LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

ArcelorMittal probiert viel aus, um CO2 zu sparen

Der weltgrößte Stahlproduzent ArcelorMittal will nicht nur CO2-Emmissionsabgaben für chinesische Konkurrenten, sondern hat den jährlichen Medien-Stahltag am Dienstag in Paris auch genutzt, um eigene Anstrengungen vorzustellen. Dazu gehört ein Pilotprojekt im belgischen Gent, das Carl de Mare, „Vice President, Group CIO“ und „Head of Technology and Strategy“, vorstellte. Es wird im Übrigen mit anderen Technologien kombiniert. Ziel ist es zu zeigen, dass Restgas auf natürlichem Wege für die chemische Industrie genutzt werden kann.

Laut ihm plant ArcelorMittal, bis zum Jahr 2020 ein Projekt zur Produktion von jährlich 64.000 Millionen Tonnen Ethanol aus Gichtgas umzusetzen, nachdem die Produktion aufgrund von Zertifizierungsproblemen verzögert werden musste. Das Projekt wird Mikroben verwenden, die sich von Kohlenmonoxid ernähren, um Ethanol aus jenen Gasemissionen zu erzeugen, die aus Hochöfen stammen. Das Projekt wird gemeinsam mit Lanzatech durchgeführt. Zurzeit umfasst der Pilot nur wenige Kubikmeter. Aber der Strategieverantwortliche geht davon aus, dass viel mehr möglich ist.

„Für mich ist das ein umwerfendes Projekt“, unterstrich er. „Die Ersparnis im Hinblick auf CO2 entspricht dem Ausstoß von 100.000 E-Autos, 600 transatlantischen Flügen oder 120 Windkraftanlagen.“ De Mare betonte, es sei ein natürlicher Prozess; das Ethanol sei als Treibstoff oder zur Plastikherstellung nutzbar. Flüssiges Kohlendioxid könne in der Zementherstellung verwendet werden.

Foto: Editpress - Lëtzebuerger Journal
Foto: Editpress

Weitere Schritte geplant

Das Projekt, das ursprünglich 2015 angekündigt wurde, hat sich um mehr als zwei Jahre verzögert, weil der Stahlproduzent erst im Februar 2017 die Zertifizierung durch die Europäische Union im Jahr 2016 erhalten konnte, sagte de Mare. Er hob auch hervor, dass die Verzögerung es dem Stahlriesen ermöglicht habe, die Produktionskapazität des Projekts zu erhöhen. Die Investitionskosten belaufen sich auf 120 Millionen Euro.

In einem zweiten Schritt soll im französischen Dunkerque durch das Projekt „Igar“ CO2 eingespart werden, indem CO2 via Trocknung im Hochofen recycelt wird. An dem Projekt wird seit fünf Jahren gearbeitet. Es kostet laut de Mare rund 20 Millionen Euro und beruht darauf, dass CO2 mit Koksgas und Naturgas vermischt wird.

Darüber hinaus gibt es noch ein drittes Projekt in Gent. Es sieht die Verwendung von Restholz vor, das in „Biokohle“ umgewandelt und dann im Hochofen verbrannt wird. Das Projekt unter dem Namen „Torero“ ist mit 40 Millionen Euro Investitionen veranschlagt. Geplant ist, 120.000 Tonnen „Biokohle“ aus Rest- oder Altholz als Ersatz für normale Kohle im Hochofen zu nutzen. Start war in diesem Jahr, ab 2020 soll die Produktion laufen. „Insgesamt fließen 250 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung sowie in die verschiedenen Pilotprojekte“, unterstrich de Mare.