LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Metal-Band „Heaven’s Scum“ besingt das Ende der Welt

Ben Reichling macht seit sechs Jahren mit seiner Band „Heaven’s Scum“ laute Metalmusik. Die Band sieht sich von Metalgrößen wie Metallica, Machine Head, Slipknot, System Of A Down, aber auch von Folkgott Johnny Cash beeinflusst. „Heaven’s Scum“, mit BigBen für Gesang und Bassgitarre, Olivier und Marc an den Gitarren und Schlagzeuger Lex, steht für tiefes Knurren und klare Stimme auf harten Riffs und einem so melodischen wie harten Schlagzeugspiel. Nach Auftritten in Luxemburg, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland und zwei Jahren Arbeit an neuen Songs veröffentlicht die vierköpfige Band am diesem Samstag ihr zweites Album. Woher die düstere Energie auf dem neuen Album kommt und warum die musikalischen Autodidakten nicht an Grenzen stoßen, erklärt Bassgitarrist und Sänger Ben Reichling.

Wie hört sich euer neues Album „Beyond Human Footsteps“ an?

Ben Reichling Es wird härter und lauter, die Lieder und auch die Texte sind aggressiver. Wir haben uns weiterentwickelt und machen uns mehr Gedanken als früher. Es ist zwar kein richtiges Konzeptalbum, aber es liegt die Idee zugrunde, von der Entstehung bis zum Untergang der Welt zu erzählen.

Gegen was ist die Platte aggressiver?

Ben Es gibt Liedtexte, welche die Religion nicht im besten Licht darstellen, der Song über das Ende der Welt ist ein Brief des letzten Menschen, der beschreibt, wie es zu dem Ende kam. Andere Texte drehen sich um einen König, der Menschen gequält hat, ein anderes um Kindesmisshandlung, Themen, die heute aktuell sind.

Woher kommt diese düstere Energie?

Ben Die kommt von überall her, aus schlechten Nachrichten zur Lage in der Welt, aus dem Fernsehen, oder aus Geschichten aus der Umgebung, wie etwa ein Pädophiler, von dem wir gehört haben.

Und euer erstes Album würdest nicht als so düster bezeichnen?

Ben Schon, aber das war nicht so konsequent. Auf der ersten Platte „It All Ends In Pain“ geht es um den Weg vom Leben bis zum Tod, wir sind mit anderen Musikprojekten noch nie so weit gekommen wie mit dieser Band. Und ich meine „Heaven’s Scum“, allein bei dem Bandnamen erwartet man schon etwas Aggressives.

Aggressiv und düster, setzt Metal thematisch und stilistisch enge Grenzen?

Ben Nein, er gibt viele Freiheiten und es gibt viele Unterteilungen. Für Leute, die kein Metal hören, klingt alles gleich. Aber für die Fans gibt es tausend Unterschiede, wir wollen uns zwischen verschiedenen Metalstilen bewegen, auf der dunkleren Schiene sind wir geblieben, weil uns das am besten liegt.

Zwischen welchen Stilen bewegt ihr euch?

Ben Wir machen eine Mischung aus Melodic, Progressive und Death-Metal, aber wir spielen auch variiert und sind offener für den Wandel zwischen den Stilgrenzen.

Wie sind die Reaktionen vom Publikum?

Ben Ganz gut, wir haben immer mal ein paar neue Songs gespielt und für die ganz neuen Lieder ein sehr positives Feedback bekommen. Aber die besten Songs haben wir für die Albumveröffentlichung aufbewahrt. Und wenn das Publikum schon die Songs, die nicht zu meinen absoluten Favoriten gehören, so gut findet, dann bin ich gespannt, was es zu den Liedern sagen wird, die ich für die besten halte.

Wer schreibt eigentlich bei euch?

Ben Anfangs hat Oli die ganze Musik geschrieben und ich die Texte. Beim zweiten Album war es eher so, dass einer die Idee hatte und wir die Musik dann zu viert entwickelt haben. Die meisten Songtexte haben ich und ein paar der Schlagzeuger Lex geschrieben.

Macht ihr Musik im Hauptberuf?

Ben Wir machen das nebenberuflich als Hobby, wenn es irgendwann anders laufen würde, wären wir nicht abgeneigt, aber wenn wir mit unserer Musik am Wochenende Spaß haben können, dann sind wir schon glücklich. Tagsüber arbeiten wir im Call Center, als Anstreicher, Bürokaufmann oder Zerspannungsmechaniker.

Habt Ihr eine musikalische Ausbildung?

Ben Nein, bei uns hat niemand Musikschule oder Konservatorium absolviert, alle haben sich die Musik von Grund auf selbst beigebracht.

Habt ihr das nicht das Gefühl, dass ihr an Grenzen stoßt?

Ben Im Gegenteil, wir entwickeln uns weiter. Wir haben jetzt Songs, von denen ich gedacht hätte, dass wir und auch ich das nie werden spielen können. Man wird besser wenn man sich etwas aufbürdet, wenn man etwas nicht kann, dann versucht man es immer weiter.


Das Album „Beyond Human Footsteps“ wird an diesem Samstag, 20.00, in der Kulturfabrik in Esch/Alzette vorgestellt. Der Eintritt ist gratis