PATRICK WELTER

Fangen wir mal böse an: Was nützt uns das schickste Logo, wenn wir nicht genügend Hotels haben? Was nützen uns die schicksten Hotels, wenn wir keine Mitarbeiter haben?

Bevor es jetzt Prügel gibt - der verjüngte Auftritt der Mosel unter der Marke „Visit Moselle“ ist ein richtiger Schritt. Die Gegend und die Winzer haben es verdient, groß rauszukommen. Auf die Qualitätsoffensive beim Wein folgt seit Jahren eine in Sachen Tourismuswerbung. Gut so, aber es bleibt ein strukturelles Problem, denn im Grunde ist Moseltourismus in Luxemburg immer Tagestourismus.

Denn wo sollen die Leute schlafen? Im Augenblick tun sie das in der „Stadt“ oder gleich in Nittel, Nennig oder Perl. Nennenswerte Bettenkapazitäten gibt es in Remich und in Mondorf, ein Businesshotel in Grevenmacher - an der Autobahn - und eine sehr löbliche Hotelneugründung in Stadtbredimus, die seit ein paar Jahren zeigt, dass es möglich ist an der Mosel etwas neues aufzuziehen.

Es gibt die ein oder Ferienwohnungen, sogar sehr schöne historische im Zentrum von Wellenstein. Modern und zeitgemäß sind Yachthafen und Campingplatz in Schwebsingen und Remich bietet einen Wohnmobilstellplatz. Wie im Elsass beim Winzer übernachten? Eher nicht.

Aber wo schläft man in Schengen, dem gefühlten Mittelpunkt Europas? Für die, mit dem neuen Auftritt „Visit Moselle“ angestrebte junge Zielgruppe U40 fällt mir außer der Jugendherberge in Remerschen nichts ein. Ohne ihnen übel zu wollen, die Hotels in Remich und Mondorf ziehen eher Gäste an, die deutlich jenseits der 40 liegen.

Seit mindestens zwanzig Jahren wird über einen Hotelneubau zwischen Schengen und Remerschen geredet. Die Idee hatte es sogar schon in die Kommunalplanung geschafft, passiert ist nix. Das Hotelexperiment im Schengener Schloss war schnell beendet - leider. Es muss doch möglich sein an Europas bekanntestem Dreiländereck ein Hotel aufzuziehen das funktioniert. Stattdessen Mikado auf allen Seiten, wer sich bewegt verliert.

Die vor den letzten Wahlen von Françine Closener aus dem Hut gezauberte „Hotelfachschule der zweiten Chance“ im Schengener Schloss war zwar eine Luftnummer, aber es war wenigstens eine Idee.

Luxemburg hat in Diekirch eine weit über die Grenzen hinaus renommierte Hotelfachschule. Hier werden regelmäßig internationale Karrieren in Küche und Hotelmanagement gestartet - und das ist, so merkwürdig es klingen mag, ein Problem. Von den Absolventen arbeitet später nur etwa ein Drittel im heimischen Gastgewerbe, die anderen gehen in die weite Welt oder in den Hospitality-Sektor (Altersheime, Seniorenstifte etc.) an. Während Wirte und Hotelchefs im Land händeringend nach Mitarbeitern suchen. Auf allen Ebenen mangelt es an Nachwuchs.

Ohne gleich als Ketzer verbrannt zu werden: Ist die Hotelfachschule vielleicht zu gut? Zu gut für den heimischen Markt? Angesichts der vielen offenen Stellen in Gastronomie und Beherbergung hat die schräge Idee der Ex-Staatssekretärin, eine zweite einfach gestrickte, Hotelfachschule zu gründen, doch einen gewissen Charme.

Das Land betreibt aktive Ansiedlungspolitik auf allen Ebenen, warum nicht im Tourismussektor?