LUXEMBURG
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Das Hanta-Virus tritt auch in Luxemburg auf, allerdings sehr unregelmäßig

Vor einigen Tagen verbreitete die Deutsche Presseagentur eine Nachricht, dass das Hanta-Virus in diesem Jahr in Deutschland erst einmal aufgetreten ist - Stand 7. Juli 2018. In der Meldung heißt es: „Im gleichen Zeitraum des vorangegangenen Jahres seien es bereits 31 Fälle gewesen, teilte das Landesuntersuchungsamt in Koblenz auf Anfrage mit. Unter dem Strich waren 2017 dann insgesamt 49 Fälle gezählt worden und damit auch deutlich mehr als in den Jahren davor. 2013 bis 2016 waren es laut LUA stets zwischen einem und maximal elf Fällen. 2017 sei insofern ein ,Ausreißer nach oben‘ gewesen.“

Das Hantavirus führt zunächst zu grippeähnlichen Symptome wie Fieber, Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen, endet aber unter Umständen mit Nierenversagen.

Die Meldung gab dem „Journal“ den Anlass bei der Gesundheitsinspektion nach der Situation in Luxemburg nachzufragen. Dr. Pierre Weicherding, Chefarzt der „Inspection sanitaire“ antwortete in einer schriftlichen Stellungnahme ausführlich auf unsere Fragen:

In Luxemburg taucht das Hantavirus Puumala regelmäßig bei Erkrankungen beim Menschen auf. Die meisten Fälle entstehen im Zentrum des Landes mit Schwerpunkt in der Gegend des Müllertals und in dessen weiträumiger Umgebung. Die Zahl der Erkrankungen beim Menschen schwankt jedoch jährlich in Luxemburg.

Das Virus verursacht beim Menschen eine schlimme Erkrankung begleitet von Blutungen innerer
Organe, vorübergehendes Nierenversagen. Im Prinzip werden Erkrankte stationär im Krankenhaus behandelt und benötigen meist eine Dialyse wegen Nierenversagens. Dies ist aber nur vorübergehend
und nach ein paar Wochen erholen die Erkrankten sich meist. Eine spezifische medikamentöse Behandlung besteht nicht.

Die Rötelmaus als Übeltäter

Das Virus wird dem Menschen durch Mäuse übertragen. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht bekannt. Hauptsächlich die im Wald lebende rote Rötelmaus gilt als Träger dieses Virus. Mäuse die in alten Schuppen oder Scheunen leben, können auch mit dem Hantavirus angesteckt werden und scheiden das Virus in ihren Exkrementen aus. Der Übertragungsweg zum Menschen geht meist über Einatmen von Staub in dem sich getrocknete Elemente von Mäuseexkrementen befinden, die mit dem Virus infiziert sind. Oft ist die Ansteckungsquelle der Staub, der beim Reinigen alter Schuppen und Scheunen entsteht. Im Wald kann der Wind Exkremente von Rötelmäusen aufwirbeln, die dann bei Spaziergängern oder Waldarbeitern über die Atemwege in den Körper gelangen und eine Infektion verursachen.

Zusammenhang mit der Größe der Mäusepopulation

Aller Wahrscheinlichkeit nach scheint die jährlich schwankende Zahl der menschlichen Erkrankungen von der Zahl der Rötelmäuse abzuhängen. Bei starken Regenfällen im Frühjahr werden die Bauten der Rötelmaus überschwemmt und die Mäuse und ihre Kleinen ertrinken, was dann zur Minderung des Bestandes führt. Andererseits, bei günstigen Bedingungen findet man viele Rötelmäuse im Wald, was dann zu einem Mehrauftreten der Krankheit führt.

Der Fuchs als Gesundheitspolizei

Eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung dieser Krankheit spielt der Fuchs: Er ist der natürliche Feind der Rötelmaus und ernährt sich gerne davon! Ein angepasster Fuchsbestand hilft dabei den Rötelmausbestand einzudämmen und die Verbreitung der Krankheit zu mindern.“

Es gibt schlimmere Varianten

Das Hanta-Virus wurde zum ersten Mal während des Koreakrieges zu Beginn der 1950er Jahre beobachtet, als 3.000 US-Soldaten nach dem Baden im Fluss Hantan erkrankten, daher kommt auch der Name.

Laut einer Netzrecherche, ist die in Mitteleuropa vorkommende Variante des Hanta-Virus äußerst selten tödlich. Die Mortalitätsrate liegt bei einem Prozent. Ein Hanta-Virus, der auf dem Balkan auftritt, ist mit einer Sterberate von 15 Prozent schon deutlich gefährlicher. Besonders übel ist eine Virusvariante auf dem amerikanischen Kontinent, die bei 30 Prozent der Erkrankten zum Tod führt.