Das griechische Schuldendrama wird Europa auch über dieses Wochenende weiter beschäftigen. Die Verhandlungen über die Reformliste Athens laufen nämlich auf Hochtouren; bis zum Gipfel am 24. April in Riga muss eine Lösung stehen, damit weitere Milliarden an Hilfsgeldern für Griechenland freigegeben werden und das Land vor dem Bankrott bewahrt wird.

Ein wichtiges Signal in diese Richtung war diese Woche die Rückzahlung eines 450 Millionen Euro-Kredits an den Internationalen Währungsfonds. Freilich stammt dieses Geld nicht aus irgendwelchen Reserven, die der griechische Staat hätte, sondern es musste erneut auf den internationalen Kapitalmärkten besorgt werden. In sechs Monaten muss es im Prinzip wieder zurück gezahlt werden. Die Finanzlage des Staates hat sich dadurch also nicht verbessert, ganz im Gegenteil. Und die nächsten Kreditrückzahlungstermine stehen bereits an.

Aber Athen hat durch den Schritt bewiesen, dass es seine Schulden fristgerecht honorieren und alles daran setzen wird, einen Bankrott und ein Ausscheiden aus der Eurozone zu vermeiden. Premier Tsipras hat diese Woche noch einmal bekräftigt, das Ziel seiner Regierung sei es, sein Land in der Eurozone zu halten. Und das ausgerechnet aus Moskau, wo er zum Antrittsbesuch bei Putin weilte. Manche sahen das als weitere Provokation Tsipras‘, der demonstrativ mit Russland flirte, um im Poker um die Hilfsgelder aus dem Westen den Druck zu erhöhen. Heraus kam allerdings wenig. Außer der vom griechischen Premier selbst formulierten Erkenntnis, dass Russland Griechenlands Probleme nicht lösen könne und die EU Athens erster Ansprechpartner bleibe. Der Ton zwischen Hellas und Brüssel scheint sich nach den schrillen Wortgefechten der letzten Monate zu beruhigen, und das ist gut für die Verhandlungen zwischen EU und Athen. Nach den schrillen Tönen und Schuldzuweisungen der letzten Monate ist essentiell, dass es zu einer Normalisierung der Beziehungen kommt und zu konstruktiven Lösungen für das Land, das weitere tiefgreifende Reformen braucht. In diesem Sinne wäre es sicher begrüßenswert, wenn Tsipras manchen seiner ständig in anti-europäischem Populismus schwelgenden Ministern ans Herz legen würde, endlich verbal abzurüsten und sich auf ihre schwierigen Aufgaben zu konzentrieren.

Verbal aufgerüstet wird indes am anderen Ende der EU: In Großbritannien läuft der Wahlkampf für die Unterhauswahlen am 7. Mai auf Hochtouren. Europa ist dabei ein großes Thema, schließlich ist der konservative Premier David Cameron seit Anfang 2013 mit seinem Versprechen eines Referendums über den Verbleib seines Landes in der EU auf Stimmenfang. So versucht er, der EU-feindlichen UKIP das Wasser abzugraben, aber die Rechtspopulisten hatten die letzten Europawahlen trotzdem gewonnen. Bei den anstehenden Wahlen sagen Politikforscher ein Kopf- an Kopf-Rennen zwischen Tories und den Sozialisten von Labour voraus. Letztere haben sich deutlich für den Verbleib in der Union ausgesprochen. Fest zu stehen scheint bereits, dass keine der großen Parteien am Ende allein wird regieren können. Nicht auszuschließen, dass Tory am Ende einen Pakt mit UKIP schließt. Dann steht der EU schnell eine weitere Zerreißprobe ins Haus.