LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Premier- und Digitalminister Xavier Bettel zur künstlichen Intelligenz

Luxemburg und die digitale Welt: Das ist eine enge Beziehung. So könnte man die Aussagen von Repräsentanten wie Premier- und Digitalminister Xavier Bettel oder dem Handelskammer-Generaldirektor Carlo Thelen auf der diesjährigen ICT Spring zusammenfassen. Und das ist ein wichtiger Schritt in Richtung künstliche Intelligenz. Bettel betonte: „Luxemburg ist eine smart nation“, wobei er natürlich auch auf Entwicklungen wie smart meter - also die Vernetzung von Strom- und Gasnetzen und -zählern anspielte, ebenso wie auf die hier vorhandenen Kompetenzen. „Ich bin sicher, dass Digitales keine Bedrohung, sondern eine echte Change ist. Daher unterstützt die Regierung Projekte, die das zugänglich machen“, unterstrich der Premierminister. Lächelnd fügte er hinzu: „Als Digitalminister ist es praktisch, dass ich auch Premierminister bin, this makes things happen.“ Luxemburg habe Inkubatoren, sei unter den globalen FinTech-Leadern und biete jedem Bürger die Möglichkeit, digitale Fähigkeiten zu erlernen. 90 Prozent der Bevölkerung hätten Zugang zu Breitband und bald käme 5G.

Kritische Worte fand er für fehlende EU-weite Regeln. Bislang müsse jedes Start-up sich noch mit 28 Regulationsbehörden und Gesetzestexten auseinander setzen, was teuer und aufwendig sei. „Wir haben mit über 500 Millionen Konsumenten große Märkte in Europa. Wenn wir es nicht schaffen, uns anders aufzustellen, werden wir als Europa zwischen den USA und Asien zerquetscht“, warnte er. Mit Blick auf künstliche Intelligenz forderte er, diese müsse in der Anwendung ethisch, menschlich und verantwortlich sein.

Am Freitag wird die Regierung - vertreten durch den Premierminister sowie Vizepremier Etienne Schneider und Forschungs-Generaldirektor Mario Grotz - ihre neue Strategie in Sachen Künstliche Intelligenz vorstellen. Der Schwerpunkt liegt auf spezifischen Sektoren wie Industrie 4.0, Logistik, Umwelttechnologien, Gesundheitstechnologien, Raumfahrtindustrie und Finanzdienstleistungen. Die Informations- und Kommunikationstechnologien gelten der Regierung als treibende Kraft für die Entwicklung all dieser Bereiche. Denn alle würden Daten in großen Mengen analysieren, insbesondere dank künstlicher Intelligenz, und so ihre Geschäftsmodelle revolutionieren. Das Wirtschaftsministerium hat daher eine „datengesteuerte Innovationsstrategie für die Entwicklung einer vertrauenswürdigen und nachhaltigen Wirtschaft in Luxemburg“ ausgearbeitet, die Teil der europäischen Digitalpolitik ist und für jeden der oben genannten Wirtschaftsbereiche eine Vision für Luxemburg und die durchzuführenden Maßnahmen festlegt. In diesem Kontext und im Hinblick auf den digitalen Wandel der Gesellschaft hat Bettel einen interministeriellen Konsultationsprozess eingeleitet, um eine strategische Vision für künstliche Intelligenz in Luxemburg zu definieren, deren Ergebnis am Freitag vorgestellt werden soll.

„Großartiger Platz für ICT“

In jedem Fall ist Luxemburg schon heute ein „großartiger Platz für ICT“. Davon zeigte sich Handelskammer-Generaldirektor Carlo Thelen gestern auf der ICT Spring überzeugt. Er nannte Skype, Amazon, Paypal und vielleicht bald Google als Unternehmen, die aus gutem Grund alles hier seien. Darüber hinaus könne Luxemburg mit der gemeinsamen europäischen Initiative „ European High-Perfomance Computing Joint Undertaking“ (EuroHPC JU) punkten, die seit November 2018 in Luxemburg angesiedelt ist und gemeinsam die Anstrengungen der Länder in diesem Bereich einen soll. Außerdem erinnerte Thelen daran, dass Luxemburg Daten aus Litauen und bald auch Monaco sichert, ein wichtiges Zentrum für Gamer ist und mit dem „House of FinTech“ punktet. „Wir begrüßen als Handelskammer den Kurs der Regierung“, sagte er. Er verwies auf die Initiative „Go Digital“, die nun ein Jahr alt wird, Luxembourg Data Protection Days, „Digital Skills-Training“ im „House of Start-ups“ und das Bestreben, ein eigenes „Silicon Valley“ in Luxemburg aufzubauen, indem Start-ups mit Unternehmen und Investoren vernetzt werden würden und Mentoren ihnen zur Seite stünden. Zwar besetzte Luxemburg im europäischen „Digital Economy and Society Index“ (DESI) den fünften Platz. „Aber es gibt noch Raum für Verbesserungen“, mahnte Thelen an und nannte Webseiten von Hotels. Hier seien nur zehn Prozent der Luxemburger Hotels mit einer aktuellen Webseite vertreten.

Global Venture Summit kommt

Am 21./22. November Premiere in Luxemburg

Der „Global Venture Summit“ (GVS) kommt erstmals nach Luxemburg und soll hier bis 2022 jährlich stattfinden. Der in den USA etablierte Event zielt darauf ab, erfahrene Venture Capital Unternehmen aus dem Silicon Valley das europäische Start-up-Umfeld mit besonderem Fokus auf Luxemburg zu präsentieren. Der Termin soll über zwei Milliarden Dollar an Kapital für das Luxemburger Start-up-Umfeld sichern.
Ein entsprechendes Abkommen hatten die Foundation „Luxembourg House of FinTech“ und das im Silicon Valley ansässige Venture Capital-Unternehmen Parkpine Capital in San Francisco in Anwesenheit des luxemburgischen Finanzministers Pierre Gramegna unterzeichnet. Der Event findet am 21. und 22. November statt, wie das „Journal“ erfuhr. Es ist das erste Mal, dass der GVS in Europa stattfindet. Die Veranstalter erwarten rund 100 VC-Unternehmen aus den USA nach Luxemburg bringen. Darunter sind große US-Fonds wie Kleiner Perkins, Draper Nexus, Prtizker Group, Microsoft Ventures oder HTC Ventures.
Der GVS soll über 150 Aussteller vereinen und einen Pitch für Ihren Start-up-Wettbewerb organisieren, der über 50.000 Dollar an Pitch-Battle-Preisen für die Gewinnerteams bietet.