LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Privatbank mit Sitz in Luxemburg will massiv in Wachstum investieren - Kollege kam mit

Jürg Zeltner wurde zum neuen CEO der Privatbank KBL European Private Bankers (epb) ernannt und wird auch Mitglied im Verwaltungsrat. Der Schweizer ist der ehemalige Präsident des UBS Wealth Management. Und er kommt nicht allein: Jakob Stott, ebenfalls Ex-UBS, kommt mit ihm als CEO des Wealth Management. Sobald die Europäische Zentralbank und die Luxemburger Finanzaufsicht CSSF ihre Zustimmung gegeben haben, werden sie ihre Arbeit offiziell aufnehmen können.

Was vordergründig wie ein normaler Wechsel aussieht, verdeckt interessante Fakten, die durchaus zu einem Wettstreit im Private Banking zwischen der im Vergleich mit der Schweizer UBS kleinen KBL epb werden könnte. Denn Zeltner, der bei der UBS sehr lange gearbeitet hat, wird wahrscheinlich noch den einen oder anderen Kopf aus der Schweiz nach Luxemburg holen.

Bei der UBS war Zeltner immerhin für Vermögenswerte in Höhe von zwei Billionen Euro verantwortlich. Zum Vergleich: Die KBL wies 2018 rund 72 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen aus. Zeltner wird Peter Vanderkerkhove ersetzten, der nur 20 Monate im Amt war und aus persönlichen Gründen geht, wie es hieß. Verwaltungsratschef Jan Maarten de Jong dankte Vanderkerkhove und betonte, dieser bliebe im Verwaltungsrat der Gruppe sowie dem der Tochter Puilaetco Deeway, die ihren Sitz in Luxemburg hat. Nota bene: 2018 kam es schon mehrfach zum Stühlerücken im Vorstand der KBL epb, erst im Oktober wurden von acht Positionen drei neu besetzt.

Der Däne Jakob Stott, der auf eine Karriere bei JP Morgan sowie der UBS zurückblickt, war alleine bei letzterer für 3.000 Mitarbeiter und 45 Büros verantwortlich. Zeltner bezeichnete ihn als „Freund“. Bei der UBS war Stott Vice-Chairman des UBS Wealth Management, nachdem er zuvor das Europageschäft des UBS Wealth Managements verantwortet hatte. Er wird dem Vorstand der KBL epb angehören.

Die „Financial Times“ kritisierte die UBS-Führung als „abgehoben und lethargisch“. Zeltners Konkurrentin ist Christine Novakovic, Chefin des UBS-Europa-Wealth Managements. Die „Christl“ genannte Managerin ist eine Vertraute von Zeltners Ex-Chef Sergio Ermotti, der Zeltner Ende 2017 entließ, schreibt das Schweizer Portal „Inside Paradeplatz“. Zu seinem Verhältnis zu ihr wollte sich Zeltner auf Nachfrage unser Zeitung nicht wirklich äußern. „Ich hatte viele Kollegen und Partner bei der UBS, auch Christl gehört dazu“, sagte er. „Die UBS ist ein Wettbewerber. Es kann sein, dass noch Leute rüberkommen, aber das heißt nicht, dass wir uns gegen die UBS stellen.“ Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Zeltner selbst hat laut eigener Aussage eine Zeit des „cooling down“ nach seinem Abgang bei der UBS verbracht. So ganz losgelöst scheint er trotz der seit Monaten andauernden Gespräche nicht zu sein. Denn ihm rutschte ein Versprecher heraus: Er sei froh, zur UBS zu kommen, sagte er, um sich dann gleich zu korrigieren.

Jedenfalls hat Zeltner seit Ende 2017 laut eigener Aussage die „Zeit genutzt, um mich an die neue Situation zu gewöhnen. Mir war bald klar, dass ich im Private Banking bleiben will.“ Es habe auch andere Optionen gegeben, doch letztlich habe er sich für die KBL epb entschieden. Die war bislang in Zürich kaum bekannt.

Der Mann aus dem Berner Land wird laut eigenen Aussagen viel Zeit in Luxemburg verbringen, aber auch seinen Wohnsitz in der Schweiz behalten. Dort könnte er einen alten KBL-Bekannten treffen: Yves Stein, der schon lange in Genf wohnt und seit dem 1. Mai 2019 die Banque Rothschild leitet. Der Luxemburger führte ab 2013 das Privatkundengeschäft der KBL epb, später die Bankengruppe.

George Nasra, CEO von Precision Capital, das seit 2012 rund 90 Prozent der KBL epb hält und die Interessen des Investors, der katarischen Familie Al Thani vertritt, begrüßte das Duo Jürg und Jakob. Ihm ist bewusst, dass die kleine KBL epb nicht die einzige Bank ist, in die die Al-Thanis Geld gesteckt haben. Die Herrscherfamilie hat auch in den Schweizer Credit Suisse investiert und ein Al Thani, nämlich Jassim Bin Hamad J. J. Al Thani, saß im Verwaltungsrat der Credit Suisse. Die „Qatar Investment Authority“ gehört weiter zu den Aktionären. Und die Kataris zu Zeltners Adressbuch. „Die Familie Al-Thani kenne ich schon lange persönlich“, sagt er.

Jetzt will er einer einfachen Strategie folgen: Wachsen in allen Bereichen. „Mehr Mitarbeiter, mehr Marktanteile, mehr Kunden, vielleicht sogar eine neue geografische Basis“, gibt er die Richtung vor. Nicht einfach in einem satten Umfeld, das weiß Zeltner. Aber er glaubt daran und ist daher auch Aktionär bei der KBL epb. Insider gehen von fünf Prozent für beide Manager aus. Erreichen will er die Ziele, in dem „wir quasi alle Gewinne reinvestieren.“