LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Staatsanwaltschaft fordert Freiheitsstrafe von zwölf Monaten

Mindestens zweimal täglich hat ein 71-jähriger Luxemburger seine Ex-Ehefrau angerufen, sie mit SMS bombardiert. Er verfolgte seine Ex-Frau und belästigte sie gegen dessen Willen. Nach einer mehr als 30-jährigen Beziehung wollte er seine Ex-Frau aber zurückhaben. Aussitzen wollte die Betroffene das Problem nicht. Die Attacken wollte die Frau sich nicht mehr gefallen lassen und erstattete Anzeige wegen des Verdachts auf Nachstellung, sogenanntes „Stalking“.

Der monatelange Telefonterror hat den 71-Jährigen jetzt wegen Nachstellung vor die 13. Strafkammer des Bezirksgericht Luxemburg gebracht. Obwohl er seit 2012 von der Frau geschieden ist, läuft er ihr immer noch hinterher.

Opfer war der Verzweiflung nah

Er empfindet die Scheidung als persönliche Niederlage, die er nicht verkraften kann. Der Mann kämpfte mit allen Mitteln, um wieder in das Leben seiner Ex-Frau zurückzukehren. Mit dem exzessiven Stalking wollte er das „mehr als 30-jährige Leben mit seiner Frau“ retten. Stattdessen trieb er sie in die Depression. So schrieb er SMS mit dem Text, den er Tag für Tag wiederholt „Ich bete für dich.“ Oder er schrieb „Gudde Moien, gutt Nuechti.“ Noch heute plagen das Opfer Angstattacken.

Am gestrigen Mittwoch kam es zur öffentlichen Verhandlung.

Seine Schuld hat er gestern eingeräumt, vor Gericht erklärte er, was genau aus der eigenen Sicht schief lief und entschuldigte sich bei seiner Ex-Frau. Mittlerweile hätte er eingesehen, dass sein Handeln rücksichtslos gewesen sei. Der Gerichtspsychiater Dr. Marc Gleis fasste am Mittwoch das ganze Szenario in seinem Gutachten zusammen. Je besser sich Opfer und Täter kennen, desto höher sei das Risiko für Gewalt. Der Mann sei gar nicht aggressiv, sagte der Gutachter, er leide eigentlich nur unter Minderwertigkeitskomplexen. Eine Geisteskrankheit konnte der Psychiater nicht feststellen.

Im Juli 2014 und Dezember 2015 hat die Flut von SMS und Anrufen begonnen. Das Eingreifen des Untersuchungsrichters hatte ihn etwas abschreckt. Dadurch wurde das private Verhältnis zwischen ihm und seiner Ex-Frau eine Zeit lang unterbrochen, als der Untersuchungsrichter dem Stalker klarmachte, dass er mit seinen Aktionen aufhören soll. Doch auf die Dauer stoppte auch die Justiz seine Stalking-Attacken nicht. Von Februar bis Dezember 2016 fährt er mit dem Nachstellen fort und schickt seiner Ex-Frau erneut massenweise SMS. Aufgehört hätte das Nachstellen erst am 29. November 2018.

Vor Gericht erklärte die Frau: „Schonn Enn 1992 krut ech eng gutt an d’Schnëss.“

Die Vorsitzende Richterin Sylvie Conter nahm den Beschuldigten arg ins Gebet und meinte: „Sie werden von heute an null Kontakt mit Ihrer Ex-Frau haben.“

In ihrer Nebenklage beantragte die Rechtsanwältin für die gestalkte Frau einen moralischen Schadenersatz in Höhe des symbolischen Euro.

Die Verteidigung forderte am Mittwoch eine Bewährungsstrafe.

Der Vertreter der Anklage stellte sich allerdings die Frage, was im Kopf des Beschuldigten vorgehe und beantragte eine Freiheitsstrafe von zwölf Monaten, die eventuell zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. Der Beschuldigte soll außerdem eine Geldstrafe zahlen.

Das Urteil ist für den 16. Januar 2018 vorgesehen.