DR. ALAIN SCHMIT

Nach einem sehr kritischen Gutachten des Staatsrats und heftigen Protesten aus der Ärzteschaft wurde das Krankenhausggesetz mit dem neuen Spitalplan im Parlamentsausschuss in wesentlichen Punkten abgeändert und geht nun wieder an den Staatsrat. Auch wenn die Krankenhausärzte die Änderungen begrüßen - ihr Mitspracherecht und die freie Wahl der Therapie bleiben nun doch weitgehend gewährleistet -, übt die Ärztevereinigung AMMD weitere Kritik an dem Gesetz und seiner Ausrichtung.

„Eine Ko-Verwaltung, in der die Ärzte, die in erster Linie die Verantwortung für den Patienten tragen, integraler Bestandteil sind, wäre der richtige Weg gewesen. Es gibt aber noch andere Punkte im Gesetz, wo die Chance vertan wurde, endlich ein funktionierendes Konzept umzusetzen. In der ambulanten Chirurgie zum Beispiel. Seit zehn Jahren reden wir davon, aber auch jetzt kommen wir nicht von der Logik einer Tageshospitalisierung mit all ihrer Schwerfälligkeit und dem Zeitverlust weg. Dabei brauchen wir ein kohärentes Konzept, das von A bis Z nach ambulanten Gesichtspunkten funktioniert: einen eigenen Parcours des Patienten mit kurzen Wegen, dafür reservierte OP-Säle und einen durchgehend organisierten Prozess in einem architektonisch auch dafür geeigneten Rahmen. Dafür hätte das Gesetz die Struktur mitsamt einer komplett durchorganisierten Nachversorgung vorgeben müssen. Das ist dann auch keine schlechtere Versorgung, wie oft behauptet, sondern viel sicherer für den Patienten, um den es letzlich geht.

Auch wenn die Krankenhäuser dann die Finanzmittel dafür gefordert hätten, so wäre es zeitgemäß und mit einem minimalen Zeitaufwand für den Patienten. Die Kosten wären um ein Vielfaches wieder hereingekommen. Denn von 60.000 bis 70.000 Eingriffen im Jahr könnten 30.000 bis 40.000 ambulant durchgeführt werden, der Durchlauf würde sich erhöhen und sogar wenn der Patient einen Tag länger in der ambulanten Struktur bleiben würde, wäre es kostensparend. Leider dringen wir nicht durch mit unserem Konzept. Es herrscht die Einstellung des ‚Das wird schon gehen, nur keine weiteren Kosten‘ - das können wir schlicht nicht nachvollziehen, denn die Belegung eines Akutbetts kostet 750 Euro pro Tag. 

Es werden auch weiterhin Langzeitbetten fehlen für Patienten in der Reha-Phase nach einem Unfall, einer Krebserkrankung, einem Schlag- oder Herzanfall beispielsweise. Diese Patienten belegen unnötig Akutbetten oder müssen ins Ausland geschickt werden. Wir hätten schon längst eine Bestandsaufnahme machen müssen, wieviel Reha-Betten und wieviel Akutbetten wir für unsere Versicherten brauchen. Auch hier fehlt ein Konzept. Das mag schwierig sein, aber man hätte es probieren können. Ein Konzept fehlt auch für die Kompetenzzentren, für die jetzt ein Netzwerk geschaffen werden soll, allerdings ohne eine Gouvernance-Struktur zur Umsetzung der Idee. Das nimmt zwar den Konkurrenzdruck heraus, aber die Frage, wie und was an einem Platz angeboten werden kann, ohne dass andere Haupt-Krankenhäuser ihre Substanz verlieren, die Grundversorgung nicht mehr gewährleisten können und für junge Ärzte unattraktiv werden, bleibt ungeklärt. Wir hätten uns eine neue öffentliche Einrichtung vorgestellt, in dem alle Krankenhäuser gleichwertig vertreten sind und zusammen definieren, wie man den Spagat hinbekommt: Spezialisierung ja, aber ohne die landesweite Basisversorgung kaputtzumachen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das vorgesehene Netzwerk so funktionieren wird - die Richtung stimmt einfach nicht.“