige Weiterbildung ergänzt werden, heißt es von den Liberalen.

Bilanz der Reform ziehen

Der für den öffentlichen Dienst zuständige Minister reagierte auf den Vorstoß der DP-Präsidentin zunächst auf Facebook mit der Aussage, es könne ihn nur „freuen“, wenn Regierungskollegen seine Ansicht teilten, eine Bilanz besagter Reform von vor zwei Jahren zu ziehen. „Wir sollten den Mut haben, zusammen mit den Sozialpartnern, das beizubehalten, was gut ist und abzuschaffen, was eher kontraproduktiv ist.“ Es sei klar, dass die Dauer des Praktikums ein Thema bei den nächsten Diskussionen mit der CGFP über ein neues Gehälterabkommen sein müsse. Dem jetzigen Vorschlag steht der Ressortminister aber mit Vorbehalten gegenüber. Wie der LSAP-Minister gestern gegenüber RTL Radio sagte, sei in bestimmten Bereichen wie Polizei oder Rettungsdiensten eine längere Praktikumszeit notwendig. Die Diskussionen mit der CGFP über ein neues Gehälterabkommen könnten indes schon im März oder April anstehen.

Kersch stellte gestern ebenfalls eine rasche Anpassung beim Mutterschaftsurlaub in Aussicht, insofern die neuen Bestimmungen auch im öffentlichen Sektor gelten sollen. Künftig sollen also Mütter, unabhängig ihres Beschäftigungsverhältnisses und unabhängig von der Tatsache, ob sie ihr Kind stillen oder nicht, über insgesamt 20 Wochen Mutterschaftsurlaub verfügen - acht vor und zwölf nach der Geburt ihres Kindes. Kersch merkte allerdings an, dass die Familienministerin diese Anpassung mit dem von ihr auf den Instanzenweg geschickten Gesetzesvorhaben selber hätte vornehmen können.

In seinem Post auf Facebook sprach sich der LSAP-Politiker darüber hinaus auch für eine erneute Bindung des Kindergeldes an den Index aus, um damit „die Kaufkraft junger Familien zu stärken.“