LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Wasserbilliger Karnevalsprozess: Anklage fordert 20 Jahre Haft

Wegen einer Flaschen-Attacke vor dem „Café Alex“ in Wasserbillig am 5. März 2016 müssen sich zwei Männer vor der Kriminalkammer verantworten, David A. zusammen mit den mutmaßlichen Tätern Hugo F. und Joaquim D.S.F.. Der Prozess wurde am Donnerstag mit den Plädoyers fortgesetzt.

Verteidiger Sébastien Lanoue hatte bereits am Mittwoch Freispruch für den Angeklagten Hugo F. (36) beantragt. In seinem Plädoyer erklärte er, dass er zu viele Zweifel an der Tatbeteiligung von F. habe. Sollte das Gericht an eine Strafe denken, sollte diese durch eine freiwillige, gemeinnützige Arbeit ersetzt werden, sagte Maître Lanoue.

Gestern beantragte auch der Verteidiger Philippe Stroesser erwartungsgemäß Freispruch für seinen Mandanten David A. (31). Im Strafverfahren gelte die Unschuldsvermutung. Bestehen Zweifel, so wirken sich diese zugunsten des Angeklagten aus; es gelte daher auch hier „Im Zweifel für den Angeklagten“, sagte Stroesser.

Laut Verteidiger seien keine wissenschaftlichen Beweise vorhanden, dass die Wunden der Opfer von einem kaputten Glas stammen würden. Warum am Tatort keine Glassplitter gefunden wurden, sei ein mögliches Indiz dafür, dass keine Flasche als Waffe im Spiel war. Auch sei A. ja provoziert worden. Im Weiteren führte der Verteidiger aus, dass es zwischen den Aussagen der Angeklagten und der Zeugen zahlreiche Widersprüche gegeben habe, einen Tötungsvorsatz stellte er komplett in Abrede. Der Verteidiger plädierte daher auf Körperverletzung und mildernde Umstände.

Das Plädoyer der Anklagevertreterin

Über den Tathergang waren sich mindestens acht Zeugen einig - und die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, die Täter gefasst zu haben. Gestanden hat der Haupttäter A. die Tat zwar nicht, aber für die Staatsanwaltschaft gibt es „keine vernünftigen Zweifel“ daran, dass er die kaputte Flasche als Waffe benutzt hatte, und das Opfer am Hals attackierte. Die Anklagevertreterin ist von der Glaubwürdigkeit aller im Zeugenstand vernommener Opfer überzeugt. So etwas lasse sich gar nicht derart schlüssig und plausibel erfinden, sagte die Anklagevertreterin. Außerdem hätten Zeugen, die den Vorfall miterlebt hatten, ihn der Polizei klar als Täter zeigen können. Die Staatsanwaltschaft wertete den Angriff als versuchten Totschlag. Es gebe nicht nur ein, sondern drei Opfer. Der Hauptangeklagte A., der strafrechtlich schwer vorbelastet ist, soll wegen versuchten Totschlags in einem besonders schweren Fall für 20 Jahre hinter Gitter. Für den Angeklagten G., der sich beim Opfer entschuldigt hatte, beantragte die Anklagevertreterin sechs Monate Haft wegen Körperverletzung.


Das Urteil ergeht am 8. Juni