LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FR. JOURNALIST

City Concorde-Prozess: Staatsanwalt fordert 25 Jahre Haft

Im Prozess um den brutalen Überfall vom 24. Juni 1997 auf einen Geldboten im City Concorde hatte der Angeklagte Joël C. am Donnerstag wieder das Wort. Der 64-Jährige wirkte angespannt, war nervös, antwortete aber unerwartet schnell.

„Wie haben Sie Michel Villas kennengelernt? Haben Sie ein besonderes Ansehen im Pariser Milieu“, fragte die Staatsanwältin? „Ich bin Bankräuber und ich rede nicht“, antwortete der Angeklagte. Auf die Frage, was er denn in der Filmgesellschaft gearbeitet habe, antwortete C.: „Ich war Techniker und Texter. Aber ich bin nicht gewalttätig. Warum sollte ich einem Geldboten mit dem Revolver auf den Kopf schlagen. Ich habe 1997 über 100 Kilogramm gewogen, ich hätte ihm die Tasche mit dem Geld ohne Probleme abnehmen können.“ Bekanntlich waren zwei Millionen Franken verschwunden, Joël C. blieb aber bei seinen Aussagen und bestritt auch am Donnerstag an der Tat beteiligt gewesen zu sein.

Plädoyer der Verteidigung:Zweifel an den forensischen Indizien

Am Donnerstag führte ferner Verteidiger Philippe Penning in seinem Plädoyer eine Reihe von Indizien an, um die Unschuld seines Mandanten zu beweisen. Nicht selten waren während den vergangenen Prozessverhandlungen dieselben Indizien von der Staatsanwaltschaft als belastend und vom Anwalt als unzureichend gewertet worden.

Als Hauptangriffspunkt dienen der Staatsanwaltschaft die von den Genetikern vorgebrachten forensischen Indizien. Die Anklage beruht hauptsächlich auf gefundenen Kleidungsstücken, auf denen drei belastende DNS-Spuren sichergestellt wurden. Die Treffer konnten mittels einer DNS-Analyse dem Angeklagten Joël C. zugeordnet werden. Die anderen Spuren, die sichergestellt wurden, passten nicht zu Joël C. und konnten auch sonst keiner anderen polizeibekannten Person zugeordnet werden.

Das genetische Profil von Joël C. wurde in einem Bericht von 2008 als „mehrheitlich“ angegeben. Im Jahre 2012 prüfte die Genetikerin Dr. Elisabet Petkowsky die Analyse. Sie kam zum gleichen Resultat, erklärte das Ergebnis aber etwas anders. Die Verteidigung hatte dazu am Donnerstag die Genetikerin vor Gericht zitiert, die zu Protokoll gab: „Le profil n’est pas majoritaire, mais nettement majoritaire.“ Die Analyse könne aus mehreren Gründen nicht in Zweifel gezogen werden. Es sei allerdings jetzt an der Justiz, den Fall zu einem abschließenden Urteil zu bringen. „Wir haben unsere Arbeit getan“, sagte die Genetikerin. Für die Verteidigung scheinen die Spuren aber nicht eindeutig zu sein. Der Anwalt versuchte in seinem Plädoyer, die DNS-Analyse in ein entlastendes Indiz umzuwandeln.

Penning wies aber auch auf andere Indizien hin, die C. entlasten. Die gefundenen Turnschuhe der Marke Nike, Größe 42, seien keinesfalls seinem Mandanten zuzuordnen, denn der hätte Schuhgröße 44. Es seien auch keine Fingerabdrücke im zurückgelassenen Auto gefunden worden, sagte der Verteidiger.

Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Belastungszeugen

Hinweise auf mögliche andere Täter wurden auch thematisiert. Die Verteidigung versuchte von Beginn an, in gezielter Art und Weise die Integrität und Verlässlichkeit von Belastungszeugen, die früher Komplizen bei Überfällen von C. waren, in Zweifel zu ziehen.

Unter besonderem Druck standen dabei die früheren Komplizen Philippe S. und René C..

Das Verhalten Philippe S. lasse darauf schließen, „dass er meinen Mandanten hasst. Er will ihm die Schuld zuschieben, weil er ihm eine Ohrfeige verabreicht hatte“, sagte Penning. Der im Jahre 2003 verstorbene Michel Villas habe nie mit seinem Mandanten zusammen Überfälle gemacht.

Brief ist kein Alibi

Joël C.’s Brief, den er an den Untersuchungsrichter schickte, habe keinesfalls als Alibi gedient, so wie die Staatsanwaltschaft das behauptet. Da der Überfall sich am 24. Juni 1997 ereignete und zu dieser Zeit der Aufenthaltsort des Angeklagten bekannt war (er stand am 24. Juni 1997 unter juristischer Aufsicht), war die Verteidigung bemüht, die von der Anklage vorgegebene Zeitabfolge in Zweifel zu ziehen. „Für die Staatsanwaltschaft hat mein Mandant kein Alibi. Ich gebe zu, das ist schwer zu vermitteln, weil hier kein klarer Beweis gefunden wurde“, sagte Penning.

Sein Mandant hätte nie Überfälle auf Geldtransporter gemacht. Für ihn kamen immer nur Postfilialen, Banken und Supermärkte in Frage. Er hätte auch nie bei seinen Überfällen mit einer Waffe auf jemanden geschossen.

In seinem fast zweistündigen Plädoyer versuchte Penning, die Verlässlichkeit der Indizien in Zweifel zu ziehen. Zum Schluss forderte der Verteidiger kurz und bündig einen Freispruch für seinen Mandanten.

Plädoyer der Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft ließ am Freitagmorgen die Fakten noch ein Mal Revue passieren und legte direkte Beweise für die Schuld des Angeklagten vor. Um eine Verurteilung zu erreichen, konzentrierte sich die Anklägerin auf die von den Ermittlungsbehörden sichergestellten forensischen Indizien. Die Anklage behauptet, die Beweislast gegen Joël C. sei geradezu erdrückend, dies basierend auf den Zeugenaussagen und den DNS-Analyse.

Zwei Zeugen, Philippe S. und René C., hätten den Angeklagten in ihren Vernehmungen schwer belastet. Beide behaupteten, dass Joël C. ihnen mitgeteilt habe, mit Michel Villas und einem anderen am Raub in Luxemburg beteiligt gewesen zu sein.

Außerdem gebe es eine frappante Ähnlichkeit mit dem Raub in Luxemburg und dem Crédit Agricole-Überfall am 24. September 1997 in der Dordogne. Auch hier soll C. beteiligt gewesen sein und eine Perücke während der Tat getragen haben.

Die Staatsanwaltschaft schloss damit, Joël C. wegen Raubmord zu einer Freiheitsstrafe von 25 Jahren zu verurteilen ist.

Als die Staatsanwältin fertig war, sagte die Richterin zu dem Angeklagten: „Sie haben das geforderte Strafmaß gehört, wollen Sie etwas dazu sagen? Sie haben das letzte Wort.“

„Aber gerne, Frau Präsidentin“, sagte C.. Der Angeklagte, der aus Sicherheitsgründen mit einer Fußfessel am Prozess teilnahm, stand auf, begab sich vor den Richtertisch und sagte: „Je comprends, après 21 ans, Madame la procureur a finalement trouvé moi pour me condamner.“


Das Urteil wird am 29. Januar gesprochen.