PEPPINGEN
CHRISTIAN BLOCK

Das „Bauremusée“ wird in diesem Jahr 20 - Gefeiert wird allerdings nicht - aus Kostengründen

Am Ende der kleinen Führung sollte er Recht behalten: Ja, „Bauremusée“, das klingt für den einen oder anderen vielleicht etwas angestaubt. Doch wer sich von Percy Lallemang das Bauern- und Handwerkermuseum, wie es offiziell heißt, und in unmittelbarer Umgebung auch das Kutschenmuseum zeigen lässt, wird schnell eines Besseren belehrt.

Was beim Vorbeifahren wie ein unscheinbares Bauernhaus wirkt, entpuppt sich in seinem Inneren als weitläufiges Museumsareal, das das Leben zwischen 1850 und 1940 in all seinen Facetten wiederzugeben versucht. Wie wurden im 19. Jahrhundert die Felder bestellt, die Ernte gelagert, Kleidung hergestellt, Wäsche gewaschen? Wie wohnten die Menschen? Wie funktionierte damals der Unterricht, wie wurden Werkzeuge hergestellt? All das ist im und um den 1849 erbauten Hof, den größten im Dorf, zu erfahren. Lebendig wird die Tour vor allem, wenn der Direktionsbeauftragte selbst durch die sorgfältig eingerichtete Küche, Stube oder Schlafzimmer führt. Wenn Percy Lallemang etwa schildert, dass eine Hochzeit in Weiß im 19. Jahrhundert Bessergestellten vorbehalten war. Die Braut aus einfachen Verhältnissen trug indes zu allen Anlässen Schwarz. Oder mit Anekdoten zu allen möglichen Exponaten aufwartet. Daran fehlt es dem Museum sicherlich nicht. Lallemang weist daraufhin, dass das Museum keine weiteren Gegenstände, die manch einer noch im Keller herumliegen haben mag, annehmen kann. „Wir haben keinen Platz mehr“, unterstreicht er. Zusammengenommen kommen die drei Museen heute auf nicht weniger als 14.000 Objekte, darunter auch einige Prachtstücke wie eine Furtwängler Standuhr von 1890 oder auch das „Grand Coupé de Gala“ aus großherzoglichem Besitz, in dem vor 100 Jahren Großherzogin Charlotte und Prinz Félix saßen. Einzelnen Räumen sieht man das Volumen dieser Sammlung an. Die Museumsverantwortlichen legen aber Wert darauf, beispielsweise die Wohnbereiche nicht zu überfrachten.

Volles Programm am 18. und 19. Mai

Was man noch lernt: Das Bauern- und Handwerksmuseum ist nicht nur zum Anschauen da. Jetzt, wo die Saison in die Vollen geht, kommen Schulklassen zum Brotbacken oder zur Pflege des Kräutergartens nach Peppingen, in eines der größten Regionalmuseen des Landes. Vollständig zum Leben erwachen wird das „Peppénger Musée“ im Rahmen der „Luxembourg Museum Days“. Vor allem am Sonntag, 19. Mai, lohne es sich, vorbeizuschauen, verrät Lallemang, der vor knapp sechs Jahren die Museumsleitung übernahm. An diesem Wochenende wird nämlich die voll funktionsfähige Schmiede in Betrieb genommen und auch ein im nahegelegenen „Genoeserbusch“ ausgegrabener Rennofen angeschmissen. Auch Kutschenfahrten oder Führungen in historischen Kostümen werden angeboten.

Das 20-jährige Bestehen des Bauern- und Handwerksmuseums wird indes nicht gefeiert. „Aus Kostengründen lassen wir das erstmal bis zum 25. Jubiläum sein“, bedauert Lallemang. Der Museumsleiter muss, seit die staatliche Bezuschussung in der vergangenen Legislatur unter Kulturministerin Maggy Nagel um knapp ein Drittel auf 92.500 Euro jährlich gekürzt wurde, stark haushalten. „Unsere Bücher zeigen, dass es vorne und hinten nicht reicht“, beteuert der Lehrer, der für die Leitung des Museums zu 100 Prozent freigestellt ist. Heizen, Instandhaltung, Miete für das Kutschenmuseum sowie zwei Angestellte: Trotz Beteiligung der Gemeinde Roeser in Höhe von 40.000 Euro gehe die Rechnung nicht auf. Percy Lallemang setzt daher seine Hoffnung auf die Neubesetzung des Kulturministeriums. Ein Treffen bei Ministerin Sam Tanson ist angefragt. Diese Gelegenheit könnte der Direktionsbeauftragte auch dafür nutzen, sich zum Stellenwert der Museen in der Kulturpolitik zu äußern. Trotz Nachbesserungen im Kulturentwicklungsplan „kommen die Museen immer noch zu kurz“, sagt Lallemang, der eigenen Aussagen zufolge mit dieser Ansicht nicht alleine da steht.

Pro Jahr durchlaufen an die 4.400 Besucher den Museumsparcours in der Rue de Crauthem, vor allem Schulklassen und ältere Menschen und hauptsächlich Luxemburger und Franzosen, wie Lallemang verrät. Der auf den sozialen Medien überaus aktiv ist, um noch mehr Besucher in den Süden des Landes zu locken.

Einnahmen generiert das Museum durch Eintrittskarten (fünf beziehungsweise sieben Euro), die in Zukunft voraussichtlich teurer werden, sowie durch die Vermietung des im Museum angesiedelten Restaurants, in dem nun ein neuer Betreiber die Geschäfte aufnimmt.

An Ideen zur Steigerung der Attraktivität der drei Museen - Bauern- und Handwerk, Kutschen und Metallurgie - fehlt es freilich nicht. Der bei Besuchern beliebte Horrorparcours etwa, der aus Kostengründen eingestellt werden musste, könnte wiedereingeführt werden . Der heute nur für das „Bauremusée“ bestehende Audioguide soll in Zukunft auch für das Kutschenmuseum und in mehreren Sprachen angeboten werden und die Webseite des Museums könnte ohne Zweifel auch eine Auffrischung vertragen.

musee-rural.lu