LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Kick-off für Nationalen Plan zum Schutz der Bestäuber durch Umweltministerin Dieschbourg

Das Insektensterben ist eine Realität, das zeigen etliche Untersuchungen in vielen Ländern. Wenn es weniger summt, wird es auch weniger Vögel geben und vor allem werden weniger Blüten bestäubt. Weltweit sind zehn Prozent der Bestäuber vom Aussterben bedroht. Der Wind tut nur ein bisschen was, in unseren Breiten sind 85 Prozent aller Kulturpflanzen (80 Prozent EU-weit) auf eine Bestäubung durch Insekten angewiesen. Ein Ausfall der Bestäubung wird irgendwann auf den Menschen durchschlagen.

Die Beobachtungen sind eindeutig: Der Mangel an Insekten zeigt sich quasi schon in jedem Garten. Der Klimawandel spielt zwar eine gewisse Rolle, weil er andere Insekten und auch Krankheiten mit sich bringt, vor allem setzten aber die ausgeräumten Landschaften und der Einsatz von Pestiziden - kurz: die industrialisierte Landwirtschaft - den Insekten zu. Bei ihnen ist ein ähnlicher Trend wie bei anderen Wildtieren zu beobachten: Es zieht sie in den urbanen Raum. Weil dort der Lebensraum vielfältiger ist, selbst Imker setzen auf Bienenstöcke auf den Dächern von Städten. Was nicht heißt, dass es nicht auch innerstädtisch gut wäre, aus grauen Plätzen grüne Zonen zu machen.

Nationaler Aktionsplan

Gestern Morgen stellte Umweltministerin Carole Dieschbourg (déi gréng) den „Nationalen Aktionsplan zum Schutz von Bestäubern“ vor. Die Ministerin will im Rahmen eines „Naturschutzpaktes“ so viele Akteure wie möglich mit ins Boot holen. Sie sucht die strategische Zusammenarbeit mit Gemeinden, Städten, Landwirtschaft, Forstwirten, Wirtschaft und Wissenschaft. Es gehe einerseits um die Erhöhung des Wissenstands, andererseits um Lösungen. Ob der Plan zu einem Erfolg führen wird, soll in Zukunft vom Forschungszentrum LIST und vom Naturmuseum überwacht werden.

Am einfachsten sind wohl Appelle zu mehr Grün in der Stadt und der Verzicht auf Gifte in privaten und öffentlichen Gärten durchzusetzen. Für die konventionelle Landwirtschaft gilt, dass sie in vielerlei Hinsicht umsteuern muss. Die Mittel, die im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik der EU zur Verfügung gestellt werden, müssen an Aufgaben gebunden werden, die zu einem praktischen Naturschutz durch die Landwirtschaft führen. In Luxemburg stellt das Umweltministerium bereits im Rahmen des Naturschutzplans 100 Millionen Euro für landwirtschaftliche Naturschutzmaßnahmen zur Verfügung.

Auf Nachfrage nach schärferer Überwachung der konventionellen Landwirtschaft, erwiderte Umweltministerin Dieschbourg, dass es ihr darum gehe, auch in der Insektenfrage „Leitplanken zu setzen“.

Neue Webseite

Auf der seit heute frei geschalteten Webseite planpollinisateur.org werden die Akteure, die sich aktiv am Insektenschutz beteiligen wollen, zu einem nationalen Workshop am 14. Januar 2020 und zu drei regionalen Workshops eingeladen.