ESCH-BELVAL
PATRICK WELTER

Esch2022: Startschuss für die Ausschreibung von Projekten Dritter

Oben die Hochöfen, unten die Kultur. Was wie Gesellschaftskritik klingt, beschreibt aber nur den Ort in Esch-Belval, an dem gestern ein besonders wichtiger Abschnitt auf dem Weg zur Europäischen Kulturhauptstadt Esch 2022 eingeleitet wurde: Das Ausschreibungsverfahren für die Projekte, die sich am Kulturjahr 2022 beteiligen wollen wurde gestern eröffnet. Bis zum 31. Juli können Institutionen, Kommunen, Vereine & Verbände und Privatleute ihre Projektentwürfe für 2022 einreichen.

Vor allem drei Dinge sind dabei zu beachten: Die Projektidee muss online über die Webseite www.esch2022.lu eingereicht werden; der Trägerverein des Kulturjahres steuert 50 Prozent des nötigen Budgets bei, die zweite Hälfte muss selbst finanziert werden (Eigenmittel, Spenden, Sponsoring), und vor allem muss man in der Lage die eingereichte Idee mit eigenen Mitteln und eigener Manpower umzusetzen. Eine Idee vorzulegen und dann zu sagen „Macht mal!“ reicht nicht aus.

Reges Interesse der Kulturszene

Der moderne Konferenzsaal am Fuße der Hochöfen war gut gefüllt, der Rahmen einer Pressekonferenz wurde dabei weit gesprengt. Neben den Bürgermeistern des Südens waren es vor allem bekannte Gesichter aus der Kultur- und Vereinsszene, die unter den gut hundert Zuhörern zu sehen waren.

Für Eschs Bürgermeister Georges Mischo handelt es sich bei Esch2022 um ein „Superprojekt“ hinter dem Region - alle Südgemeinden sind dabei - und das ganze Land steht. Mit dem Ausschreibungsverfahren sei nun der Startschuss gefallen.

Für Kulturministerin Sam Tanson war die rege Teilnahme an der „kleinen Pressekonferenz“ ein deutliches Zeichen für die Lebendigkeit der luxemburgischen Kulturszene. Im Rahmen ihres Redebeitrags sprach sie sich - unter viel Beifall - für die Erhaltung der ehemaligen Gebläse-Halle aus, ein Gebäude das, laut Tanson, im Kulturjahr von großem Nutzen sein könne. 2022 müsse einen kontinuierlichen Kulturzuwachs bringen, wie es auch die beiden früheren Kulturjahre (2007/1995)getan haben.

Europäische Ideen

Das Prozedere des Ausschreibungsverfahrens, das unter der Generalüberschrift „Remix!“ steht, wurde von der Generaldirektorin des Trägervereins, Nancy Braun, und dem künstlerischen Direktor, Christian Mosar, erläutert. Alle Bewerber sollten sich bewusst sein, dass es sich um die „Europäische“ Kulturhauptstadt handelt, entsprechend sollten auch die Projektvorschläge ausfallen. Ein wichtiger Punkt sei auch den Bürgern des Südens die Schwellenangst vor der Kultur zu nehmen.

Das Budget für Esch2022 beläuft sich auf 57 Millionen Euro, von denen 40 Millionen vom Staat, zehn Millionen aus dem Budget der Stadt Esch und der Rest aus verschiedenen anderen Quellen kommen. 37 Millionen Euro stehen für die jetzt ausgeschriebenen Projekte zur Verfügung, neun Millionen Euro für Kommunikation, Marketing und Tourismus. Der Rest sind Personal und Organisationskosten

Die eingereichten Projekte sollen sich unter vier zentrale Themen gliedern:

Remix Europe: „Wir müssen die europäischen Grundwerte wiederentdecken und sie mit einer neuen Vorstellung von Europa in Einklang bringen: Remix Europe.“

Remix Nature: „Unserer Region fehlt die Sichtbarkeit des Naturraums. Hier sieht sich Remix Nature als Aufruf zu einer aktiven und anregenden Neuentwicklung.“

Remix Yourself: „Mit dem Konzept Remix Yourself wenden wir uns einer der wichtigsten Fragen unserer Gesellschaft und indirekt auch einer grundlegenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Zukunft zu.“

Remix Art: „Während der letzten 30 Jahre hat sich die Produktion und Rezeption von Kunst durch die „digitale Revolution“ drastisch gewandelt.“

Informationen und Bewerbung (nur) unter: www.Esch2022.lu