PATRICK WELTER

Geht doch! Trotz der Krakeeler à la Salvini, Gauland, Le Pen und Strache stehen zwei Drittel von weit über 400 Millionen EU-Bürger der europäischen Idee positiv gegenüber. Von wegen Europamüdigkeit und bevorstehendem Ende des europäischen Projektes.

Laut dem neuesten vom EP veröffentlichen Umfragen macht die „Schweigende Mehrheit“ jetzt den Mund auf und sieht die Sache ganz anders als die kreischenden EU-Skeptiker. Besonders erfreulich ist, dass die Idiotenquote in Luxemburg und Irland besonders gering ist. Nur sieben Prozent der Befragten wollen hierzulande aus der EU austreten.

In anderen Ländern ist es rund ein Viertel der Bevölkerung, das nichts von der EU hält. Vor allem da, wo die Rechtspopulisten eine politische Rolle spielen etwa in Italien oder Tschechien. Wobei das Wort „spielen“ gerade im italienischen Kontext mehrdeutig ist. Die Fünf-Sterne-Clowns und die Lega „spielen“ - im Sinne von Schauspiel - Regierung, Rollen mit denen sie glatt überfordert sind. Außerdem „spielen“ sie - im Sinne von Zocken - mit ihrem Haushalt und den Euro-Regeln. Das Dauerfeuer an falschen Anschuldigungen trägt Früchte. Für Typen wie Salvini sitzt in Brüssel der Anti-Christ persönlich - zu viel der Ehre für JCJ. Aber man glaubt dem Lega-Minister offenbar, denn weniger als die Hälfte der Italiener und Tschechen würden für einen Verbleib in der Union stimmen.

Rechtsgewirkte Regierungen zu haben, reicht nicht aus, um anti-europäisch zu sein. In Polen würden drei Viertel aller Bürger im Falle eines Falles pro EU stimmen - das Ergebnis dürfte der katholisch-reaktionären PIS schwer im Magen liegen, ist doch ausgerechnet Ratspräsident Donald Tusk aus Danzig ihr Lieblingsfeind. Dann Ungarn: Auf der einen Seite Viktor Orban, auf der anderen Seite eine EU-Zustimmung von 60 Prozent. Da fragt man sich, wie das zusammengeht.

Völlig perplex ist man aber an anderer Stelle. Da Großbritannien offiziell als UK firmiert, kommt es immer an letzter Stelle. Überraschung: In der Spalte „You would vote to leave the EU“ steht eine bescheidene 35. Wenn Boris Johnson das liest, stürzt er sich in sein Gummi-Schwert. Die UK-Zustimmungsrate zur EU ist mit 53 nicht sonderlich hoch, aber auch in diesem Fall gilt „Mehrheit ist Mehrheit“. Kein Wunder, dass die Brexiteers eine zweite Abstimmung fürchten, wie Dracula das Tageslicht. Sie würden sich in Rauch und Asche auflösen.

Luxemburg, Deutschland, die Niederlande und Schweden haben mit 80 oder mehr Prozent Zustimmung die höchste Zahl an Pro-Europäern. Der europäische Durchschnitt liegt bei 66 Prozent. Gauland, Wilders und die Schwedendemokraten werden es gar nicht wissen wollen. Denn Sie vertreten doch die „kleinen Leute“ gegen die „globalisierte Klasse“ (dixit Gauland) - altlinke Theorien im braun gefleckten Gewand. Was für ein Unsinn.

Dieses Eurobarometer zeigt, dass man von Aberdeen bis Plovdiv und von Turku bis Sagres die Europäische Idee begriffen hat. Trotz der negativen Ausreißer Prag und Rom. Der Normalbürger weiß, was europäischer Zusammenhalt und vor allem europäischer Friede bedeuten. Die Schotten hatte diese Erkenntnis schon vor dem Brexit-Referendum, aber leider hat es ihnen nichts genutzt.