LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Richter stimmen Antrag auf psychiatrische Untersuchung zu

Ein 58-jähriger Mann aus Montenegro, Jamek M., wird beschuldigt, seine Frau getötet zu haben. Am gestrigen zweiten Tag des Prozesses um die Tat in der Escher Altstadt kamen weitere Zeugen zu Wort. Der Angeklagte selbst will sich an nichts erinnern.

Am 7. Januar 2015 soll der Mann seine Ehefrau in ihrem Auto mit vier Kopfschüssen getötet haben. Das Auto stand im Hinterhof ihrer Wohnung. Das Opfer saß im Wagen, als der Mörder ihr das Leben nahm. Die erste Kugel durchschlug zuerst die Schulter der Frau und dann das Fensterglas. Wahrscheinlich war die Frau noch am Leben, als sie die ersten Schüsse abbekommen hatte. Die zweite Kugel hatte den Oberarmknochen zersplittert. Vier Kugeln wurden im Kopf der Frau gefunden. Der Täter hätte noch mehr Kugeln abgefeuert, doch offenbar funktionierte seine Pistole nicht richtig. Am Tatort wurden noch acht nicht abgefeuerte Patronen gefunden. Im Vorfeld der Tat soll es aber bereits handfeste Drohungen gegen die Frau gegeben haben. Für die Staatsanwaltschaft liegt aber doch das Merkmal der Heimtücke vor, weil der mutmaßliche Täter ohne Vorwarnung auf seine Frau geschossen haben soll.

Der spektakuläre Mordfall war Anfang Januar 2015 bekannt geworden und löste landesweit Entsetzen aus.

Eine 85-jährige Rentnerin aus der Escher Altstadt hatte ihre Aussagen bei der Polizei bereits einige Stunden nach Bekanntwerden des Tötungsdelikts gemacht. Die Zeugin hatte zuerst einen Schuss gehört. Die weiteren Aussagen lassen darauf schließen, dass sie den Täter von ihrem Fenster aus gesehen hatte, als dieser aus dem Garagenhof trat. Sie kannte ihn, weil sie dem Sohn des mutmaßlichen Mörders die Garage vermietet hatte.

Der Prozess wurde gestern zunächst auf ein unbestimmtes Datum ausgesetzt. Die Verteidigung hatte ein neues psychiatrisches Gutachten beantragt. Diesem Antrag stimmte die Kriminalkammer zu.

Urteil im Prozess um den Tod eines Obdachlosen unbefristet aufgeschoben

Am 28. März 2014 wurde ein Obdachloser in der Nähe des Findel Opfer einer tödlichen Gewalttat. Ein 32-jähriger Litauer soll die Tat begangen haben. Der Mann bestritt die Vorwürfe.

Gestern wurde das Urteil unbefristet aufgeschoben, weil eine neue Sachlage im Fall vorliegen soll. Der 42-jährige Jean-Claude B. war auf dem Weg ins Obdachlosenheim dermaßen verprügelt worden, dass er ins Koma fiel. Am 7. April 2014 starb der Mann an einer Gehirnblutung. Im Prozess galt die zentrale Frage: War die Todesursache ein Schlag auf den Kopf ? Zwei Rechtsmediziner sollten diese Frage klären. Aber auch sie konnten keine eindeutige Antwort geben. Der Verteidiger führte deshalb aus, dass nach den medizinischen Gutachtern nicht hinreichend klar sei, ob ein Schlag auf den Kopf die Todesursache für B. war. Auch die DNA-Analysen brachten nicht den erhofften Durchbruch.

Der Angeklagte sollte auf Wunsch der Staatsanwaltschaft vom Tatvorwurf Mord und schwere Körperverletzung freigesprochen werden. „In dubio pro reo“, im Zweifel für den Angeklagten. Die Anklagevertreterin hatte jedoch eine vierjährige Freiheitsstrafe wegen Unterlassung der Nothilfe beantragt.