LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Baustellen und Baumärkte ab Montag wieder auf - Obligatorischer Mundschutz, falls kein Abstand möglich - Lyzeen öffnen am 11. Mai, Grundschulen am 25. Mai

Innenministerium, SYVICOL und CGDIS organisieren Verteilung

Masken für alle

Während Premier Bettel und Gesundheitsministerin Lenert ihre Pressekonferenz zur Exit-Strategie gaben, sassen Vertreter des Innenministeriums, des Städte- und Gemeindeverbunds SYVICOL und des CGDIS zusammen, um die Verteilung der Atemschutzmasken zu organisieren. Die “masques chirurgicaux” - demnach Einwegmasken - werden nun vom CGDIS an die 102 Gemeinden geliefert, die für die Verteilung ab nächster Woche sorgen. Die Bürger würden noch ins Bild gesetzt, wann und wie sie an die Masken kommen.

Mit viel Spannung war sie erwartet worden, die heutige Videopressekonferenz von Premierminister Xavier Bettel und Gesundheitsministerin Paulette Lenert über eine mögliche Exit-Strategie, die beide Minister zuvor in der Abgeordnetenkammer (die nun außer am Freitag ebenfalls am Samstag zu einer öffentlichen Sitzung zusammenkommt, um wichtige Gesetzprojekte im Zusammenhang mit der Corona-Krise zu verabschieden) vorgestellt hatten, nachdem sie am Vormittag vom Regierungsrat gutgeheißen wurde.

„Diszipliniert bleiben“

Wer sich jetzt aber erwartet hatte, dass ab morgen wieder alles normal wäre, der wurde natürlich enttäuscht, werden die Corona-bedingten Beschränkungen des öffentlichen Lebens doch auch in Luxemburg nur scheibchenweise gelockert, wie Bettel unterstrich, der dabei auf die Wichtigkeit des Monitoring hinwies, von dem alles abhänge. Die Regierung habe die Entwicklung des Coronavirus jedenfalls beständig im Blick, und sei sich selbstverständlich auch der Nebenwirkungen und Kollateralschäden bewusst, die die Schutzmaßnahmen auslösen würden, aber trotzdem gelte es, weiter diszipliniert zu bleiben.

Die Exit-Strategie erfolge in mehreren Etappen, wobei die erste Phase ab nächstem Montag, den 20. April eingeleitet werden soll, wenn wieder alle Baustellen aufgehen sollen, sofern auch hier die Regeln eingehalten werden können, will heißen der Schutzabstand von zwei Metern, aber auch das Tragen einer Schutzmaske.

Unter diesen Bedingungen können dann auch ab Montag die Landschaftsgärtner wieder ihrer Arbeit nachgehen, und auch die Baumärkte und Recyclingcenter können wieder öffnen. Es sei aber klar, dass der Besuch eines Baumarkts nicht zur Shopping-Tour werden dürfe, so Bettel, der dann auch noch angab, dass diese erste Phase erst einmal für drei Wochen gelten soll. Auch die unterstützenden Dienste im Bildungswesen sollen schnell wieder ihre Arbeit aufnehmen und ab dem 4. Mai die Abschlussklassen im „Secondaire“ und die Praktika und praktischen Arbeiten beim BTS und an der Uni wieder anlaufen.

„Bleift doheem“-Regeln bleiben bestehen

In einer weiten Phasersollen dann ab dem 11. Mai auch die Lyzeen wieder öffnen, wobei die Schüler aber in zwei Gruppen eingeteilt werden sollen, die abwechselnd die Schule besuchen würden. In einer dritten Phase, die am 25. Mai anfange, würden dann auch die Grundschulen und Kindertagesstätten wieder aufmachen. Einzelheiten sollen morgen um 14.00 von Unterrichtsminister Claude Meisch zu erfahren sein. Alle anderen Geschäfte wie auch der Horeca-Sektor werden wohl erst nach dem 11. Mai wieder aufmachen, so dass die Regierung beschlossen habe, so Bettel, den betroffenen Betrieben weitere Hilfen zukommen zu lassen.

Finanzminister Pierre Gramegna und Wirtschaftsminister Franz Fayot sollen hier weitere Vorschläge ausarbeiten. Die „Bleift doheem“-Regeln würden also auch in Zukunft bestehen bleiben, wobei es vom Monitoring abhänge, ob die nächste Phase vielleicht schneller eingeläutet werde, oder aber wieder zurückgenommen werde, wenn sich die Situation wieder verschlechtere.

Keine Großveranstaltungen bis zum 31. Juli

Jeglicher sozialer Kontakt soll jedenfalls auch in den nächsten Wochen verhindert werden, was mit sich bringt, dass alle Großveranstaltungen, inbegriffen die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag, bis zum 31.Juli verboten bleiben.

Auch muss ab nächstem Montag obligatorisch eine Schutzmaske getragen werden, und das kann auch ein Schal sein, wie Bettel angab, falls kein Abstand von zwei Metern zur nächsten Person möglich ist. Das gilt auch für die Arbeit auf den Baustellen, für den Besuch im Supermarkt oder im Baumarkt sowie im öffentlichen Transport.

Die Regierung habe inzwischen eine Reserve von sechs bis sieben Millionen Masken, was es dann auch ermöglicht, dass die Bevölkerung mit Hilfe der Gemeinden in den kommenden Tagen mit Schutzmasken versorgt wird.

Gesundheitsministerin Paulette Lenert wies ihrerseits mit einer gewissen Genugtuung darauf hin, dass die Schutzmaßnahmen das gebracht hätten, was erhofft worden sei, nämlich ein Rückgang der Neuinfektionen. Auch hätten viele Infizierte die Krankenhäuser wieder verlassen können, was aber nicht heiße, dass das Virus nicht mehr da sei. So müssten wir wohl noch lange mit dem Virus leben. Covid-19 sei und bleibe gefährlich, so Lenert, die daran erinnerte, dass es nun darum gehe, eine zweite Welle zu vermeiden, nachdem die erste Welle relativ gut überstanden worden sei.

Antikörpertests laufen an

Das „Social distancing“ sei immer noch am wichtigsten, wobei aber besonders die Risikogruppen geschützt werden müssten, was bedeute, dass vor allem das Pflegepersonal systematisch getestet würde. Luxemburg sei immer noch Spitzenreiter im Testen: „WIr testen dreimal mehr als Deutschland, viermal mehr als Frankreich und rund achtmal mehr als Belgien“, was auch so bleiben soll. Systematische Tests sollen jetzt aber im Bausektor durchgeführt werden, um dort die Maßnahmen gegebenfalls anzupassen.

Das Monitoring würde indes auf Bluttests beruhen, um herauszufinden, wer das Virus schon hatte und wer schon Antikörper gebildet habe. Diese Immuntests würden auch in Zukunft weitergeführt, was eine gewisse Sicherheit gebe, so die Gesundheitsministerin.

Bei den anschließenden Fragen der Journalisten kam dann auch noch einmal das sogenannte „Contact tracing“ zur Sprache, diesbezüglich Xavier Bettel unterstrich, dass hier noch zu viele Fragen offen stehen würden, um so etwas in Luxemburg einzuführen...
Hier geht es zur offiziellen Pressemitteilung der Regierung

Coronavirus

EU will einheitliche Linie

Eine Öffnung in kleinen Schritten, enge Absprachen mit den EU-Partnern - und testen, testen, testen: Diese gemeinsame Strategie zur Lockerung der Corona-Auflagen haben Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Ratschef Charles Michel den 27 EU-Staaten empfohlen. Es handele sich um eine „sehr schwierige Aufgabe“, sagte von der Leyen heute in Brüssel. Die überall in der EU verhängten Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen hätten entscheidend geholfen, die Zahl der Coronavirus-Infektionen zu begrenzen. Nach Einschätzung der EU-Kommission wurden so Millionen Menschenleben in Europa gerettet. Denn ohne Beschränkungen könne jeder Infizierte vier bis sechs andere Personen anstecken, erläuterte ein EU-Beamter. Die Veröffentlichung der EU-Strategie sei auch kein Signal, dass die Auflagen bereits aufgehoben werden könnten, betonte von der Leyen. Die Empfehlungen sollten nur ein Rahmen für die Entscheidungen der EU-Staaten sein. Diese hatten bei Einführung der Beschränkungen weitgehend auf eigene Faust gehandelt und zum Beispiel mit strikten Grenzkontrollen für Ärger bei den Nachbarn und Lieferverzögerungen im EU-Binnenmarkt gesorgt. Nun sollten sie sich aus Brüsseler Sicht zumindest für den Weg zurück auf eine Linie einigen. Ob die EU-Staaten mitmachen, ist offen. Einige haben bereits eigene Schritte eingeleitet oder konkret angekündigt. Die EU-Strategie nennt drei wesentliche Voraussetzungen für den Beginn der Öffnung: eine spürbare Verlangsamung der Ausbreitung des Virus, genügend Krankenhaus- und Intensivbetten und die Möglichkeit, die Ausbreitung des Virus wirksam zu überwachen, zum Beispiel mit großangelegten Testreihen und technischen Hilfsmitteln wie Smartphone-Apps. Für die Öffnung selbst empfiehlt die EU ein Vorgehen in kleinen Schritten unter strenger Kontrolle der Auswirkungen. Die Staaten sollten im Kleinen beginnen, also in Dörfern oder Städten, und dies dann regional ausweiten. Risikogruppen wie ältere Menschen sollten länger geschützt werden. Infizierte mit leichten Symptomen sollten unter Quarantäne bleiben. Politisch empfiehlt die Strategie eine schrittweise Rücknahme von Sonder- und Notstandsrechten der Regierungen sowie eine schrittweise und koordinierte Aufhebung der innereuropäischen Grenzkontrollen. In einem zweiten Schritt sollten dann die Einreisebeschränkungen für Nicht-EU-Bürger gelockert werden. Von der Leyen machte allerdings deutlich, dass sie nicht mit einem schnellen Ende der Grenzkontrollen in Europa rechne, sondern nur „auf lange Sicht“. Zum Tragen eines Mundschutzes gab von der Leyen keine eindeutige Empfehlung ab.  DPA/LJ