LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Sechs Lösungswege, um der Schulabbrecherquote entgegenzuwirken

Das Ziel, die Schulabbrecherquote auf zehn Prozent zu senken, war erreicht. Sie lag sogar in den vergangenen Jahren in Luxemburg konstant bei rund neun Prozent. Im Schuljahr 2012-2013 ist sie allerdings wieder auf 11,6 Prozent angestiegen. 1.642 Schüler hatten die Schule ohne Abschluss verlassen, rund 800 von ihnen haben ihr definitiv den Rücken gekehrt. Die jüngsten Zahlen hätten verdeutlicht, dass der Kampf gegen den Schulabbruch ein permanenter sein müsse, sagte gestern Bildungsminister Claude Meisch während einer Pressekonferenz. Vernachlässigen dürfe man auch nicht jene Schüler, die zwar die Schule noch besuchen würden, sich jedoch kaum noch am Unterricht beteiligen, demnach innerlich bereits abgebrochen hätten. „Sie müssen wir erneut motivieren, aktiv am Schulprozess teilzunehmen“, stellte Meisch fest.

Sechs Lösungswege

Komme es tatsächlich zum Schulabbruch oder zeichne sich dieser zumindest deutlich ab, so dürfe dies nicht das Ende der Anstrengungen bedeuten. „Wir dürfen solche Situationen nicht einfach hinnehmen. Wir müssen uns kümmern und dürfen nicht warten, bis der Jugendliche der Schule definitiv den Rücken kehrt“, betonte der Bildungsminister. Sechs große Pisten - Lösungswege, die von der Regierung ausgearbeitet wurden - stellte er gestern vor. Es bedürfe einer kohärenten nationalen Politik, deren konkrete Strategien in allen Schulen Anwendung finden und von sämtlichen Akteuren mitgetragen werden. Schule und Politik seien gefordert, sagte Meisch.

„Observatoire du maintien scolaire“wird geschaffen

„Klassenwiederholungen werden in Luxemburg immer noch positiv gesehen, - als Chance, die dem Schüler geboten wird, um Lernstoff aufzuarbeiten. Etliche Experten sind vom Gegenteil überzeugt. Um erneute Misserfolge zu verhindern, werden wir früher im Jahr individuelle Fördermaßnahmen einführen“, erklärte der Minister. Die Schaffung eines „Observatoire du maintien scolaire“ soll ebenfalls einen wichtigen Beitrag leisten. Dort sollen Statistiken zusammengetragen und die nationalen Strategien ständig auf ihre Wirksamkeit hin geprüft werden. 2016 wird ein entsprechender Gesetzentwurf auf den Instanzenweg gebracht.

Innerhalb der Regionen gelte es, eng miteinander vernetzte Synergien zu schaffen. Wichtig sei es, frühzeitig zu erkennen, wenn erste Probleme auftauchen, und dann zu handeln. Eine große Rolle komme diesbezüglich dem Spos zu. Die Lehrer seien genauso in der Pflicht. Sie sollen noch gezielter aus- und weitergebildet werden, um Verhaltensauffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und richtig darauf zu reagieren. Außerdem soll die Bindung zwischen Eltern und Schule verstärkt werden.

„Die ganze Schule muss sich für das schulische Gelingen engagieren. Eine ,whole school approach‘ muss angestrebt werden“, listete Meisch weiter auf. „Die Übergänge in unserem Schulsystem müssen besser ineinander greifen, die Gräben, die dazwischen liegen, geschlossen werden“, stellte er fest. Momentan sei man dabei, den Übergang von der Grundschule in den „Secondaire“ sowie die Orientierungsprozedur zu überdenken. Kommende Woche wird der Minister erste Ideen vorstellen.

Unterschiedliche Schulenfür unterschiedliche Schüler

„Unser schulisches Angebot muss eindeutig ausgebaut werden. Wir brauchen unterschiedliche Schulen, weil wir unterschiedliche Schüler haben. Jemand der Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern hat und in diesen Bereichen auch ein gewisses Talent besitzt, sollte nicht wegen Problemen in den Sprachfächern daran gehindert werden“, erklärte Meisch. Momentan ist das Bildungsministerium deshalb auf der Suche nach einer Schule, die bereit ist, zu einem „MINT-Lycée“ - die Abkürzung steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - zu werden, wo demnach der Schwerpunkt nicht auf die Sprachen gelegt wird.

Eine Schule, die sich kümmert

„Wenn wir präventiv arbeiten, unser System dort verändern, wo es notwendig ist, wenn wir vor allem eine Schule haben, die sich kümmert, die sich engagiert und sich mitverantwortlich spürt, dann bin ich optimistisch, dass wir unsere Ziele erreichen“, meinte Meisch abschließend.