LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Staatsanwaltschaft fordert 24 Monate Haft für aktenkundigen Schläger

Am vergangenen Dienstag wurde ein Fall von Stalking und Körperverletzung vor der 7. Strafkammer verhandelt. Das Stalking eskalierte in dieser Angelegenheit zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung - alles aus krankhafter Eifersucht heraus.

Der mutmaßliche Täter schlug nicht zum ersten Mal zu. Nach Übergriffen im Jahre 2013 hatte seine Frau sich von ihm getrennt und am Luxemburger Bezirksgericht ein Kontaktverbot erwirkt. Er musste aus der Wohnung ausziehen. Das Gericht untersagte es Júlio José A. (53 Jahre), sich seiner Ex-Ehefrau zu nähern.

Der Mann, der bereits aktenkundig ist, wollte sich nicht mit der Trennung von seiner Ex-Frau Anna K. (Name von der Redaktion geändert) abfinden. Immer wieder lauerte er ihr auf, schlug und terrorisierte sie. Im Mai 2013 verurteilte ihn das Bezirksgericht Luxemburg dann zu 18 Monaten Haft - weil er seine Frau verprügelt hatte. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Ein fataler Fehler, wie der Anklagevertreter in seinem Plädoyer ausführte. Die Auflage, seiner Ex-Frau nicht zu nahezukommen, ignorierte er nicht nur, er hegte Rachegedanken.

Mit geballter Faust ins Gesicht

Am 22. August 2015 klingelte er nachts gegen 1.00 Sturm an ihrer Tür und wollte wissen, was in der Wohnung vor sich geht. Dann droht er ihr mit dem Tode. Zum persönlichen Kontakt kam es, als die Ex-Frau genervt nachsah und er sich Eingang ins Haus verschaffte. Im Verlauf des Streits würgte er seine Ex und schlug ihr ins Gesicht. Der 53-Jährige soll die Frau in der Haustreppe brutal zusammengeschlagen haben. Erst als der Lebensgefährte einschritt, ließ der Ex-Ehemann von seinem Opfer ab – und griff den Widersacher an, würgte ihn und schlug ihn mit geballter Faust ins Gesicht. Doch dieser wehrte sich und setzte den Wüterich vor die Tür, wo die Polizei ihn verhaftete. Verletzungen und einigen Blutergüssen mit Krankenschein waren die schmerzhaften Folgen für die Frau.

Der Vorsitzende Richter konzentrierte sich am Dienstag darauf, den 53-Jährigen zu ein bisschen Einsicht zu bewegen. Doch Júlio A. äußerte sich aufgrund eines kompletten Blackouts selbst nicht vor Gericht. A. konnte sich an nichts erinnern. Der übermäßige Alkoholkonsum - er hatte 1,4 Promille Alkohol im Blut - hätte seine Gedächtnisleistung stark beeinflusst. „Ich habe wirklich keine Ahnung mehr, was da passiert ist“, sagt er vor Gericht. Der Vorsitzende Richter interpretierte die Amnesie als Schutzbehauptung des Angeklagten. Es sei der Versuch sich der Verantwortung zu entziehen.

Anwältin Anne Roth, die als Nebenklägerin für die Ex-Frau auftrat, sagte in ihrem Plädoyer, der Angeklagte müsse wegen vorsätzlicher Körperverletzung bestraft werden. Sie beantragte ferner ein Schmerzensgeld in Höhe von 3.500 Euro.

Gegen den mutmaßlichen Täter Júlio A hielt der Vertreter der Anklagebehörde an dem Anklagepunkt Körperverletzung fest und beantragte eine Gefängnisstrafe von 24 Monaten plus Geldstrafe.

Das Urteil wird voraussichtlich am 27. April gesprochen