STRASSBURG/LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Der neue City-SUV Skoda-Kamiq ist der weniger vernunftbetonte ‚Bruder“ des Skoda-Scala

Das Segment der SUV (Sport Utility Vehicle) ist das am schnellsten wachsende im gesamten Automobilsektor, auch bei den eher kleinen Modellen. Die kompakten Hochbeiner verstehen sich als City-SUV und die haben im letzten Jahr ihren Marktanteil um 13 Prozent gesteigert. Das war die erste Zahl, die uns der freundliche PR-Manager von Skoda bei der Fahrvorstellung des neuen „Skoda Kamiq“ in Mulhouse nannte. Das neue Modell basiert auf dem Skoda Skala, den wir vor einigen Wochen für mehrere Tage als Testwagen fahren durften. Dieser wiederum baut auf der Polo-Plattform des Mutterkonzerns VW auf. Zu Beginn der Woche konnten wir erste Eindrücke von verschiedenen Motorisierungen des neuen „Skoda Kamiq“ zwischen dem Euro-Airport Basel-Mühlhausen und Straßburg gewinnen. Gerade die Bergetappen über die Vogesen bis hinauf auf 1.200 Metern zeigten, was geht.

Trotz SUV: Nur Zweiradantrieb

Mit einem „Irrtum“ müssen wir aber gleich aufräumen, SUV bedeutet im Falle des Kamiq keineswegs Allradantrieb. Der Skoda-Mann meinte entschuldigend, es sei eben ein City-SUV. Was konkret heißt dass die Bodenfreiheit 39 Millimeter höher ist als beim Scala, damit liegt sie bei 182 Millimeter und auch die Sitzposition steiler. Außerdem kann man den Kamiq auf Wunsch auch mit 18 Zoll-Rädern ausstatten, was ihn endgültig von seinem braven Bruder Scala abhebt. Ebenso wie der gibt es Kamiq nur in einer Karosserievariant - als fünftüriger Allrounder.

An dieser Stelle schreiben wir - fast - dasselbe wie vor fünf Wochen: „Wobei sich der Kamiq an den typischen Skoda-Stil hält: Wie bei vielen Markenbrüdern vermittelt der Innenraum des Scala dank einer optimalen Raumausnutzung die Anmutung einer höheren Fahrzeugklasse. Kurz und knapp formuliert: Auch wer hinten sitzt, hat die Knie nicht auf den Ohren. Kein Wunder, der Radstand überragt den des Golfs um drei Zentimeter - trotz „kleiner“ Polo-Plattform. Ein Übriges tut der Kofferraum mit über 400 Litern Fassungsvermögen (mit umgelegter Rücksitzbank wächst er auf knapp 1.400 Liter). Den wichtigsten Beitrag zum Gefühl in einem hochwertigeren Auto zu sitzen liefert, neben dem Raum, die Anmutung der Innenausstattung und die neue Zusammenstellung der Instrumentierung.“

Topausstattung

Obwohl nur ein „kleiner SUV“, spendiert Skoda eine Ambiente-Beleuchtung für den Innenraum und betont, dass der Kamiq mit einem Radstand von 2,65 Metern der längste unter den City-SUVs ist, hinzu kommt eine für die Klasse ungewöhnliche Breite von 1,79 Metern. Darüber hinaus verfügt der Kamiq über zahlreiche Assistenz, - Connectivity- und Komfortfeatures, die ansonsten für diese Fahrzeugklasse unüblich sind.

Die Motorisierung des Kamiq startet mit einem Einliter-Dreizylinder Benziner mit 95 PS, die stärkste Variante ist ein 1,5 Liter Benziner (Vierzylinder) mit 150 PS.

Konträre Motoren

Praktisch ‚erfahren‘ konnten wir zunächst den 1.6 TDI mit 115 PS und einem 7-Gang DSG-Getriebe (Automatik mit Doppelkupplung und möglicher manueller Bedienung via Schaltwippen am Lenkrad). Der Motor zeigt ein wenig Schwäche unter 2.000 bis 2.500 Touren, zieht dann aber gewaltig durch, was zügiges Überholen selbst am Berg ganz leicht macht. Für einen klassischen Automatikfahrer wie den Autor ist die Zusammenarbeit zwischen Motor und Getriebe nicht ideal. Für den Kollegen, der den Kamiq 1.6 TDI fleißig mit den Paddeln am Lenkrad schaltete, stellte sich die Motorisierung ganz anders, nämlich deutlich positiver dar. Hingegen ist die Kombination aus DSG-Automatik und dem 1.0 Liter TSI-Benziner mit ebenfalls 115 PS deutlich harmonischer, obwohl es sich nur um einen Dreizylinder handelt. Für den Betrieb als City-SUV ist der der bessere, weil ausgeglichenere Motor. Die Harmonie erkauft man sich aber mit einem höheren Verbrauch als beim Diesel.

Fazit: Der Kamiq ist de jure kaum unvernünftiger als der nüchterne Skala, aber im Gegensatz zum Plattformbruder gibt er sich deutlich spielerischer und weniger vernunftbetont. Mehr Lifestyle als automobile Nüchternheit.

www.skoda.lu