LUXEMBURG
KEVIN SCHOOS

Ein europäischer Sender soll in Zukunft dafür sorgen, dass die Bürger besser über das politische Vorgehen der Union informiert sind. Kevin Schoos, Kassenwart der „Jonk Demokraten“, erläutert uns, wie dies aussehen könnte und worin der Mehrwert bestehen könnte.

„In einigen europäischen Ländern, beispielsweise in der Bundesrepublik Deutschland, bestehen Netzwerke öffentlich-rechtlicher Rundfunksender. Gerade Deutschland ist ein prominentes Beispiel für die enorme mediale Vielfalt, die durch die Koexistenz privater und öffentlich-rechtlicher Fernseh- und Radiostationen entstehen kann. Der Auftrag dieser Sender ist verfassungsrechtlich definiert und besteht im Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung. Zwar strahlen besagte Sender auch Unterhaltungsprogramme aus, doch besteht ihr größter Mehrwert für die deutsche Demokratie in der ausführlichen und unabhängigen Berichterstattung über die politische und wirtschaftliche Aktualität sowie im Sichtbar- und Zugänglichmachen gesellschaftlicher Zusammenhänge durch die Reduzierung sozialer Komplexität.

Die Europäische Union verfügt über unterschiedliche Kanäle, um die europäischen Bürgerinnen und Bürger über politische Prozesse und Entscheidungen zu informieren. Doch auch wenn soziale Medien und das Internet heute vermehrt als partizipative Plattformen dienen, auf denen Informationen produziert und ausgetauscht werden, gilt das Fernsehen weiterhin als Leitmedium. Über einen eigenen Fernsehsender verfügt die Union bisweilen leider nicht. Dabei wäre die Schaffung eines europäischen Fernsehsenders sinnvoll.

Vielen europäischen Bürgerinnen und Bürgern fällt es schwer, Entscheidungen, die auf europäischer Ebene getroffen werden, mitzuverfolgen und zu verstehen. Einerseits werden europäische Themen nicht ausreichend von der nationalen Medienberichterstattung abgedeckt. Andererseits werden die großen politischen Debatten über Europathemen, die sowohl im Europäischen Parlament als auch in den Mitgliedstaaten der Union stattfinden, bislang kaum abgedeckt. Nationale Themen und Interessen dominieren weiterhin die Berichterstattung und die Europäische Union hat bislang nur wenige Möglichkeiten, sich in einem medialen Umfeld zu behaupten, das zunehmend von Privatisierung und Konkurrenzkampf geprägt wird.

Die Jungen Demokraten, allen voran ihr Kandidat für die Europawahlen, Loris Meyer, fordern aus diesem Grund in ihrem kürzlich erschienenen Wahlprogramm die Einführung eines Europäischen Fernsehsenders, dessen Hauptauftrag darin bestände, allen Europäern die Versorgung mit Informationen und Nachrichten zum europäischen Geschehen zu gewährleisten. Nicht nur wären die Bürgerinnen und Bürger so vor sich mehrenden Desinformationskampagnen, die sowohl von außer- wie auch von innerhalb der EU kommen, gewappnet. Europäische Wahlkämpfe würden endlich angemessen medial thematisiert und durch die Beteiligung aller Europäerinnen und Europäer demokratisiert.

Auch sollte ein europäischer Fernsehsender einer europäischen Kultur und den Kulturen Europas als Plattform dienen, die auch Minderheiten sichtbar macht und Vorurteile abzubauen vermag. Wichtig ist hierbei natürlich die Berücksichtigung der sprachlichen Gegebenheiten in den Mitgliedstaaten, sodass die unterschiedlichen Produktionen eines europäischen Fernsehsenders in alle Amtssprachen der Europäischen Union übersetzt werden müssten. Wenn die Übersetzung der Produktionen zusätzlich transkribiert und in Form von Untertiteln eingeblendet würde, könnten auch Gehörlose von einem solchen Fernsehsender profitieren. So würde es sich wirklich um einen Fernsehsender für alle europäischen Bürgerinnen und Bürger handeln und zu einer europäischen Identitätsstiftung beitragen, die wir so dringend brauchen.“