WASHINGTON/LUXEMBURG
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Wirtschaft wächst moderat und uneinheitlich - Pierre Gramegna bei IWF-Frühjahrstagung

Das Wachstum ist moderat und steht noch auf wackligen Beinen. Das ist die Kernbotschaft des Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs aus 188 Ländern, darunter Luxemburg, beim Frühjahrstreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington.

Die Liste der Konjunktur-Gefahren ist lang - und Griechenland steht weit oben. Daneben gelten die unterschiedliche Geldpolitik in Europa und den USA sowie die niedrige Inflation in entwickelten Volkswirtschaften gelten als stärkste Risiken für die globale Konjunktur.

„Die weltwirtschaftliche Erholung geht weiter, obwohl das Wachstum mit uneinheitlichen Aussichten moderat bleibt“, erklärte der IWF-Lenkungsausschuss (IMFC) am Samstag im Abschlusspapier der Tagung, die Donnerstag begonnen hatte. Große Schwankungen der Wechselkurse und Rohstoffpreise, hohe Schulden vieler Staaten und geopolitische Spannungen machten „Wachsamkeit“ notwendig.

„Für die Eurozone ist der Akzent auf die Notwendigkeit gelegt worden, die Investitionen zu fördern und die strukturellen Reformen zu verwirklichen“, teilt das Finanzministerium zur Tagung mit. Die Stimmung in Bezug auf Griechenland sei deutlich düsterer als beim letzten internationalen Treffen, zitiert die Deutsche Presseagentur den britischen Finanzminister George Osborne. Er warnte vor einer „gefährlichen Situation“ für Europa.

Sein US-Kollege Lew sagte: „Sollte keine Vereinbarung getroffen werden, würde das Griechenland unmittelbar in eine Notlage bringen und Unsicherheit in Europa und der Weltwirtschaft auslösen.“

Die Finanzminister und Notenbankchefs sehen zwar die unterschiedliche Geldpolitik in Europa und den USA als notwendig an, mahnen aber zu Vorsicht. Während die Europäische Zentralbank (EZB) in den kommenden Jahren den Markt mit billigem Geld flutet, steht die US-Notenbank vor einer Umkehrung ihrer bisherigen Politik und vor einer Zinserhöhungen. EZB-Präsident Mario Draghi verteidigte die Flutung der Märkte mit billigem Geld erneut. Die Maßnahmen hätten dazu beigetragen, die Konjunktur in der Eurozone zu beleben. Da das Bankensystem heute gesünder sei, komme das billige Geld besser bei Unternehmen und Verbrauchern an. Auch die Inflation werde anziehen und 2017 bei 0,8 Prozent liegen. Die EZB hatte im Januar ein mehr als eine Billion Euro schweres Programm zum Kauf von Staatsanleihen gestartet. Zudem liegt der Leitzins auf einem Rekordtief von 0,05 Prozent.

Gramegnas Gesprächs-Marathon

Luxemburgs Finanzminister Pierre Gramegna hatte in der US-Hauptstadt auch an einer vom IWF organisierten Seminar zu „Islamic Finance“ teilgenommen und erklärt dazu: „Unsere entsprechenden Anstrengungen, die durch die Ausgabe unseres staatlichen Sukuk 2014 illustriert sind, tragen ihre Früchte.“

Daneben nahm Gramegna auch an einer ministeriellen Unterredung über die Finanzierung von Maßnahmen gegen die Klimaänderung teil. Im Dezember 2015, wenn Luxemburg die Ratspräsidentschaft der EU innehaben wird, findet die Klimakonferenz „COP21“ in Paris statt, deren Ziel eine internationale Vereinbarung über den Klimaschutz ist, um die Erwärmung unter zwei Grad Celsius zu halten.

Am Rande der Versammlungen nutzte der Minister die Gelegenheit, sich unter anderem mit Ali Babacan, dem Vizeministerpräsidenten und Finanzminister der Türkei, zu treffen sowie mit Joaquim Levy und Eveline Widmer-Schlumpf, Finanzminister Brasiliens und der Schweiz. Beim Zusammentreffen mit seinem chinesischen Amtskollegen Lu Jiwei sei die Frage der Internationalisierung des Renminbi erörtert worden sowie die Durchführung der Einrichtung der chinesischen Entwicklungsbank für Asien (AIIB), deren Gründungsmitglied Luxemburg ist.