LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Julie Schadeck arbeitet als Tanz- und Bewegungstherapeutin in Chicago -

Julie Schadeck ist zu Besuch in Luxemburg. Vor einem Jahr hat die 28-Jährige in Chicago ihren Master in Tanz- und Bewegungstherapie erfolgreich abgeschlossen. Jetzt besucht sie ihre Familie, bevor es zurück in die USA geht. Für das „Journal“ hat sie sich die Zeit genommen, über ein Hilfsprojekt für burmesische Flüchtlingskinder im Norden Thailands zu sprechen, welches sie zusammen mit einer Gruppe junger Luxemburger leitet.

Julie, wie kommst Du zu einem Ehrenamt für ein Hilfsprojekt in Thailand, obwohl Du in den USA bist?

Julie Schadeck Das hat mit meiner Familie zu tun. 2009 war mein Bruder Felix während eines Schulaustausches in Kanada sehr beeindruckt von dem Benevolat dort. Auch seine Französischlehrerin am Athenäum, Marie-Paule Georges, hat ihn und seinen Freund Fabian Delvigne mit ihren Aktionen für Südafrika beeinflusst. Sie wollten etwas Eigenes starten und haben 2010 eine Vereinigung ohne Gewinnzweck (Asbl) gemeinsam mit einigen Freunden gegründet. In Erinnerung an ihre kurz zuvor verstorbene Lehrerin haben sie ihre Asbl „MPG Responsibility Now“ genannt. Im gleichen Jahr verbrachte Felix mit unserem Vater vier Wochen in einem buddhistischen Kloster in Thailand. Vor Ort hörten sie von den Problemen der „Day Light School“, einer Schule für Kinder burmesischer Flüchtlinge, und beschlossen zu helfen. Das war ihr erstes Projekt. Felix hat weitere Freunde überzeugt mitzumachen - und mich auch. Jetzt sind wir zu sechst. Und obwohl Felix, Fabian, Nicolas Theis, Hugo Krier, Manou Goergen und ich alle an ganz unterschiedlichen Orten studiert haben und nun leben, klappt das Ganze. Wir haben alle unterschiedliche Aufgaben. Ich kümmere mich hauptsächlich um die Kommunikation, das heißt Facebook, Website, Blog, und so weiter.

Wie hat sich die Schule entwickelt?

JULIe Die „Day Light School“ musste 2012 schließen. Deshalb haben wir 2013 die „Somwang School“ im Norden Thailands an der Grenze zu Burma (Myanmar) gegründet. Im ersten Jahr der „Somwang School“ gab es 2013 insgesamt 29 Kinder, zwei Lehrer und zwei Klassensäle. Jetzt, nach fast fünf Jahren, haben wir 75 Kinder in vier Klassen mit vier Lehrern. Die meisten unserer Schüler gehören der Minderheit der Shan an, die seit Jahren in ihrem Heimatland verfolgt und vertrieben werden, und in den Bergen Thailands Zuflucht suchen. Wir sind immer in Verbindung mit unseren Kontakten vor Ort, um zu sehen, was gebraucht wird. Außerdem probieren wir auch, neue Projekte zu finden.

Was kostet das und wie finanziert ihr das?

JULIe Wir brauchen etwa 2.200 Euro pro Monat, um den Schulbetrieb selbst zu erhalten - das sind ungefähr 30 Euro pro Kind. Über die Zeit konnten wir private Sponsoren begeistern, die regelmäßig Geld spenden, zum Beispiel mit einer monatlichen Überweisung von 30 oder 60 Euro. Wir arbeiten aber auch sehr viel mit Service Clubs wie Rotary, Rotaract, Table Ronde und anderen. Darüber hinaus sind wir selbst aktiv und organisieren regelmäßig Aktionen zu Weihnachten und auf Straßenmärkten, um zusätzlich Geld zu sammeln.

Welche Reaktionen habt ihr auf Facebook?

JULIe Wir haben immer mehr Follower, und ab und zu fragen Leute, ob sie helfen können. Wir haben auch öfter Anfragen von Leuten, die als freiwillige Helfer vor Ort mit aktiv werden wollen. Dies ist jedoch schwer, weil die Kinder bei der Ankunft nur Shan sprechen, und erst in der Schule Thai und Englisch lernen. Von daher ist eine Verständigung sehr schwierig.

Was macht Dir nach so vielen Jahren noch Spaß?

JULIe Ganz klar die Kinder, die begeistern mich immer wieder. Ihre Anerkennung, sowie auch die der Eltern. Vor einigen Monaten hat zum Beispiel ein 15-Jähriger, der vier Jahre bei uns auf der Schule war, es auf die öffentliche Schule in Thailand geschafft. Seine Mutter weinte vor Erleichterung und Dankbarkeit. Sie selbst besuchte nie eine Schule, und hofft nun, dass ihrem Sohn somit ein ihr ähnliches Schicksal als Plantagenarbeiter erspart bleibt. Wir versuchen selbst, ein bis zwei Mal im Jahr hinzufahren und haben einfach soviel Freude daran, mit den Kindern zu spielen und zu lernen. Als ich das letzte Mal dort war, bin ich als Englischlehrerin eingesprungen und habe den Kindern durch ein Lied und einem dazugehörigen Tanz die englischen Namen verschiedener Körperteile beigebracht. Das hat allen Spaß gemacht. Ich denke, die Motivation ist es einfach, anderen eine Chance zu geben. Unser Leitmotiv ist, dass jedem Kind, wo immer es geboren ist und lebt, das Recht auf Bildung zusteht. Wir selbst hatten alle das Glück, in einem Land geboren zu sein, wo Bildung selbstverständlich ist und wir glauben, dass es unsere Pflicht ist, anderen, die dieses Glück nicht hatten, zu helfen. Man kann einfach etwas zurückgeben. Und erhält dadurch noch so viel mehr.

Wie zeigt sich das?

JULIe Der Sohn des Schulleiters, selbst auch ein Flüchtling, wollte 2013 auf die Universität nach Chiang Mai. Trotz allen Qualifikationen hatten seine Eltern jedoch nicht das nötige Geld, um die Gebühren zu bezahlen. Wir haben uns also bemüht, einen externen Sponsor zu finden, der ihm die drei Jahre finanziert hat. Obwohl ihm danach jegliche Türen offen standen mit seinem Diplom in Informatik, hat er sich bei uns als Lehrer beworben. Auch er wollte etwas zurückgeben. Von der thailändischen Armee erhielt er PC’s und hat diese alle eigenhändig mit Solarzellen verbunden. Dadurch können wir die Kinder jetzt noch besser schulen und auf eine bessere Zukunft vorbereiten. Da unsere Schule beständig wächst, sind wir immer auf der Suche nach neuen Sponsoren. Einige unserer Sponsoren haben selbst die Schule besucht, die Kinder kennengelernt, und haben somit in den Augen dieser Kinder den Dank für ihre Mithilfe gefunden.


Somwang Schule

www.mpgresponsibilitynow.com

www.facebook.com/MpgResponsibiltyNow


Spenden an: BGL BNP PARIBAS | IBAN LU24 0030 8753 3743

0000 | BIC Code: BGLLLULL oder

POST CCP | IBAN LU90 1111 7023 6989 0000