LUXEMBURG
BODO BOST

Sonderbriefmarke: Diplomatische Beziehungen Brasilien - Luxemburg seit fast 200 Jahren

In Anerkennung der Beziehungen zwischen Brasilien und Luxemburg hat die brasilianische Post im November eine Sonderbriefmarke herausgebracht, die Anfang Dezember im Piratini-Palast in Brasilia vom Luxemburger Botschafter Carlo Krieger vorgestellt wurde.

Die Sondermarke mit dem Titel „Laços Diplomáticos Brasil - Luxemburgo“ (Diplomatische Beziehungen Brasilien Luxemburg), wurde am 12. Dezember in Brasilia der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie hat eine Auflage von 480.000. Die Künstler Daniel Effi und Jamile Sallum haben die Marke entworfen.

Auf der Marke sind einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten beider Länder dargestellt, für Luxemburg zum Beispiel die Basilika von Echternach, das Festungsmuseum, die „Gëlle Fra“ und die Philharmonie. Für Brasilien unter anderem die Kathedrale von Rio de Janeiro und die barocke Kirche von Ouro Preto. Das diplomatische Gleichgewicht wird durch die Positionierung der Monumente symbolisiert, die in den beiden vertikalen Ausrichtungen gespiegelt werden, wobei die Basen an der Mitte befestigt sind, wobei die Monumente des einen oder des anderen Landes oben sein kann.

Unabhängig von der Richtung wird der Nennwert „4,5 Real“ und das Erscheinungsjahr „Brasil 2018“ auf der jeweils gegenüberliegenden Seite am Markenrand angezeigt. Die in den beiden Flaggen vorhandene blaue Farbe wurde als Hintergrund verwendet, was die gemeinsamen Interessen der beiden Staaten versinnbildlicht. Die Luxemburger Monumente sind in Rottönen gehalten und die brasilianischen Monumente in Grüntönen. Die Marke enthält auch die Wörter „Brasil“ und „Luxemburgo“ neben einer Zeichnung der jeweiligen Flaggen. Die verwendete Technik war die der Vektorillustration.

Beziehungen seit fast 200 Jahren

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Luxemburg und Brasilien wurden im Jahr 1911 offiziell begründet. Aber schon fast hundert Jahre vorher, 1828, hatte Wilhelm I., König der Niederlande und Großherzog von Luxemburg, einen Vertrag über ewige Freundschaft und Handel mit Dom Pedro, dem Kaiser Brasilien, unterzeichnet. Brasilien hatte erst wenige Jahre zuvor, 1822, seine Unabhängigkeit von Portugal erkämpft.

Seit 1820 siedelten sich luxemburgische Einwanderer in den Bundesstaaten Rio Grande do Sul, Santa Catarina und Paraná an und gründeten mehrere kleine Städte, vor allem im Tal des Rio dos Sinos, nicht weit von Porto Alegre in Rio Grande do Sul.

In den Hügeln oberhalb von Florianópolis, in den Tälern von Itajaí und am Rio Negro in Santa Catarina, und in Curitiba der Hauptstadt von Paraná finden sich Spuren Luxemburger Auswanderer in Brasilien. Sie waren unter den ersten Europäern, die sich im Süden des riesigen Landes niederließen und es urbar machten.

Einige haben ihre Sprache beibehalten; manchmal hört man diese bei Dorffesten und Familientreffen auch heute noch. Im Bundesstaat Espirito Santo gründeten um 1850 Auswanderer aus der Region Echternach unter der Leitung von Mathias Schaefer aus Moersdorf, mitten im Urwald das kleine Dorf Luxemburgo. Heute leben Zehntausende Brasilianer, Nachkommen luxemburgischer Einwanderer, im ganzen Land und pflegen ihre Wurzeln. Lange vorher wirkten bereits einige luxemburgische Missionare in Brasilien. Der bekannteste unter ihnen war João Felipe Bettendorff (1625-1698) aus Lintgen, Jesuitenoberer in Maranhão, der mehrere Missionsstationen gründete, eine 1661 am Fluss Tapajos, aus der heute die Großstadt Santarém im Bundesstaat Pará geworden ist.

Er gilt als der Entdecker der Guaraná-Pflanze, aus der heute das populärste Softgetränk Brasiliens hergestellt wird. Nach ihm ist auch die höchste Auszeichnung der Stadt benannt. Am Ende seines Lebens verfasste er ein Nachschlagewerk zur Geschichte des Amazonas und des Nordostens; „Crônica da Missão dos Padres da Companhia de Jesus no Estado do Maranhão“.

In jüngerer Zeit, seit den 1920er Jahren, brachten Ingenieure und Luxemburger Vorarbeiter ihr Know-how nach Brasilien um das erste brasilianische Stahlwerk zu errichten. Ihr Stahl ist auch in den symbolträchtigen Gebäuden der neuen Hauptstadt Brasilia zu finden. Die durch den Stahl geprägte starke Verbindung zu Luxemburg besteht noch heute in Belo Horizonte, Minas Gerais und in ganz Brasilien.

Botschafter Krieger auf den Spurender Luxemburger Auswanderer

Mit Botschafter Carlo Krieger, der seit gut einem Jahr in Brasilia im Amt ist, ist erstmals ein residierender Luxemburger Botschafter in Brasilien. In dieser Zeit hat er bereits die Hauptsiedlungsgebiete der Luxemburger Auswanderer in Rio Grande do Sul und Santa Catarina besucht. Auch die Stadt Santarém, die von dem Luxemburger Jesuiten Johann Philipp Bettendorff 1661 gegründet wurde, hat er im September 2018 erstmals besucht. In Rio Grande hat er im März die Gemeinden São Leopoldo, Novo Hamburgo, Dois Irmaos, Morro Reuter, Nova Petrópolis, Gramado und Canela besucht. In Santa Catarina hatte er im Mai die Gemeinden Major Gercino, São Pedro de Alcântara, Joinville, Blumenau und die Hauptstadt Florianópolis besucht.

In beiden Staaten hat sich Botschafter Krieger auch mit den jeweiligen Gouverneuren getroffen. Einige Hundert Familien von Nachkommen von Luxemburger Auswanderern hatten in diesen Bundesstaaten bis Ende 2018, als die Antragsfrist ablief, einen Antrag auf Wiedererlangung der Luxemburger Staatsangehörigkeit gestellt.

Der Direktor der brasilianischen Post, Romeu Ribeiro de Barros, erklärte bei der Vorstellung der Briefmarke: „Die Marke ist ein Tribut an die Beziehungen zwischen Brasilien und Luxemburg, die vor fast 200 Jahren in Rio Grande do Sul, im Tal Rio dos Sinos begannen“.


tinyurl.com/filatelia