LUXEMBURG
ANDY FOYEN

 

Bekannt ist Wiltz heute vor allem als Ausgangspunkt des Generalstreiks 1942. Wiltz war über Jahrhunderte aber auch das Handwerks- und Industriezentrum im Norden des Landes. Webereien, Gerbereien, Tuchmacher, die Papiermühle, vor allem aber die Brauerei und die Lederindustrie, später die Produktion von Fußbodenbelägen, prägten Stadtbild und Arbeitswelt. Seit den 1960er Jahren verlor die Stadt an Industriebedeutung und tut sich seither schwer, ökonomisch wieder auf die Beine zu kommen und neue Wege zu finden.

 

In der luxemburgischen Gemeindelandschaft bringt man Wiltz nicht unbedingt mit einer positiven Entwicklung in Verbindung. Tatsächlich schneidet die flächenmäßig größte Stadt der luxemburgischen Ardennen landesweit, sowohl auf der politischen, als auch auf der sozialen und ökonomischen Ebene, eher schlecht ab. Wiltz ist die ärmste Gemeinde Luxemburgs. Dies ergibt die Berechnung eines sozio-ökonomischen Index des Statec. Das Durchschnittseinkommen der in Wiltz lebenden Bürger beträgt nur 2.749 Euro. 11,6 Prozent der Wiltzer sind arbeitslos und 8,5 Prozent beziehen RMG. Auch die Wiltzer Geschäftswelt musste einige Rückschläge einstecken. In der Fußgängerzone und auf der Hauptstraße herrscht mittlerweile fast gähnende Leere.

Es besteht also akuter Handlungsbedarf, damit die ehemalig stolze Arbeiterstadt wieder zu ihrem alten Glanz zurückfinden kann. Dank der rezenten Gemeindefinanzreform der Regierung wird Wiltz in den nächsten Jahren erhebliche neue finanzielle Mittel zur Verfügung haben, die es gilt intelligent einzusetzen, um die Gemeinde wieder attraktiver für Bürger und neue Betriebe zu gestalten. Die wichtigste Priorität sollte darin bestehen, den sozio-ökonomischen Schwachstellen entgegenzuwirken.

Glücklicherweise hat Wiltz in diesem Punkt wichtige Schützenhilfe von der Regierung und allen voran vom Wohnungsbauminister Marc Hansen (DP) bekommen, der die lang ersehnten und für viele Jahre blockierten Projekte ‚Eurofloor‘ und ‚Wunnen mat der Wooltz‘ vorangetrieben hat. Diese Initiative verfolgt das Ziel, die Attraktivität der Stadt zu steigern, indem die alte Industriezone durch ein modernes Wohngebiet ersetzt wird. Dieses Projekt soll außerdem dem Parkplatzmangel entgegenwirken, der sich in Wiltz zu einem großen Problem entwickelt hat. Während der hier geplante erschwingliche Wohnraum absolut notwendig ist, sollte auch weiterhin Platz für neue großräumigere Häuser in Wiltz sein, um wieder eine gesunde soziale Mixität in der Gemeinde herzustellen.

Neue Einwohner sind auf Arbeitsplätze und Einkaufsmöglichkeiten angewiesen. Hier ist Ideenreichtum gefragt, um die angespannte Lage der Wiltzer Geschäftswelt in den Begriff zu bekommen. So könnte man zum Beispiel die Niederlassung von Pop-up-Stores und innovativen Start-ups fördern. Auch im Bereich der Infrastruktur besteht Verbesserungsbedarf. Während bei einigen bereits bestehenden Infrastrukturen Baumängel vorhanden sind, wie zum Beispiel beim Sportkomplex in Weidingen, sind für manche Freizeitaktivitäten die nötigen Infrastrukturen gar nicht erst vorhanden. Dies ist hauptsächlich bei Indoor-Sportarten, wie Tischtennis, Futsal, Volleyball und Basketball der Fall.