ESCH/ALZETTE
CHRISTIAN BLOCK

„Contact Esch“: Zweiter Drogenkonsumraum des Landes offiziell eingeweiht

Mehr als 20 Jahre nach den ersten Gesprächen über einen Drogenkonsumraum in Esch/Alzette wurde gestern der „Contact Esch“ offiziell eingeweiht. „Esch hilft“, meinte Bürgermeister Georges Mischo vor den zahlreich erschienenen Gästen, darunter auch einige Schöffen und Abgeordnete. Der CSV-„député-maire“ nannte dabei unter anderem die kürzlich eröffnete Einrichtung für Asylbewerber oder das Abrisud. Als zweitgrößte Stadt des Landes nehme sich Esch bereitwillig seiner Verantwortung an.

Sozialschöffin Mandy Ragni äußerte sich ähnlich. Brennpunkte habe es ohnehin schon in Esch gegeben, sagte die Grünen-Politikerin. Der „Contact Esch“ werde dabei helfen, die Problematik zu verringern.

Jean-Nico Pierre, der Direktor der „Fondation Jugend- an Drogenhëllef“, zeigte sich erleichtert, „dass es jetzt los geht“. Eingangs seiner kurzen Ansprache betonte er seine Ablehnung für den Begriff „Fixerstube“. Diese Bezeichnung entwerte die im „Contact Esch“ geleistete Arbeit. „Er gibt dem nicht die Bedeutung, die es hat“. Neben sechs Plätzen für den intravenösen Konsum und drei Plätzen zum Inhalieren verfügt das „Contact Esch“ über ein Kontaktcafé, einen Spritzentausch sowie eine Krankenstation und bietet auch Platz für Sozialarbeit. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es vor Ort keine. Der überwachte Drogenkonsumraum an sich wird voraussichtlich erst Anfang September genutzt werden. Im „Contact Esch“ arbeiten insgesamt 14 Mitarbeiter - Erzieher, Sozialarbeiter und Krankenpfleger. Mit der Stadt Esch gibt es darüber hinaus eine Konvention für Erzieher, die etwa aufpassen, dass nicht gedealt wird.

Mehr niederschwellige Angebote

Pierre erneuerte seine Forderung nach weiteren niederschwelligen Angeboten im Land. Mit dem „Contact Esch“ hat Luxemburg neben dem Abrigado in der Hauptstadt zwar jetzt einen zweiten Drogenkonsumraum. Doch „wir brauchen mehr“.

Die Stiftung, die seit nunmehr fast 30 Jahren Erfahrung in der Arbeit mit drogenabhängigen Menschen hat, fordert eine oder zwei weitere Einrichtungen in anderen Regionen des Landes, um die Hauptstadt zu entlasten.

Auch das Angebot an niederschwelligen Wohnungen müsse ausgebaut und die Sozialversicherung von Abhängigen gewährleistet sein.

Gesundheitsminister Etienne Schneider schloss sich dem Appell Pierres in Sachen Drogenkonsumräume an. Er würde sich wünschen, dass sich auch andere große Städte, die ähnliche Probleme kennen, einsichtig zeigen. Der LSAP-Minister ging bei dieser Gelegenheit auch auf den von der Regierung beabsichtigen Kurswechsel in der Drogenpolitik mit der geplanten Legalisierung des rekreativen Cannabis ein. Schneider räumte ein, dass man mit diesem Vorhaben gegen UN-Konventionen verstoßen werde.

Das „nächste große Problem“ werde daher der Staatsrat sein, zu dessen Aufgaben es gehört, die Kompatibilität von Gesetzesvorhaben zu internationalem Recht zu überprüfen. Die Gespräche unter anderem mit den UN-Behörden laufen.

Ähnlich wie in der Hauptstadt sind auch in Esch/Alzette, wenngleich hier im Zweimonatsrhythmus, Treffen mit allen betroffenen Akteuren im Drogenbereich, wie die Gemeinde oder Polizei geplant.

Das sei hilfreich, um unkompliziert „schnelle Lösungen“ zu finden, so Pierre.