LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Gemeinden demonstrieren mit ihren Nachbarn den Willen, den Charakter der Region zu erhalten

Selten war ein Europatag so zwiespältig wie dieser. 25 Jahre nach der Öffnung der europäischen Grenzen sind kleine Grenzübergänge zwischen Luxemburg und Deutschland seit Wochen geschlossen und an den größeren wird auf deutscher Seite streng kontrolliert. Die Wut über diese – angeblich Corona-bedingte - Maßnahme wächst, allerdings nicht nur auf luxemburgischer Seite, auch in der deutschen Grenzregion. Das zeigten zahlreiche Veranstaltungen zum Europatag entlang der Grenze bei der luxemburgische und deutsche Gemeindevertreter und Bürger für den Europagedanken eintragen. Gemeinsamer Tenor: Berlin hat keine Ahnung von der Lebenswirklichkeit in der Region.

Schon am Freitag trafen sich in Echternach Vertreter der Stadt, der Verbandsgemeinde Südeifel und des Eifelkreises zu einer kleinen aber gemeinsamen Veranstaltung anlässlich des Europatages. Gerne hätte man den Protest größer organisiert, dem standen aber die Corona-Regeln gegenüber. Der Echternacher Bürgermeister Yves Wengler blickte auf die letzten 75 Jahre zurück, in denen Wunden geheilt wurden, da schade die jetzige Situation nur. Die deutschen Vertreter, an der Spitze Landrat Dr. Streit, betonten die Unkenntnis von Berlin über das Leben hier und plädierten für ein offenes Europa

Trierer Oberbürgermeister in Wasserbillig

Das Drama der Grenzschließungen, am Europatag und den Wochen davor, betrifft nicht nur die kleinen Ortschaften an der Grenze.

Zur Europafeier in Wasserbillig kam auch – Corona gerecht mit Maske – der Oberbürgermeister von Trier, Wolfram Leibe, wo er mit den Vertretern der Gemeinde Mertert-Wasserbillig und Bürgern zusammentraf. Ebenfalls ein Zeichen dafür, dass die Region gewillt ist, trotz der Grenzkontrollen zusammenleben zu wollen wie bisher. Der „Trierische Volksfreund“ titelte in seiner online-Ausgabe: „Ein Festtag ohne Grund zu feiern“ In Grevenmacher gab es auf der Grenzbrücke, trotz strömenden Regens, eine gemeinsame Europafeier mit der deutschen Gemeinde Wellen.

Auch Léon Gloden, Bürgermeister von Grevenmacher, blickte auf die vergangenen 75 Jahre zurück und sprach von gewachsener Solidarität und Partnerschaften – egal auf welcher Seite der Grenze. Hans Dostert, Ortsbürgermeister von Wellen, brachte die Sache mit den Grenzkontrollen und -schließungen am Europatag prägnant auf den Punkt: „Wir wollen das nicht!“

Die „Marie-Astrid“ protestiert

In Grevenmacher kämpfte auch das Fahrgastschiff „Princesse Marie-Astrid“ am Europatag mit einem großen Plakat „Pro Europa – Offene Grenzen“ für eine Rückkehr zur Vernunft.

Auf einem Schiff gleichen Namens war das Schengener Abkommen über den freien Personenverkehr in der EU vor 35 Jahren unterzeichnet worden.

„Keep Schengen alive“

Der Europatag in Schengen, dem Namensgeber für Europas größte Errungenschaft, wurde mit Gästen von beiden Seiten, u einem Apell die Grenzen wieder aufzumachen. Die Slogans waren ganz eindeutig „Keep Schengen alive“ und „don’t touch my Schengen!“. Auch Kardinal Hollerich, ebenfalls Gast in Schengen sprach sich deutlich für offene Grenzen aus.